20. April 2018

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Humanist und Kirchenmann

Spätestens als bei der erfolgreichen Batull-Pflanzung ein einheimischer Zuschauer dazwischenrief „Der Baum steht aber schief!“, merkte man, dass das 12. Apfelbäumchen in der Schweiz seine Heimat gefunden hatte.
Gepflanzt wurde in Basel zum Gedenken an den agilen Siebenbürger Johannes Honterus, dem es hier gelang, sich die damalige Medienkompetenz, das Druckerhandwerk, anzueignen. So verbrachte man den ersten Tag der Aktion (Samstag, 7. April) in der traditionsreichen Druckerei Schwabe A.G., die schon 1488 von Johannes Petri gegründet wurde und mit der Honterus nachweislich zusammengearbeitet hat. Hier schloss man sich der Rüstzeitgruppe aus Niederbayern an, die Militärpfarrer Johannes Waedt – Gemeinschaft der evangelischen Siebenbürger Sachsen – leitete. Nach einer Führung durch die Firma, die sich intensiv mit dem Thema „Digitalisierung“ auseinandersetzt, sprach Prof. Dr. Heinz Gernhäuser zu den Versammelten über „Digitale Medien – Quo vadis?“. So wie das 16. Jahrhundert durch den Buchdruck eine exponentielle Entwicklung erlebte, tut es unsere Gesellschaft heute durch die Digitalisierung. In einer Übersicht von „Alexa“ bis „Fakenews“ kam vieles zur Sprache. Fazit: Morgen wird nichts mehr so sein wie heute ... Eingeleitet hatte den Vortrag ein Grußwort der Bundesvorsitzenden des Verbandes der Siebenbürger Sachsen, Herta Daniel, die auf die schon geschehenen Pflanzungen zurückblickte.Blick in die Baseler Kapuzinerkirche. Foto: ...Blick in die Baseler Kapuzinerkirche. Foto: Carmen Bianu Der zweite Tag (Sonntag, 8. April) war dann dem „anderen“ Honterus, dem Kirchenmann, gewidmet. In die Kapuzinerkirche und das städtische Waisenhaus hatte die evangelisch-lutherische Gemeinde aus Basel und der Westschweiz geladen. Der Einladung folgten Siebenbürger aus der Schweiz, Baden und ganz Deutschland sowie aus Siebenbürgen und ganz Rumänien. In einem musikalisch eindrucksvoll gestalteten Gottesdienst predigte Christian Plajer, Stadtpfarrer in Kronstadt, und der Ortsgeistliche, Jörg Winkelströter, übernahm die hochkirchliche Liturgie. Am Schluss stellte sich Bischofsvikar Dr. Daniel Zikeli (Bukarest) der Frage, wie, wo und von wem beeinflusst Honterus sich vom Humanisten zum Kirchenmann gewandelt hat. Es muss in Basel geschehen sein. Im Garten des Areals wurde, begleitet von einem Wort des Landeskirchenkurators Prof. Friedrich Philippi, praktisch Hand angelegt und der schiefe (?!) Batullbaum gepflanzt. Mit einem gemeinsamen Essen, umsichtig von Christa Gross-Depner organisiert, klang das Beisammensein aus. Der Vorsitzende des Altenheims Blumenau aus Kronstadt, Ortwin Hellmann, sprach hier noch einige dankende und besinnliche Worte, da die örtliche Kirchengemeinde gerade dieses Heim als Hilfsprojekt unterstützt hatte. Danach begab sich jeder bereichert auf die unterschiedlich lange Heimreise.

Und so geht es weiter …

Der nächste Apfelbaum wird am 28. April in Hermannstadt unter dem Motto „Ökumene“ gepflanzt, da 1544 gerade hier die Reformatoren den ersten ökumenischen Schritt wagten und Luthers Kleinen Katechismus ins Rumänische übersetzen. Auf einen Sachvortrag wird verzichtet, doch gibt es einen Pilgerweg der Ökumene: von der evangelischen Stadtpfarrkirche über die katholische Kirche am Großen Ring, die reformierte Kirche und die orthodoxe Kathedrale auf der Fleischergasse bis hin zur Johanniskirche. Überall warten die Ortsdekane und der Metropolit auf die Pilger, um ihnen ein Wort mitzugeben. In der Johanniskirche unterhalten sich dann in einem Podiumsgespräch Bischof Reinhart Guib (Evangelische Kirche A.B. in Rumänien), Bischof Kató Béla (Reformierte Kirche), Bischof Otfried July (Evangelische Landeskirche Württemberg) und Bürgermeisterin Astrid Fodor über Sinn und Erfolg des Reformationsjubiläums. Im Hof des Teusch-Hauses wird das Bäumchen gepflanzt. Am nächsten Tag sind alle in der Kirchenburg Großau eingeladen, miteinander ein Gemeindefest zu feiern. Unterstützt werden beide Veranstaltungen durch das Haus des Deutschen Ostens vom Bayerischen Sozialministerium.

Und so wie die olympische Fackel nach langer Reise einen Endpunkt hat, wird das Projekt „12 Apfelbäumchen für ein klares Wort“ am Samstag des Heimattages (19. Mai) in Dinkelsbühl enden, wo das letzte Bäumchen neue Heimaterde finden wird.

Stefan Cosoroabă



Programm der Abschlussveranstaltung des 500. Reformationsgedenkens in der EKR am 28.-29. April 2018 in Hermannstadt und Großau (pdf-Datei)

Schlagwörter: Apfelbäumchen, EKR, Basel, Reformation, Honterus, Ökumene, Schweiz, Rumänien, Kirche

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