26. Juli 2002

Macht macht "sexy"

Rezension des Buches: Antje Windgassen, „Im Bund mit der Macht. Die Frauen der Diktatoren“, Campus Verlag Frankfurt am Main / New York, 2002, 244 Seiten, ISBN 3. 593-36900-1, Preis: 22,10 Euro.
In Biographien von Politikern werden deren Ehefrauen und ihr Privatleben meist nur am Rande erwähnt, obwohl das Partnerverhältnis unbestritten von Bedeutung ist und das Gesamtbild abrundet. Davon ausgehend, versucht in dem vorliegenden Buch die Verfasserin das Lebensbild von zwölf Frauen aufzurollen, die mit Diktatoren des letzten Jahrhunderts verheiratet waren. Dabei weist sie auf die ambivalente Rolle dieser Frauen hin und versucht, die Frage zu beantworten, warum sie eine Ehe mit einem starken Mann eingegangen sind. Die Verfasserin kommt zu folgenden Ergebnis: Die Frauen waren, mit einigen Ausnahmen, für die Diktatoren nicht nur Geliebte oder Ehefrau, sondern in den meisten Fällen zugleich politische Partnerinnen und Vertraute, Mitwisserinnen, aktive Komplizinnen und manchmal sogar Mittäterinnen. Sie waren attraktive Frauen, die durch ihren weiblichen Charme Männer in ihren Bann zogen, wobei sie sich bei ihrem Karriereaufstieg nicht selten in Betten regelrecht nach oben schliefen. Macht, so die Verfasserin, übt eine große Anziehungskraft aus, sie macht „sexy“. Einige Frauen, die wir hier kennen lernen, suchten sich ganz bewusst und zielstrebig „ihre“ Diktatoren aus, um dadurch Vorteile zu erlangen, oder um selbst Macht auszuüben und zu Ansehen zu gelangen. Die Triebfeder waren Ehrgeiz, Machtgier, Geltungs- und Prunksucht.

In welchem Maße diese Feststellungen zutreffen, demonstriert A. Windgassen anhand biographischer Darstellungen der drei Ehefrauen Stalins, der Geliebten und der Ehefrau von Mussolini, der Ehefrau von Franco, Mao Zedong, Nicolae Ceausescu, Juan Domingo Peron, Erich Honecker, Josip Broz Tito und Slobodan Milosevic.

In einem locker-flüssigen Stil mit interessanten Details bietet das Buch eine leichte Lektüre. Wir hätten allerdings eingehendere Informationen über Elena Ceausescu gewünscht. Leider ist deren Biographie am dürftigsten ausgefallen, sie wird der Charakterisierung dieser Frau nicht gerecht, die die graue Eminenz der Ceausescu-Diktatur war und die in ihrem Ehrgeiz, Machthunger, Geltungsdrang und ihrer Skrupellosigkeit auf ihren Mann und die Landespolitik einen unheilvollen Einfluss ausübte und infolgedessen die meistgehasste Person des Ceausescu-Clans war.

Elena Ceausescu, die die vierte Klasse der Grundschule nicht bestanden hatte und dann als Arbeiterin in Bukarest sich als Prostituierte ein Zubrot verdient haben soll, lernte im Jahre 1939 Nicolae Ceausescu kennen, der sie 1945 heiratete. Sie gab sich, nachdem ihr Mann die höchsten Ämter des sozialistischen Rumänien als Generalsekretär der Kommunistischen Partei und Staatspräsident erklommen hatte, damit nicht zufrieden, sondern ließ sich in ihrem unstillbaren Ehrgeiz selbst in hohe politische und wissenschaftliche Ämter hieven. Zuletzt war sie stellvertretende Ministerpräsidentin, Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Präsidentin des Nationalrates für Wissenschaft und Schulwesen, gab sich als große Wissenschaftlerin auf dem Gebiete der Chemie aus, „promovierte“ mit einer Dissertation, die andere geschrieben, zum Dr. Ing. und erkaufte sich vielfache Ehrendoktortitel an ausländischen Universitäten. Als Heroen, Genies, geliebtester Sohn und „tugendreiche“ Landesmutter ließ sich das Herrscherehepaar in einem peinlichen Personenkult von devoten Apparatschiks und Hofdichtern beweihräuchern, bis sie in ihrem Übermut und ihrer Uneinsichtigkeit einen Volksaufstand provozierten und nach ihrer Gefangennahme in einem Schnellverfahren von einem Exekutionskommando am 22. Dezember 1989 hingerichtet wurden.

Michael Kroner


(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung, Folge 11 vom 15. Juli 2002, Seite 4)

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