24. Juli 2026

Siebenbürgisch-sächsische und skandinavische Tanzkultur verbindet

Volkstanz kennt keine Grenzen – das erlebte die Siebenbürgische Jugendtanzgruppe München (SJTGM) bei ihrer Kulturreise über Dänemark nach Schweden eindrucksvoll. Die Gruppe begab sich vom 17. bis 21. Juni auf eine besondere Begegnungsreise, bei der nicht nur getanzt, sondern auch generationsübergreifend Kultur weitergegeben und kennengelernt, neue Freundschaften geknüpft und gemeinsame Traditionen entdeckt wurden.
Die Siebenbürgische Jugendtanzgruppe München vor ...
Die Siebenbürgische Jugendtanzgruppe München vor der „Logen i Lund“ Foto: Rob
Schon seit einigen Jahren ist Ulf Carlsson aus Lund, Schweden ein großer Fan der SJTGM, verfolgt neugierig unsere Auftritte und ist einer unserer größten Unterstützer. Ulf ist selbst Teil einer schwedischen Tanzgruppe, choreografiert seit Jahrzehnten erfolgreich eigene Tänze und ist Vorstandsmitglied des Folkdansringen Skåne-Blekinge, der sich der Bewahrung und Förderung der Volkskulturen in den schwedischen Regionen Skåne und Blekinge widmet, insbesondere durch Volkstanz, Volksmusik und Volkstrachten. Durch das beidseitige Interesse an der gegenseitigen Kultur ergab sich über Jahre ein reger Austausch, der mit dem von Ulf stammenden Tanz „Hitta Fjällan“, mit dem die SJTGM beim Volkstanzwettbewerb der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland 2025 einen hervorragenden zweiten Platz erreichte, gekrönt wurde. Um dieses Netzwerk nachhaltig zu stärken, reifte schnell die Idee eines internationalen Kulturaustausches. Und so lud Ulf die SJTGM kurzerhand über Midsommar nach Schweden ein.
Bei strahlendem Sonnenschein ging es für die ...
Bei strahlendem Sonnenschein ging es für die ganze Gruppe auf eine Kanaltour durch Kopenhagen. Foto: Rob
Gesagt, getan, nach monatelanger Planung begann am Mittwoch, dem 17. Juni, die Reise für die 23-köpfige Gruppe nach Kopenhagen. Bevor es am nächsten Tag nach Lund zum eigentlichen Ziel der Reise weiterging, erkundeten wir die dänische Hauptstadt, nahmen an einer Kanalfahrt teil, besuchten viele Sehenswürdigkeiten und stimmten uns auf den kommenden kulturellen Austausch ein.

Nach Ankunft in Lund am Nachmittag des 18. Juni begannen die letzten Vorbereitungen für den bevorstehenden Kulturaustausch. Hierbei wurde uns allen klar, dass diese Reise nicht nur aus Tanzauftritten, sondern vor allem aus Begegnungen bestehen soll. Voller Vorfreude machten wir uns am Freitagvormittag auf den Weg zum Kvarteret Erikstorp, dem ersten Auftritt des Tages. Vor einem wunderschön geschmückten Midsommarbaum durften wir zunächst die Darbietungen der schwedischen Tanzgruppe bestaunen und nach einem gemeinsamen Tanz unser eigenes Repertoire präsentieren. Ein besonderes Erlebnis war der anschließende traditionelle Midsommardans – ein Mitmachtanz, vor allem für Kinder, bei dem Jung und Alt zusammenkamen und die Freude am Tanzen im Mittelpunkt stand. Auch der zweite Auftritt des Tages auf den Festungswänden der Citadell Landskrona wurde zu einem besonderen Erlebnis.
Die imposanten Wallanlagen der Citadell ...
Die imposanten Wallanlagen der Citadell Landskrona bildeten den Rahmen für den zweiten Auftritt der Gruppe. Foto: Ingmar Leutschaft
Nach den Auftritten lud Ulf die SJTGM in seine eigene Veranstaltungsstätte „Logen i Lund“ ein. Als Dank für die außergewöhnliche Gastfreundschaft hatten wir uns vorgenommen, vor Ort gemeinsam Baumstriezel zu backen. Während der Teig aufging, wurde gemeinsam zu Abend gegessen, getanzt, musiziert, sowohl siebenbürgische wie auch schwedische Lieder wurden gesungen und mit den Gastgebern angeregt geplaudert. Das schwedische Fazit zum Baumstriezel lautete: Dieser Baumstriezel ist nicht von dieser Welt. Lecker!
Beim Kvarterert Erikstorp. Foto: Sonja Logdeser ...
Beim Kvarterert Erikstorp. Foto: Sonja Logdeser
Dieser Abend zeigte uns allen besonders deutlich, was das Ziel der Reise war: Kulturen sollten nicht nur präsentiert, sondern miteinander geteilt werden. So werden Traditionen lebendig, greifbar und überdauern.

Der Samstag bot zunächst Gelegenheit, Lund und die Umgebung kennenzulernen. Am Nachmittag kamen wir erneut in der „Logen i Lund“ zusammen. Hier erwarteten uns nun nicht nur die bereits vom Vortag bekannte schwedische Tanzgruppe, sondern auch noch eine weitere. Als Überraschung erhielten die Mädels unserer Gruppe bereits am Eingang – wie es an Midsommar Tradition ist – Blumenkränze, die mit Begeisterung getragen wurden.

Nach dem Abendessen wurden gemeinsam schwedische Lieder sowie „Rote Rosen“ gesungen, bevor ein umfangreiches Tanzprogramm begann. Zunächst präsentierten die schwedischen Tanzgruppen einen ihrer aktuellen Lieblingstänze, anschließend zeigten wir zur großen Begeisterung unserer Gastgeber „Hitta Fjällan“. Ein besonders emotionaler Moment entstand, als wir uns zum Lied „Wahre Freundschaft“ aufstellten, die Bedeutung dieses Liedes darlegten und uns alle in den Armen lagen. Spätestens als aus Zeichen des Dankes ein traditioneller Geschenkkorb mit siebenbürgischen und bayerischen Spezialitäten an Ulf und seine Frau überreicht wurde, blieb kaum ein Auge trocken.
Gastgeber mit Herz: Ulf Carlsson und seine Frau ...
Gastgeber mit Herz: Ulf Carlsson und seine Frau gemeinsam mit den schwedischen Tanzgruppen und der SJTGM. Foto: Rob
Im weiteren Verlauf des Abends wurden abwechselnd weitere Tänze vorgeführt, bis anschließend zahlreiche Tänze wie die „Reklich Med“ zu Livemusik gelehrt und gelernt wurden. Es war inspirierend, diese Leidenschaft und Liebe zum Volkstanz zu erleben und teilen zu dürfen. Bis spät in die Nacht tauschten wir uns über unsere unterschiedlichen Trachten und Bräuche aus, tanzten zu deutschem Schlager, sangen und feierten und auch der schwedische Discofox durfte nicht fehlen.

Am Sonntag traten wir nach einer kurzen Erkundung der Stadt Lund schließlich die Heimreise an – im Gepäck viele neue Freundschaften, zahlreiche Eindrücke und unvergessliche Erinnerungen. Diese Kulturreise war weit mehr als ein Ausflug: Sie war ein aktiver Beitrag zur Erhaltung und Weitergabe des siebenbürgisch-sächsischen Kulturerbes. Indem wir unsere Traditionen und Bräuche aus dem gewohnten Umfeld herausholen und in einen modernen, internationalen Kontext stellen konnten und erleben durften, dass diese europaweit anschlussfähig sind und wertgeschätzt werden, profitiert unsere siebenbürgische Gemeinschaft von jedem einzelnem und dessen eigener gestärkter kultureller Identität.

Ein herzliches Dankeschön gilt Ulf Carlsson für die Einladung nach Schweden und seiner Frau und den schwedischen Gruppen für die besondere Gastfreundschaft. Wir sind sehr gerührt von deren Herzlichkeit und dem uns entgegengebrachten Interesse.

Diese kulturelle Begegnung wurde durch das Kulturwerk der Siebenbürger Sachsen e.V. aus Mitteln des bayerischen Sozialministeriums sowie durch das Sozialwerk der Siebenbürger Sachsen e.V. gefördert. Dafür vielen herzlichen Dank, ebenso für die Unterstützung von der Kreisgruppe München.

Diese Kulturreise hat eindrucksvoll gezeigt: Tradition verbindet – und manchmal entsteht die stärkste Brücke zwischen Kulturen dort, wo gemeinsam getanzt wird. Auf diese neu erschlossene Brücke und unsere siebenbürgisch-schwedische Freundschaft darf die SJTGM bewusst stolz sein. Bleibt nur noch die Frage unserer neuen schwedischen Freunde unbeantwortet: „Wann kommt ihr wieder?!“ – Wir hoffen sehr, sehr bald …

SJTGM

Schlagwörter: Tanzgruppe München Jugend, Schweden

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