30. März 2020

Geistlicher Dienst in Zeiten des gesellschaftlichen Stillstandes

Gottesdienste sind nicht mehr möglich. Hausbesuche sind untersagt. Bibel-, Jugend- und Kinderkreise werden nicht mehr einberufen. Konfirmanden können keinen Unterricht mehr besuchen. Was nun? Die Heimatkirche versucht, in kurzer Zeit auf möglichst unterschiedliche und zum Teil innovative Weise die ihr Anvertrauten und die Öffentlichkeit zu erreichen.
Gleich zu Beginn der Coronavirus-Krise hat Reinhart Guib, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien (EKR), ein „geistliches Netzwerk“ gegründet und die Koordination an Pfarrer Dr. Stefan Cosoroabă übergeben. Geplant wurde erst einmal bis Ostern. Impulse aus der ganzen Landeskirche werden aufgenommen, gestaltet und an die Öffentlichkeit gebracht. Eine zentrale Rolle spielt die Homepage www.evang.ro, betreut von Stefan Bichler. Binnen kurzer Zeit wurde ein vollständiges geistliches System aufgebaut, das versucht, möglichst viele Menschen zu erreichen.

Auf Gemeindeebene gibt es eine Reihe unabhängiger Initiativen, die den Menschen geistliche Inhalte vermitteln. Dabei werden unterschiedliche Möglichkeiten genutzt, etwa der Postversand (beispielweise in Bukarest), WhatsApp-Nachrichten (Heltau), YouTube-Kanäle (Hermannstadt, Kronstadt), E-Mail-Rundschreiben (Sächsisch Regen), Radio (Banat), Facebook (Zeiden, Mediasch) und vieles mehr. Die Glocken werden in allen Kirchen regelmäßig geläutet und es wird – ausgesprochen oder unausgesprochen – zum gemeinsamen Gebet aufgerufen.

Auf Individualebene telefonieren Pfarrer – statt den Hausbesuchen – ausführlich mit Gemeindegliedern. Die Landeskirche hat eine Seelsorge- und Informationshotline eingeführt, die bis Ostern täglich zwischen 8.00 und 20.00 Uhr unter Telefon (0040-373) 783050 zu erreichen ist (siehe separater Artikel in der SbZ Online). Die Koordination hat der Zeidner Pfarrer Andras Hartig inne. Für tätige Hilfe in der Diakonie stehen die jeweiligen Mitarbeiter bereit und übernehmen beispielsweise Einkäufe.
Das Bischofspalais am Großen Ring in ...
Das Bischofspalais am Großen Ring in Hermannstadt, Dreh- und Angelpunkt des “geistlichen Netzwerks” der Heimatkirche. Foto: Stefan Bichler
Auf landeskirchlicher Ebene wird über die Homepage www.evang.ro – der auch eine Facebook-Seite angeschlossen ist – drei Mal die Woche ein geistliches Wort unterschiedlicher Pfarrerinnen und Pfarrer weitergegeben (Sonntag – Predigt, Mittwoch und Freitag – Geistliches Wort). Für Menschen, die lieber hören als lesen, wird am Montag eine Hörpredigt als Podcast veröffentlicht.

Als Zielgruppen wird auf die Konfirmanden gesorgt, indem Pfarrerin Adriana Florea wöchentliche Stunden mit „Zoom“ gestaltet. Neben den Konfirmandinnen und Konfirmanden aus Kronstadt können sich auch jene aus anderen Kirchengemeinden einklinken. Die Studenten der Theologie erhalten durch ihre Lehrkräfte den Unterricht ebenfalls online, und mit den Kirchenmusikern hält der Landeskirchliche Musikwart Jürg Leuter per E-Mail den Kontakt.

In Medienpartnerschaft erreicht die EKR unterschiedliche Gruppen der Öffentlichkeit. Über die Siebenbürgische Zeitung Online (sonntäglich ein Geistliches Wort) werden die ehemaligen Gemeindeglieder in Deutschland erreicht, über die Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien die rumänienweite Öffentlichkeit, wobei hier in traditioneller Weise ein evangelisches und ein römisch-katholisches Wort zum Sonntag alternieren. Ebenfalls landesweit strahlt die Sendung in deutscher Sprache des Rumänischen Fernsehens TVR jeden Donnerstag eine Predigt aus. Regional bietet die EKR ein geistliches Wort über die Hermannstädter Zeitung, ein bis zwei geistliche Worte pro Woche kommen den seelischen Bedürfnissen der Menschen über Radio Neumarkt entgegen.

Somit hat sich die Heimatkirche in sehr kurzer Zeit vielfältig strukturiert. Damit wird sichtbar, dass es nicht an Initiativgeist fehlt und es kaum einen Mitarbeiter gibt, der lediglich „Dienst nach Vorschrift“ macht. In Krisenzeiten wird sichtbar, wie stark eine Gemeinschaft ist. Das gilt für Familien und Staaten, aber sicher auch für Kirchen und Gemeinden. Nehmen wir die Zeit als eine Chance wahr!

Stefan Cosoroabă

Schlagwörter: EKR, Heimatkirche, Kirche und Heimat, Corona

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