18. September 2015

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Hans Bergel zu seinem Neunzigsten: Selbstironie, Gradlinigkeit, Souveränität

Ein besonderer Höhepunkt der Festveranstaltung zu Ehren des 90-jährigen Hans Bergel am 10. September 2015 im Sudetendeutschen Haus in München war dessen Dankansprache. Der bedeutende siebenbürgisch-sächsischen Schriftstellers und Publizist trat dabei einen Dialog mit sich selbst. Mit souveräner Selbstironie sprach Bergel als Alter ego in der ihm eigenen Gradlinigkeit von seinen „Dunkelheiten, und Helligkeiten“, brillierte dabei rhetorisch und beeindruckte abschließend mit einer Deutung unserer Epoche. Lesen Sie im Folgenden Hans Bergels ungekürzte Dankansprache.
Was ist das für ein Mensch, der – noch einigermaßen gehfähig, mit leidlich wachen Sinnen und, trotz allem, mit Zukunftsplänen im Kopf – neunzig Jahre alt wurde? Er überlebte seine drei jüngeren Geschwister und die meisten der Freunde – von Mal zu Mal einsamer, da diejenigen, die ihn von Kind an begleiteten, nicht mehr sind, die Augen- und Seelenzeugen seiner Helligkeiten und seiner Dunkelheiten, seines Lebensmutes und seiner Lebensängste, seiner Dynamik und seiner Melancholie. Sie nahmen Gedanken, Träume, Erinnerungen mit. Sind es die Gene, die ihn alt zu werden zwingen? War es die neun Jahrzehnte lange Zuneigung anderer, die ihm auf die Beine half, so oft er sich an einer Wand, die er nicht wahrhaben wollte, den Schädel wundstieß?

Es gäbe die „angeborenen Mériten“, sagte Goethe. Angeborene Verdienste, die einer in die Wiege gelegt bekommt? Ist es ein Verdienst, neunzig Jahre alt geworden zu sein? Die einen sagen: Wenn schon, dann sei es das Verdienst der guten Ehefrau, die ihn trotz fallweiser Widerborstigkeiten unverdrossen betütelt. Andere: Es seien die nachsichtigen Freunde gewesen, die sich schützend vor ihn stellten, so oft er sich auf eine der Eseleien eingelassen hatte, die er mitunter beging. Die dritten mutmaßen: Er profitiere von der in der Jugend und auch später noch antrainierten Zähigkeit und Willenshärte. Die vierten schließlich sind sich sicher: Er habe, um auf der von Jahr zu Jahr zerbrechlicheren Lebensleiter so weit hinauf zu klettern, ganz einfach das Glück des Dummen gehabt … Sofern ich‘s überblicke, hat diese Ansicht das meiste für sich, und die 90 Jahre, da sie ihm glückten, seien Gottes Strafe dafür, dass sie ihm glückten. Denn, so hieß es bei den genialen Hellenen, „wen die Götter lieben, nehmen sie frühe zu sich“ und, so meine ich, sie warten nicht, bis er zum alten Sack wird. Die Thraker gar, berichtete im fünften Jahrhundert vor Christus Herodot, die Thraker tanzten und sangen freudig beim Tod des Freundes, des Bruders, der Geliebten, des Kindes, sei doch das frühe Dahinscheiden die höchste Gunst, die dem Menschen widerfahre … Was also ist dieser Neunzigjährige? Dr. h.c. Hans Bergel, der 90-jährige Jubilar, und ...Dr. h.c. Hans Bergel, der 90-jährige Jubilar, und seine Gattin Elke. Foto: Hans-Werner Schuster Manchmal meinte ich, ihn zu kennen. Doch er überraschte mich jedes Mal. Unvorhergesehene Intuitionen seiner Lebens- und Abenteuerlust, kaum realisierbare Ideen – an all dies musste ich mich gewöhnen. Ich gebe zu, ihn aus diesem Grund nicht selten ernsthaft beschimpft zu haben. Die Unvorhersehbarkeiten und der Starrkopf, auf ihnen zu beharren, die Blindheit seiner gelegentlichen Verwegenheiten, überdies die mir manchmal unerklärliche Mischung aus Vorprellen und Zögern – bitte glauben Sie mir: Ich haderte nicht zuletzt wegen dieser Widersprüchlichkeit mehr als einmal mit ihm. Doch so sehr ich mich Tag für Tag mit ihm abmühte: All dies konnte ich ihm nicht austreiben. Auch nicht seinen Zorn, wenn Ahnungslose oder Halbinformierte sich ein Urteil über das, was es tut, anmaßen – auch der Zorn scheint zu seiner Natur zu gehören. Dann wieder war und ist er sanft gestimmt und in Anfällen von Einsicht so zugänglich für Ratschläge, dass ich meinte, ihn trotz allem der Gattungsart des homo sapiens, des vernünftigen Menschen, zuzählen zu dürfen … Gott sei‘s geklagt: Fast immer habe ich mich getäuscht.

Am schlimmsten war es mit ihm, wenn er sich – an dem ich vorübergehend Zeichen respektabler Intelligenz meinte wahrnehmen zu können –, wenn er sich ohne Ankündigung wie ein Schlafwandler eine atemberaubend neue Lebenskapriole ausdachte. Das führte zum Beispiel dazu, dass er sich in jungen Jahren mit dem Elan eines Kampfhundes sportlichen Verrücktheiten hingab, die seine Freunde zum Urteil veranlassten: Er verberge, wie einer anerkennend sagte, in seinem tiefsten Innern ein Ungeheuer. Jahre später legte er sich – wie über ihn zu lesen war, ich zitiere – „so gut wie im Alleingang mit einer radikalen Regierung im Osten“ an. Und abermals Jahre später ging er in einem Anfall von Größenwahnsinn daran, ein mehrere Epochen schilderndes Erzählwerk zu schreiben, in dem über 200 Gestalten fast wie Familienangehörige miteinander verbunden sind: der spanische Grande mit dem Hirten in den Karpaten und dieser mit der Pariser Kunsthistorikerin etc. Er sagte: Er wolle die Apokalypse des 20. Jahrhunderts erzählen. Wohlwollende Leute bescheinigen ihm rücksichtsvoll: Es sei ihm bisher geglückt. Er, wie eh und je sich seiner selbst sicher, ist davon überzeugt … Ich erspare Ihnen den Blick in die seelischen Abgründe, in denen derartige Entschlüsse und Überzeugungen keimen.

Ich hatte von meinem ersten Lebenstag an mit diesem Menschen zu tun und war dennoch bis heute nicht in der Lage, mir ein abschließendes Bild von ihm zu machen. Ein mit der Weisheit vieler Lebensjahre gesegneter seiner Freunde, ein Jude vom Schlage der Propheten Daniel, Ezechiel und Jesaia, schrieb mir in einem Brief am 16. März 1996 über ihn: Die Fantasie und ihr unerbittliches Gegenüber, die Realität, flössen solcherart in ihm zur Einheit zusammen, dass er sich der Grenzlinie zwischen ihnen nicht bewusst sei – und eben hier liege der Schlüssel zum Verständnis seiner Persönlichkeit. Diese Auskunft des Freundes bestätigte meine Zweifel an ihm, sie half mir aber auch, ihn einigermaßen zu verstehen. Ich entschloss mich, ihn als einen Menschen zu akzeptieren, der die Unfertigkeiten alles Menschlichen in sich trägt – vielleicht ein bisschen ausgeprägter als mancher andere. „Ich bin kein ausgeklügelt Buch, ich bin ein Mensch mit seinem Widerspruch.“ Wie angegossen passt dieser Reim des 100 Jahre vor ihm geborenen Schweizers Conrad Ferdinand Meyer auf ihn. Genau das ist es!, dachte ich und zerbrach mir fortan nicht mehr viel den Kopf über ihn. Denn hat je einer herausgefunden, was es in uns ist, das uns so und nicht anders denken und fühlen lässt? Ein jeder auf seine Weise. Jeder von uns ein Leben lang. Betrachten wir die Geschichte des Menschen: Ist sie nicht auch eine Kette lückenloser Beweise unserer chronischen Unfertigkeiten? …

Ändern konnte ich also den Menschen, von dem ich spreche, nicht. Mich versöhnte aber sein Bemühen von früh an, sich die altrömische Empfehlung zu eigen zu machen: „Sapere aude“, im Deutschen: „Wage es, weise zu sein!“ Immanuel Kant, der Große, leitete daraus seinen berühmten Satz ab: „Hab den Mut, dich des eigenen Verstandes zu bedienen.“ Eine Formel, in der Kant den gesamten Ideenkomplex der Aufklärung zusammenfasste; sein Schüler Friedrich Schiller überhöhte die Empfehlung: „Erkühne dich, weise zu sein.“ Und zugleich fällt mir noch ein Wort des erleuchteten Kant ein, das mir weiterzuhelfen verspricht. Ohne bedingungslosen Einsatz, notierte Kant, sei nichts Bedeutendes – wörtlich: „nichts Großes“– möglich. Ich gehöre zu jenen altmodischen Geistern, die diesen Satz des Philosophen – neben dem Grundsatz der maßvollen Ausgewogenheit in allem – für eine jederzeit in jeder Gesellschaft erforderliche Überlebensdevise halten. Denn mit dem Maßhalten allein ist es nicht getan. Nun, der Mensch meiner Betrachtung gehört, so meine ich, jener Gruppe von Individuen an, deren Temperament auf Bedingungslosigkeit, in seinem Fall würde ich sagen: auf das Extreme angelegt ist. Und ich weiß zugleich, dass es Landsleute gibt, die genau daher alles an ihm – oder das meiste – als eine Zumutung erachten. Oh ja, ich teile durchaus ihre Meinung! Und ich muss es ja besser wissen als alle anderen … Ihr Argwohn ist so stark ausgeprägt, dass einer von ihnen – wie mir zuverlässig zu Ohren kam – vor kurzem sagte: „Was? Der will neunzig sein? Woher! Der übertreibt wieder einmal.“ Der Mann habe außerdem gesagt, wurde mir weiter berichtet: „Nach allem, was man über den hört, empfiehlt sich Vorsicht im Umgang mit ihm …“ Und in der Tat erscheinen Neigung und Bereitschaft, alles auf eine Karte zu setzen, bei einem Mann transsilvanisch saxonischer Herkunft auf das Höchste beunruhigend, gelten doch die Vertreter dieser Menschengruppe als „circumspect et prudent“, wie es in einer alten Schrift über sie heißt: als misstrauisch und vorsichtig.

Nun, beides ist der Mann, um den ich mich hier bemühe, mitnichten. Er ist heißblütig, rasch im Entschluss, in der Regel draufgängerisch in der Durchführung, unbekümmert eindeutig in Handschrift und Stil – die ihn kennen, wissen es. Woher also derlei Eigenschaften bei einem Siebenbürger Sachsen?, bewegen sich diese doch seit alters her mit umständlicher Würde und weitschweifiger Zurückhaltung. Es erklärt sich schnell: Ein bis heute in der Familie vererbtes Papier aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts spricht von einem toledanischen, einem spanischen Blutzuschuss also. Derlei wirkt, wie die Psychologen mitteilen, über die Generationen hinweg … „Aha!“, hörte ich vor Jahren einen Siebenbürger Sachsen dazu sagen, „der ist also gar keiner von uns! Er macht nur so…“

An diesem Punkt gebe ich denjenigen, die es sind, einiges zu bedenken. Und zwar: Wie viele unterschiedlich geartete Völkerschaften gingen doch während der gut über 800 historischen Jahre über die Sachsen genannten Deutschen in Siebenbürgen schon nur in Gestalt von Kriegern hinweg! Wie viele von diesen wurden dort, erwünscht, unerwünscht, zu Vätern – seit den Türkeneinfällen vom 14. bis zum Ende des 17. Jahrhunderts. Dann zur Zeit der vielnationalen Militärstandorte der Habsburger in Siebenbürgen. Der Kaiser in Wien, bis Ende des 18. Jahrhunderts auch König von Spanien, gebot über Truppen von Galizien, Böhmen, Tirol und Norditalien bis nach Kastilien, die er im riesigen Imperium einsetzte. In habsburgischen Garnisonen z.B. in Siebenbürgens Dörfern und Städten leisteten Männer aus über einem Dutzend Nationen Waffendienst. Danach blieben viele für immer dort, heirateten Sächsinnen und zeugten in vielerlei Hinsicht ehrenwerte Nachkommen. Noch in meiner Kindheit hieß die alte Kaserne am nördlichen Ausgang meiner burzenländischen Heimatgemeinde „de spanesch Kosorn“, „die spanische Kaserne“. Ungeachtet aber dieser Abschweifungen in die k.u.k.-Demografie: Bereits unter den deutschen Einwanderscharen des zwölften Jahrhunderts befand sich rund ein Drittel Nichtdeutsche, und zwar Wallonen aus dem heutigen Belgien, das sind romanisierte Kelten, die erst in Siebenbürgen in die größere ethnische Gruppe der Deutschen einschmolzen. Das historische Phänomen der über 800-jährigen Gruppenexistenz der Siebenbürger Sachsen – man hat es ein „Mirakel“ genannt – besteht nicht in der biologischen „Reinhaltung“ eines bestimmten Menschenschlags, sondern in der Bindekraft der durch die Zeiten hindurch nicht in Frage gestellten gemeinschaftlichen Haltung des Verantwortungsbewusstseins eines jeden für das Ganze. Und diese Haltung wieder ist ausschließlich das Ergebnis über Generationen hinweg konsequent gepflegter Kulturkontinuität. Nicht also die Biologie, vielmehr die geistige und moralische Motivation kennzeichnet uns alle im Einzelnen wie im Ganzen. „Germanissi germanorum“?, „die waschechten Deutschen“?, wie der kaiserlich gekrönte Literaturtheoretiker des Barock Martin Opitz nach einem Aufenthalt 1622 in Siebenbürgen die dortigen Deutschen nannte? Bestimmt meinte der kluge Mann nicht die Biologie, sondern das Verhaltensbild dieser Menschen – die übrigens, verkneife ich mir nicht, mit republikanischem Stolz anzumerken, anno 1224 in der Geschichte aller Deutschen die erste Republik schufen – und damit nicht bis 1949 warteten. Nur neun Jahre jünger als die Magna Charta libertatum der Engländer, begründeten sie die älteste Freiheitskultur deutschen Ursprungs. Mit dem mütterlicherseits aus Toledo stammenden Offiziersahnen ist also der hier zur Diskussion stehende Mann durchaus nicht der einzige transsilvanische Saxone mit nichtsaxonischem Genonzuschuss. Er besitzt nur, im Unterschied zu anderen, zufällig die Information darüber. – Verhält es sich denn in dieser Frage mit den europäischen Nationen anders als mit uns Siebenbürgern? –

Ehe ich schließe, noch eins, das in Ihrem Kreis zu sagen mir am Herzen liegt. Der Mensch, zu dessen Ehrung Sie sich freundlicherweise hier einfanden, schlug und schlägt sich schreibend, und das heißt: nachdenkend, durchs Leben und – wie Sie soeben erfuhren – auch mit sich selbst: mit seinen Vorzügen und Bedenklichkeiten herum. Er gestand mir vor kurzem seine wachsenden Zweifel am Sinn seines schriftstellerischen Impulses und Tuns. „Wunden leckend und an Phantomschmerzen zahlreicher Lebensnarben leidend“, sagte er mir, „höre ich damit dennoch nicht auf, auch wenn mich alarmierende Fragen zunehmend bedrängen. Für wen aber“, fragte er, „nehme ich die Sisyphosmühe des unentwegten, ja des besessenen Feilens an jedem Satz auf mich, des manischen Fahndens nach der makellosen Sprachform des Gedankens? Des Aufschreckens in den Nächten, wenn mich die lange gesuchte Formulierung im Text einer Erzählung, eines Essays, eines Gedichtes, eines Vortrags an den Schreibtisch treibt?, vor allem des Bewusstseins, die Wege aufzeichnen zu müssen, die unsere Generationen des Finis Saxoniae – und nicht nur – unter den Peitschenhieben und Mördermessern der Geschichte zurückzulegen hatten?, wer außer mir ist noch da, es aus eigenem Erleben zu tun? Und dies, wie wir alle täglich sehen, inmitten einer ins Abgleiten geratenen Welt der smarten Erinnerungslosigkeit, der fröhlichen Beliebigkeiten und des fidelen wie gedankenlosen Genügens an der Oberfläche – unserer Welt. Lässt sie sich nicht von Tag zu Tag erkennbarer aus eben jenen Positionen drängen, die unverzichtbar sind, wollen wir unsere innere Wohnlichkeit im ererbten Kulturraum sichern?, an deren Erschaffung die Stärksten und die Genialsten unter uns zweieinhalb Jahrtausende pausenlos arbeiteten? Nimm zum Beispiel“, sagte er mir, „nur das zitierte ‚Sapere aude‘, ‚Wage es, weise zu sein‘, der Römer. Noch vor den Römern“, sagte er, „wussten die Hellenen um diese europäische Grunderkenntnis der Persönlichkeitsentwicklung: Sie findet sich schon im vierten Jahrhundert vor Christus bei Aristoteles, ja sogar schon im fünften bei Plato. Und sie wurde wie eine Kostbarkeit durch die zweieinhalb Millennien hindurch über alle Bedrohungen und Gefahren hinweg bis zu uns heute weitergereicht – dieser Kernsatz der Empfehlung für den Umgang mit uns selbst und mit der Welt: ‚Hab den Mut, dich des eigenen Verstandes zu bedienen.‘ Überlegen wir“, sagte er, „wie doch erst im vorigen Jahrhundert titanische Kräfte mobilisiert wurden, um genau diesen für Entwicklung und Freiheit der Individualität im europäischen Verständnis wegweisenden uralten Satz auszuhebeln. Und wie es heute – blicken wir genau hin – auf andere Weise ebenso geschieht. Ich gehöre zu denen“, sagte mein Freund, „die der Gefahr des Kontinuitätsbruchs, der unseren Wertenormen droht, entgegen arbeiten. Denn überall an deren Stelle tritt die auf Dauer tödliche Maß- und Maßstabslosigkeit.“

All dies sagte der Mann, den sein Drang zu genauer Beobachtung zum Zweifler erzog. Und zum Schluss sagte er noch dies: „Unsere großen Erkenntnisse haben nur dann Gewicht, wenn sie sich selber Grenzen setzen: Maßlose Freiheit führt zum Chaos. Maßlose Toleranz zur Selbstzerstörung. Maßlose Demokratie zur Anarchie. Maßlose Humanität zur Perversion.“ Ich gebe zu, dass mich diese Feststellungen nachdenklich stimmten und immer noch stimmen. Doch nicht die Klage ist heute mein Anliegen. Denn nicht zuletzt, was wir aus dem Munde Peter Motzans über den Mann hörten, als dessen zweites Ich zu sprechen ich mir erlaubte –, was Peter Motzan sagte, war in der Tiefe des Gedankens, in der Brillanz der Sachkenntnis, in der Kunst der Deutung und in der Noblesse der Anerkennung von einer Qualität, die mich nur sagen lässt: Ich danke, Peter! Dein Lob ließ mich meine Schwächen für einige Minuten vergessen. Ich weiß allzu gut, dass Pegasos, das feurig ungebärdige Ross, auf dem ich ein Leben lang über Stock und Stein reite, immer wieder mit mir durchgeht. Doch seit den Knabenjahren ein Bewunderer des antiken Griechenland, helfe ich mir dabei – wie so oft – mit einem Zeitgenossen Platos. Er heißt – Sie ahnen es – Sokrates. Mein Leitspruch, den ich mir seit Jahrzehnten täglich vorsage, gilt als sein berühmtester Satz. Er lautet – Sie wissen es –: „Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Das bedeutet für mich: Ich weiß, dass ich täglich von vorne beginnen und alles auf eine Karte setzen muss, ohne mir des Ausgangs sicher zu sein.

Alles, was ich in meinem Leben wollte und über diese Stunde hinaus will, verstehe ich als Handwerker, dessen einziges Streben es ist, saubere Arbeit abzuliefern. Als ein Handwerker an der unbeschreiblich schönen deutschen Sprache.

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Festveranstaltung zu Ehren des 90-jährigen Hans Bergel

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