19. Januar 2014

Siebenbürger Sachsen wachsen zusammen: Evangelische Kirche in Brenndorf eingeweiht

Die evangelische Kirche in Brenndorf wurde in einem Festgottesdienst am 8. Dezember 2013 durch Bischof Reinhart Guib wieder eingeweiht. Es ist die 35. Einweihung, die in der Evangelischen Kirchen A.B. in Rumänien im letzten Jahr vorgenommen wurde. Zwei Bauetappen der Kirchenrenovierung haben die Brenndorfer von hüben und drüben 2013 erfolgreich abgeschlossen und wurden dabei erheblich von der Bundesregierung unterstützt. Das große Gemeinschaftswerk in Brenndorf steht damit stellvertretend für viele andere Siebenbürger Sachsen, die sich in grenzüberschreitender Verantwortung für ihre Kultur und Geschichte einsetzen. Sie wohnen zwar geographisch verstreut, wachsen aber durch ihr Wirken zusammen.
Der Gottesdienst wurde von Bischof Reinhart Guib zusammen mit den Pfarrern Dr. Peter Klein (Petersberg, zuständig auch für Brenndorf) und András Pal (Tartlau) zelebriert. 150 Besucher nahmen daran teil, darunter der deutsche Generalkonsul Thomas Gerlach, der österreichische Honorarkonsul in Hermannstadt, Andreas Huber, Landeskirchenkurator Friedrich Philippi, der Kronstädter Bezirkskirchenkurator Ortwin Hellmann, der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen im Kreis Kronstadt, Wolfgang Wittstock, Pfarrer, Kuratoren und viele mehr.

Bischof Guib sprach in seiner Predigt vom Advent als „Zeit der Türen“. Die evangelische Kirche in Brenndorf war beim Erdbeben im Mai 1990 beschädigt und im Jahr 2000 aus Sicherheitsgründen für Besucher und Gottesdienste gesperrt worden. Zum ersten Mal nach 13 Jahren stünde die Kirche in Brenndorf nun wieder offen und „lädt die Gemeinde immer wieder zum Gottesdienst oder auch zu einem Konzert und die Besucher im Sommer zur Besichtigung ein“, sagte Bischof Guib.
Bischof Reinhart Guib weihte die evangelische ...
Bischof Reinhart Guib weihte die evangelische Kirche in Brenndorf nach der Innenraumrenovierung ein. Foto: Anamaria Răvar
„Wir haben einen Gott, der Türen auftut“, sagte das Kirchenoberhaupt mit Bezug auf das Predigtwort aus der Offenbarung des Johannes (Kapitel 3, Verse 7-13). „So hat Gott alles gut zusammengeführt – dass der Bundesbeauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, die ‚Dorfgemeinschaft der Brenndörfer‘ (HOG Brenndorf) und die Kirchengemeinde Brenndorf die Finanzen aufbringen konnten, dass die Baufirma Op-Art aus Sankt Georgen (Sfântu Gheorghe) gute Arbeit geleistet, die Kirche im Inneren renoviert und den Kirchhof abgesenkt hat und dass die Gemeinde mit Pfarrer, Kurator und vielen Helfern/innen dafür sorgen konnten, dass für die Einweihung des Innenraums der Kirche auch die letzten Spuren entfernt wurden“, betonte der Bischof. Schließlich lobte er die Kirchengemeinde Brenndorf, die 49 evangelische Seelen zählt und sich trotz Abbrüchen und Umbrüchen der letzten Jahrzehnte mit kleiner Kraft und zusammengelegten Kräften bewährt habe. „Es kommt nicht auf die Zahl der Gläubigen an, sondern auf eure Treue zum Herren und euer Festhalten an dem, was ihr für richtig erkannt habt.“

Der Petersberger Chor unter Diana Bâldea und Domnica Pepelea an der elektronischen Orgel gestalteten den Gottesdient musikalisch mit. Die Petersberger Blaskapelle spielte anschließend im Kirchhof, führte den kleinen Umzug hin zum Kulturhaus an und umrahmte auch die dort stattfindende Adventsfeier musikalisch. Der Kronstädter Kinderchor „Canzonetta“ unter der Leitung von Ingeborg Acker erfreute mit Weihnachtsliedern und lud die rund 170 Gäste zum Mitsingen ein.

Bundesregierung wird deutsche Minderheit in Osteuropa weiter unterstützen

In mehreren Grußworten wurde den vielen Förderern, Spendern und Helfern gedankt, die die Renovierung ermöglicht haben. Der deutsche Generalkonsul Thomas Gerlach lobte die große Eigenleistung der Brenndorfer, die mit ein Grund für die Bundesregierung gewesen sei, die Renovierung zu fördern. Gerlach versicherte, dass die Bundesregierung die deutsche Minderheit in Osteuropa weiterhin unterstützen werde. Die Heimatortsgemeinschaften bezeichnete er, neben dem Forum und der Kirche, als dritten tragenden Pfeiler für die Zukunft der Siebenbürger Sachsen in Rumänien.

Die Wiedersehensfreude war den Teilnehmern ins Gesicht geschrieben. Für Brenndorf war es das größte Fest seit der Wende, wobei die Gemeinschaft übergemeindlich – mit Landsleuten aus dem Burzenland, Repser Land bis hin nach Hermannstadt – gelebt wird.

Die evangelische Kirche in Brenndorf ist das bedeutendste Denkmal, das Zeugnis ablegt von der jahrhundertelangen Geschichte der Siebenbürger Sachsen in Brenndorf. Die Kirche war und ist der Mittelpunkt des dortigen Gemeinschaftslebens. Als der Kronstädter Kirchenbezirk unter ihrem damaligen Dechanten Klaus Daniel 2004 mit der Bitte an die „Dorfgemeinschaft der Brenndörfer“ (HOG Brenndorf) herantrat, sie möge bei der Renovierung der Kirche in Brenndorf behilflich sein, sind viele Landsleute diesem Aufruf gefolgt. Über 35000 Euro hat die „Dorfgemeinschaft der Brenndörfer“ gesammelt und für eine erste Renovierung des Daches und der Sakristei im Jahr 2004, für alle Gutachten und Genehmigungen im Laufe der vorigen Jahre sowie für die Renovierung der Saaldecke und die Kirchhofabsenkung im Frühjahr 2013 (siehe Bildergalerie) eingesetzt.

Als Vorsitzender der „Dorfgemeinschaft der Brenndörfer“ habe ich bei der Feier in Brenndorf allen Freunden und Förderern gedankt, darunter der Siebenbürgisch-Sächsischen Stiftung, die 2000 Euro beigesteuert hat.

Ein großer Dank gilt dem Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, der die Innenraumrenovierung in Brenndorf im Herbst 2013 aufgrund eines Beschlusses des Bundestages mit 30.348 Euro gefördert hat (siehe Bildergalerie).

Ganz besonders sei auch der evangelischen Kirchengemeinde Brenndorf gedankt, die sich nicht nur erheblich finanziell eingesetzt hat, sondern an der Spitze mit Pfarrer Dr. Peter Klein, Kurator Manfred Copony, Altkuratorin Rosi Rusu und anderen Mitgliedern des Kirchenrats alle nötigen Behördengänge erledigt, Verhandlungen mit Architekten, Denkmalpflegern und Baufirmen geführt und vieles mehr geleistet hat.

Weitere Arbeiten stehen an

Die renovierte Kirche ist ein Zeichen unseres Selbstbewusstseins, der Achtung vor uns selbst, vor unserer Geschichte und vor den nächsten Generationen, die die Wurzeln ihrer Eltern und Großeltern erkunden wollen und künftig eine renovierte Kirche in Brenndorf vorfinden werden. Neben kleineren Arbeiten stehen noch zwei große Arbeiten in Brenndorf an: die Renovierung des Turms und der Außenwände der Kirche.

Bischof Reinhart Guib sagte in seiner Predigt: „Mit Vertrauen in den Herrn, der Türen auftut, hoffen wir, dass die Förderer auch 2014 dranbleiben und mit vereinten Kräften auch die Außenrenovierung durchgeführt werden kann.“ Er bekundete die Hoffnung, dass die Herzen der Spender und Förderer offen bleiben mögen, um dieses Werk zu vollenden, und regte an, ein Heimattreffen aller Brenndorfer, auch jener aus dem Ausland, zu organisieren.

Siegbert Bruss



Externe Links:

Einweihungsgottesdienst am 8. Dezember 2013 in Brenndorf, Fotos: Anamaria Răvar

Einweihungsgottesdienst mit anschließender Adventsfeier am 8. Dezember 2013 in Brenndorf

Schlagwörter: Kirchenrenovierung, Brenndorf, Burzenland, BKM

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