28. August 2026

Europeade 2026 abgesagt – Bergam-eade mit Herz

Nur vier Wochen vor Beginn der Europeade erreichte uns die Nachricht von ihrer Absage. Nach einigen Tagen des Überlegens, zahlreicher Telefonate und intensiver Abstimmungen mit unseren angemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmern stand jedoch fest: Wir lassen uns die Vorfreude auf die geplante Reise nicht nehmen und machen uns trotzdem auf den Weg nach Bergamo. Schließlich waren, wie bei zahlreichen anderen Gruppen auch, die Planungen längst abgeschlossen: Der Bus war reserviert, die Unterkunft gebucht sowie Trachten und Tänze vorbereitet. Zwar entfiel mit der Absage der Europeade auch die ursprünglich vorgesehene Förderung, da seitens des Europeade-Komitees kein förderfähiges Ersatzprogramm angeboten wurde. Dadurch mussten unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer – abgesehen von der finanziellen Unterstützung durch den Kreisverband Nürnberg und die Kreisgruppe Bad Tölz – Wolfratshausen – die Reisekosten weitgehend selbst tragen.
Vereinigte Siebenbürgische Tanzgruppe des ...
Vereinigte Siebenbürgische Tanzgruppe des Landesverbandes Bayern in Bergamo. Foto: Anneliese Böhm
So starteten wir schließlich frühmorgens am 22. Juli in Nürnberg. Über Ingolstadt, Wolfratshausen und Penzberg sammelten wir nach und nach insgesamt 31 Teilnehmende ein. Nach einer kurzweiligen Fahrt, begleitet von Gesang, guter Laune und großer Vorfreude, erreichten wir unsere Unterkunft in Bergamo. Nachdem die Zimmer bezogen waren und eine kleine Erfrischungspause eingelegt wurde, machten wir uns auf den Weg zu einer ersten Erkundungstour durch die Stadt.

Es sollte eine ganz besondere 60. Europeade werden – deshalb hieß sie für uns von nun an „Bergam-eade“. Anders als bei einer regulären Europeade gab es diesmal kein festes Festivalprogramm. Unsere Gruppe beschloss daher, den Donnerstag für erste Eindrücke der Stadt zu nutzen. Wir schlenderten durch die zentrale Fußgängerzone in Richtung Altstadt und begegneten immer wieder Trachtenträgern, die offensichtlich ebenfalls wegen der Europeade nach Bergamo gekommen waren. Mit dem Bus ging es anschließend hinauf in die Città Alta, das historische Herz der norditalienischen Stadt. Die auf einem Hügel gelegene Oberstadt beeindruckt mit ihren rund fünf Kilometer langen venezianischen Stadtmauern, die zum UNESCO-Welterbe gehören, ihren verwinkelten mittelalterlichen Gassen und der malerischen Piazza Vecchia.

Für den frühen Abend hatten wir unseren eigenen Gruppenauftritt geplant. In Tracht, unsere Flaggen schwenkend, mit Musik und bester Stimmung zogen wir durch die Altstadt. Dort trafen sich zahlreiche Tanzgruppen und Musikanten aus ganz Europa. Jede Gruppe präsentierte ihre Tänze, lud zu gemeinsamen Mitmachtänzen ein und sorgte für eine einzigartige Atmosphäre. Begeisterte Tänzerinnen und Tänzer aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Finnland, den baltischen Staaten, Ungarn, Polen und vielen weiteren Ländern feierten gemeinsam ihre Traditionen. Auch in der Oberstadt bot sich das gleiche Bild. Bis spät in die Nacht wurde auf den Plätzen getanzt, musiziert und gesungen. Freundschaften wurden geknüpft und gepflegt – Europa rückte auf ganz besondere Weise zusammen.

Diese besondere Stimmung begleitete uns auch an den folgenden Abenden. Den Freitag verbrachte unsere Gruppe im malerischen Iseo am Iseosee. Ein Teil besichtigte die historische Altstadt und setzte mit der Fähre zur autofreien Insel Monte Isola über. Die anderen genossen die Ruhe, das mediterrane Flair und eine willkommene Abkühlung am Seeufer.

Den letzten Tag verbrachten wir in Mailand. Bereits am frühen Morgen fuhren wir mit der Bahn in die heute führende Kultur-, Medien- und Modemetropole Italiens. Mit einem Hop-on-Hop-off-Bus erkundeten wir die Stadt und ließen uns ihre zahlreichen Sehenswürdigkeiten näherbringen. Natürlich reichte die zur Verfügung stehende Zeit bei Weitem nicht aus, um alle Eindrücke aufzunehmen. Dennoch nahmen wir viele schöne Erinnerungen, beeindruckende Bilder und zahlreiche Fotos mit.

Der letzte Abend sollte noch einmal ganz im Zeichen der Begegnung und der freundschaftlichen Verbundenheit mit unseren europäischen Freunden stehen. Nach dem Frühstück am Sonntag hieß es schließlich: Zimmer räumen, Koffer packen und die Heimreise antreten. Auch wenn es diesmal „nur“ die Bergam-eade war, fühlte es sich für uns wie eine echte Europeade an. Tanz, Musik, Gesang und gelebte Tradition verbinden Menschen über Ländergrenzen hinweg. Genau dieses Gefühl war während der gesamten Reise spürbar und wurde von allen Teilnehmenden mit Leben erfüllt.

Ein herzliches Dankeschön gilt allen Gruppen aus den unterschiedlichsten europäischen Ländern, die trotz der Absage der offiziellen Europeade den Weg nach Bergamo gefunden haben. Erst durch ihre Bereitschaft, Traditionen zu teilen, gemeinsam zu tanzen, zu musizieren und miteinander ins Gespräch zu kommen, wurde die Bergam-eade zu dem, was sie war – ein lebendiges Zeichen europäischer Freundschaft und Verbundenheit. Spezieller Dank geht an Gerlinde für die gekonnte und umsichtige Organisation unserer Reise. Ebenso bedanken wir uns beim Kreisverband Nürnberg und der Kreisgruppe Geretsried für ihre finanzielle Unterstützung.

Brigitte Krempels


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Schlagwörter: Europeade, Jugend, Bergamo, Kreisverband Nürnberg, Vereinigte Siebenbürgische Tanzgruppe des Landesverbandes Bayern

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