29. Februar 2012

Haus des Deutschen Ostens München plant internationale Fachtagungen

Nachdem die internationale Politik sich gegenwärtig nur mit Euro-Rettung, Sparpaketen und Energiewende befasst, greift das Haus des Deutschen Ostens (HDO) München in seiner Eigenschaft als Institution des Freistaates Bayern für die Deutschen aus dem Osten und deren Kultur und als nachgeordnete Behörde des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen im Veranstaltungsjahr 2012 „Nischenthemen“ auf, die eine gründliche und grundsätzliche Beachtung verdienen. Zwei internationale Fachtagungen hat das HDO bereits terminiert. In Kooperation mit der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung Dillingen, der zentralen Lehrerweiterbildungseinrichtung in Bayern, und der Akademie für politische Bildung in Tutzing geht es in der Gemeinde am Starnberger See vom 19. bis zum 23. März 2012 um „Minderheiten in Europa“.
Dabei werden die drei Veranstalter mit namhaften Referenten historische und aktuelle Fragen zur Volksgruppen- und Minderheitenpolitik in Europa untersuchen. Der Lehrgang zur fächerübergreifenden politischen Bildung beschäftigt sich mit dem stets aktuellen Gesamtkomplex der nationalen, ethnischen und religiösen Minderheiten in Europa. Ein Siebtel der Bevölkerung der Europäischen Union gehört autochthonen Minderheiten an, etwa 70 Millionen Menschen. In Europa insgesamt gibt es nach Schätzung des Europarates rund 200 verschiedene nationale Minderheiten. Bis heute bedeutet diese Vielgestaltigkeit nicht nur eine kulturelle Bereicherung, sondern ein erhebliches Konfliktpotential. In einer langen Menschen- und Völkerrechtsdiskussion sind daher Standards und Rechtnormen zum Minderheitenschutz entwickelt worden, die ein selbstbestimmtes Leben gemäß der eigenen Identität ermöglichen und Konflikte ausräumen sollen.

Im Einzelnen sollen folgende Fragen untersucht werden: Selbst- und Fremdbilder: Was ist eine Minderheit?; Minderheit und Nationalstaat: Konfliktpotentiale in Geschichte und Gegenwart; Selbstbestimmtes Leben: Minderheitenschutz im nationalen, europäischen und internationalen Recht; Unbekannte Lebenswelten: Minderheiten in Deutschland und Deutsche als Minderheit im europäischen Ausland; Europäisches Mosaik – Lebensweise, Selbstverständnis, rechtlicher Status von Minderheiten in Europa an ausgewählten Beispielen; Ausgegrenzt und Missverstanden? – Sonderfall Sinti und Roma in Europa Als Referenten erwartet werden u. a.: Staatssekretär Dr. Christoph Bergner aus dem Bundesministerium des Innern, der auch Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten ist; der Generalsekretär der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen (FUEV), Jan Diederichsen, aus Flensburg, der auch als der Leiter des Sekretariats der Deutschen Volksgruppe in Kopenhagen/Dänemark amtiert. Der Präsident des Verbandes der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG), Bernard Gaida, und der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Warschau, Rüdiger Freiherr von Fritsch, werden ebenso zur Podiumsdiskussion über Minderheitenpolitik in Europa unter besonderer Berücksichtigung der deutsch-polnischen Problematik erwartet wie der mit Wohnsitz in Oberschlesien und Bayern beheimatete Historiker Matthias Lempart, M.A. Daneben werden die Vertreter der Minderheiten aus Deutschland, Sorben, Dänen, Friesen, über ihre aktuelle Lage berichten, sich mit Kultur, Schule, Sprachförderung, Rechtslage und Perspektiven auseinandersetzen. Über diese Themen wird auch der externe Leiter des HDO-Forschungsprojektes zu den deutschen Minderheiten im Osten Europas, Dr. Meinolf Arens, exemplarisch für Ungarn und die Slowakei berichten; die Leiterin des Zentrums für Lehrerfortbildung in deutscher Sprache in Mediasch/Siebenbürgen, Ioana-Adriana Hermann, soll dies für die deutsche Minderheit in Rumänien tun. Den Abschluss der Tagung bildet ein „heißes“ Balkanthema, zu dem sich der exzellente Kenner und Journalist Erich Rathfelder aus Berlin äußern wird: „Separation als Lösung? – Minderheiten, Nationalismus und Konflikte auf dem Balkan“.

Für die Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung Dillingen wird die Tagung von Studiendirektor Siegfried Münchenbach, dessen Eltern aus Komotau/Sudetenland stammen, moderiert; für die Akademie für politische Bildung Tutzing zeichnet Dr. Michael Mayer verantwortlich; das Haus des Deutschen Ostens wird von Leitendem Regierungsdirektor Dr. Ortfried Kotzian vertreten, der auch als Referent tätig sein wird. Zwei Praktikanten gibt das HDO Gelegenheit, an einer solch hochkarätigen Tagung mitzuwirken: der Eichstätterin Ursula Winter und dem Dachauer Samuel Raz. Interessenten melden sich bei der Akademie für Politische Bildung Tutzing, Tagungssekretariat Ina Rauš, Buchensee 1, 82327 Tutzing, E-Mail: i.raus[ät]apb-tutzing.de, an. Für Unterkunft und Verpflegung wird ein Tagungsbeitrag von 130 Euro fällig. Vegetarische Kost ist bei rechtzeitiger Anmeldung möglich. Rückfragen unter Telefon: (0 81 58) 2 56-53.

Auch der Termin für die 4. HDO-Studienwoche in der Bildungsstätte Heiligenhof ist bereits festgelegt, Anmeldungen sind dort möglich. Vom 4. bis 9. November 2012 lädt das Haus des Deutschen Ostens zum Thema „Deutsche Kultur im Osten Europas: Grenzüberschreitende Kulturarbeit im Dienste der Völkerverständigung“ ein. Als Referenten werden die Inhaber der Stiftungslehrstühle der Bundesrepublik Deutschland in Olmütz, Pecs/Fünfkirchen und Klausenburg mitwirken.

Dr. Ortfried Kotzian

Schlagwörter: Tagungen, HDO, München

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