28. Dezember 2017

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Nürnberger Ausstellung zur Reformation im östlichen Europa

Ganz Deutschland blickte 2017 auf Martin Luther – wer den Blick weiten wollte, bezog auch noch seine Frau Katharina von Bora mit ein oder betrachtete wie das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg „Luther, Columbus und die Folgen“. Wer aber schaute in die andere Richtung, gen Osten? Dass die Entwicklungen dort nicht bloß unter „ferner liefen“ rangieren, unterstrich eine mehrteilige Wanderausstellung des Deutschen Kulturforums östliches Europa, die der Nürnberger Kulturbeirat zugewanderter Deutscher nach Franken holte, um auch daran zu erinnern, dass in Osteuropa die reformatorischen Glaubensströmungen einst wichtiger und präsenter waren, als viele heute denken.
Während in der Kaiserburg in Lauf an der Pegnitz die Tafeln zur Reformation in den Böhmischen Ländern gezeigt wurden, waren es im Krafft’schen Haus in Nürnberg elf Tafeln zum östlichen Europa allgemein und weitere zehn Tafeln speziell zu Siebenbürgen.

Eröffnung der Reformationsausstellung im ...Eröffnung der Reformationsausstellung im Krafft’schen Haus: Dr. Harald Roth referiert. Foto: Annette Folkendt Bei der Eröffnung der Ausstellung am 6. Oktober fasste Dr. Harald Roth, der Direktor des Deutschen Kulturforums östliches Europa, die Entwicklung der Reformation in Siebenbürgen zusammen: Die Reformation fasste in Siebenbürgen schnell Fuß und konnte sich vor allem nach 1541 entwickeln, als Ungarn in einen habsburgischen Teil, einen osmanischen Teil und das Wahlfürstentum Siebenbürgen geteilt wurde. Dass die Reformation Wittenberger Typs dabei von Kronstadt ausging, ist ein erwähnenswertes Detail, ist Kronstadt doch offiziell befreundet mit Nürnberg. Daneben breiteten sich (vor allem unter den Ungarn) aber auch die calvinistisch-zwinglianische sowie die unitarische Glaubenslehre aus, so dass Siebenbürgen bald völlig zersplittert war. Zudem gab es katholische Szekler und orthodoxe Rumänen. Eingeklemmt zwischen den Habsburgern und den Osmanen, konnte man sich religiöse Konflikte im Inneren nicht erlauben, weshalb letztlich weitgehend Glaubensfreiheit herrschte. Diese Stabilität führte dazu, dass Siebenbürgen im 30-jährigen Krieg Ziel vieler Glaubensflüchtlinge aus Mitteleuropa war und selbst die Gegenreformation unter den Habsburgern kaum eine Chance hatte. Die evangelischen Kirchen überstanden letztlich sogar die Diktatur und den Kommunismus und sind bis heute präsent, wenngleich die Lutherische Kirche A.B. durch den Exodus der Siebenbürger Sachsen nur noch rund 13 000 Mitglieder zählt.

Von der Entwicklung in Rumänien sprach am 20. Oktober auch Dr. Joachim Habbe, Pfarrer der Martin-Niemöller-Kirche in Nürnberg-Langwasser. Die Ausstellung wurde hier ein Wochenende lang gezeigt und am Vorabend stellte Pfarrer Habbe in einem Vortrag die Entwicklung der Reformation in Siebenbürgen auch im Kontext zur Entwicklung der Religion im schwäbischen Banat dar. Er lenkte den Blick dabei auch auf die anderen Gebiete des östlichen Europas und machte das interessierte Publikum auf Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede aufmerksam.

Eine Kirche, aber auch ein Museum und ein städtisches Amt, der Nürnberger Kulturbeirat zugewanderter Deutscher, haben sich im Jahr des Reformationsjubiläums bemüht, den Bürgern Nürnbergs und des Umlandes entgegenzukommen. Kirchgänger, Konzertbesucher, Museumsbesucher, Hundebesitzer und Entrichter der Zweitwohnsitzsteuer sind somit genauso der „Reformation im östlichen Europa“ begegnet wie der bewusste Ausstellungsbesucher. Ihnen allen bleibt vom großen Jubiläum 2017 hoffentlich mehr im Gedächtnis als „nur“ Martin Luther.

Dagmar Seck

Schlagwörter: Ausstellung, Nürnberg, Reformation, Südosteuropa

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