2. Oktober 2002

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Anania deutet Geheimnisse um Ikonen und Fresken

Spricht man heute von rumänischen Klöstern, denkt man meistens an die weltberühmten Fresken von Voronet, an Moldovita, Sucevita, Arbore und an andere sakrale Baudenkmäler in der Südbukowina. Denn viel zu wenig bekannt sind jene Klosterkirchen, die sich südlich von Hermannstadt, in den Landschaften jenseits der Karpaten, in Oltenien, in den Kreisen Gorj, Arges, Olt und Teleorman befinden.
Seit kurzem liegt nun ein grafisch exzellent gestalteter Bildband in deutscher Sprache vor – übersetzt von Ute Maurer –, der den Leser in die spirituelle Welt der sechzehn bedeutendsten oltenischen Klöster – Câineni, Bradetu, Cozia, Bistrita-Olteana, Patrunsa, Hurezi (bei Hurezu), Râmnicu Vâlcea, Curtea de Arges, Govora, Surpatele, Dintr-un Lemn, Calui, Clocociov, Brâncoveni, Jgheaburi und Aninoasa – einführt.

Unter dem Titel „Bilder vom Reich Gottes. Ikonen und Fresken rumänischer Klöster“ brachte der bekannte Dichter, Schriftsteller, Dramaturg, Religionswissenschaftler, Prediger und Bibelübersetzer Valeriu Anania im Sternberg Verlag, Metzingen, 2002, ein reich illustriertes Buch heraus, das „auf sehr persönliche Weise in die geheimnisvolle Welt der Ikonen und Fresken“ einführt. Dabei erschließt der vielseitig gebildete Theologe das farbige Bildareal der Ostkirche, deutet religiöse Botschaften und geistige Hintergründe, vermittelt kirchengeschichtliche Informationen und interpretiert symbolhafte Darstellungen. Ein Ortsverzeichnis im Anhang weist auf die betreffenden Illustrationen und Textstellen hin.



Valeriu Anania studierte außer Theologie auch Medizin und Musik; er hatte während der kommunistischen Diktatur, wegen seines Glaubens, schwer zu leiden: 1958 wurde er zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, kam dann 1964 im Rahmen einer Amnestie wieder frei, wonach er in die USA emigrierte und ein Jahrzehnt lang in den rumänisch-othodoxen Gemeinden Amerikas als Geistlicher und Publizist tätig war. Nach seiner Rückkehr in die Heimat wurde er 1993 zum Erzbischof von Klausenburg ernannt. Demnächst soll die erste, von ihm erarbeitete, wissenschaftlich revidierte und kommentierte rumänische Bibel erscheinen.

Das vorliegende Werk, zu dem der in Bukarest lebende Kunstfotograf Victor Bortas – nach Studienaufenthalten in Washington, Köln, München und Sidney – die rund 60 farbigen Bildbeilagen schuf, ist eine „kunstvolle und tiefgreifende Auslegung bedeutender Ikonen und Fresken rumänischer Klöster“, so Dr. Gerhard Maier, Landesbischof der Evangelischen Landeskirche Württemberg in seinem Vorwort. Dabei bedient sich Valeriu Anania der Methode des Dialogs und führt in Zwiegesprächen „in die alt- und neutestamentlichen Grundlagen der in diesen Ikonen und Fresken dargestellten Personen ein. So wird die biblische Theologie der Bild-Künstler auf eindrückliche und verständliche Weise entfaltet.“

„Für das menschliche Bewusstsein und Erinnerungsvermögen haben Bilder eine äußerst wichtige Funktion,“ schreibt Manfred Wagner in der Einführung zum Bildband, um dann später festzustellen, dass auf den untersuchten Ikonen meist Menschen zu sehen sind, „die wirklich gelebt haben. Von solchen Menschen lässt sich ein Porträt zeichnen. Doch Ikonen bringen auch das zum Ausdruck, was geglaubt wird. Sie gehen also weit über die reine Porträtmalerei hinaus.“

Davon berichten nun die in Dialogform gebrachten Deutungen und Erkenntnisse, die zur Entschlüsselung von Geheimnissen um Ikonen und Fresken und deren vielfältige Motive und Symbole führen. Bartolomeu, der Erzpriester und wesentlich ältere Gesprächspartner, und Valeriu, der neugierig-interessierte Jüngere, verkörpern dieselbe Persönlichkeit, nämlich den Verfasser, der sich so von zwei Seiten dem Leser öffnet und mitteilt. Und Valeriu schließt das imaginäre Zwiegespräch mit der Feststellung, dass diese Fresken und Ikonen letztendlich „die Mission der christlichen Künstler“ und „eine Einladung in Bildern“ sind.

Dieser Aufforderung möge der interessierte Leser folgen, denn das faszinierende, leicht verständlich geschriebene Buch – zum Preis von 24,50 Euro unter der ISBN 3-87785-027-8 in allen Buchhandlungen zu bestellen – wendet sich nicht nur an Religionsforscher und Theologen, sondern auch an ein breites Publikum, das vielleicht nicht immer den weiten Weg zu den berühmten und noch wenig bekannten oltenischen Klöstern findet.

Claus Stephani


(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung, Folge 15 vom 30. September 2002, Seite 10)
Bilder vom Reich Gottes
Valeriu Anania
Bilder vom Reich Gottes

Franz
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