4. September 2005

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Leschkircher Blaskapelle vor 140 Jahren gegründet

Gleich den Städten (Hermannstadt, Kronstadt) gestalten in den vergangenen Jahrhunderten auch Bläser, gemeinsam mit dem Kantor und Diskantisten, die Gottesdienste in siebenbürgischen Dörfern mit. Zudem begleiteten sie die Leichenzüge mit Trauermusik und sangen am Grab - meist vierstimmig - entsprechende Lieder. Als Schöpfer der in Musik gesetzten „sonn- und festtäglichen Andachten“ (vertonte Bibelsprüche/Dictum) gilt der ehemalige Hermannstädter Prediger, dann Holzmengener evangelische Pfarrer Johannes Sartorius (gestorben 1765).
Dr. Michael Kroner schrieb 1975: „Blaskapellen, so wie wir sie heute kennen, bildeten sich in Stadt und Land erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts.“ Für Leschkirch ist kein Gründungsprotokoll auffindbar, allerdings konnte anhand von zwei Texten das Gründungsjahr ermittelt werden. Einem Text an der Banklehne in der evangelischen Kirche 1924 sowie dem Lebenslauf eines ehemaligen Landwirten entnehmen wir: „Martin Müller (1845-1923), der 55 Jahre dem Musikchor treu gedient hat“ und die „alten Bläser“ wurden zu Pfingsten 1920 von Johann Kraus (1902-1992) und anderen Jugendlichen, die ab 1918 im Notenlesen und Blasen unterrichtet worden waren, abgelöst.
Leschkircher Adjuvanten um 1870.
Leschkircher Adjuvanten um 1870.


Es waren neun Jugendliche, die der junge „Conrector“ und nachmalige Prediger Johann Müller (1839-1922) im Jahr 1865 (nicht 1868, wie angenommen) um sich scharte und 24 Jahre hindurch anleitete. Den Anstoß dazu soll der damalige Pfarrer von Alzen, Johann Michaelis (1813-1877), gegeben haben. Am 23. Oktober 1887 vereinigte sich diese Bläsergruppe mit der um 1880 gegründeten jüngeren Gruppe („Partie- Gesellschaft A und B“, das Protokoll ist im Original vorhanden) zur „Leschkircher Feuerwehr-Musikkapelle“.

Im Laufe der Jahrzehnte lösten immer wieder junge Bläser die Älteren ab, gestalteten kulturelle Aktivitäten mit, spielten der Jugend zum Tanze auf und geleiteten die Verstorbenen auf ihrem letzten Weg. In den kommunistischen Jahren nahmen die Adjuvanten wiederholt an Kulturwettbewerben teil und erzielten mehrmals einen der ersten Plätze. 1960 gründeten einige Bläser eine Unterhaltungskapelle (Band), die bei Hochzeiten und Tanz „modernere“ Melodien bot.

Die massive Aussiedlung nach 1989 hatte auch das Aus aller gewachsenen Gemeinschaftsstrukturen (Nachbarschaften, Vereine, usw.) zur Folge. Keine Ausnahme machten die Adjuvanten, die rund 125 Jahre, neben der Chortätigkeit die Musiktraditionen gepflegt und das Gemeinschaftsleben der Leschkircher Sachsen „von der Wiege bis zum Grabe“ begleitet hatten.

Michael Edling


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