11. Dezember 2015

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Liebe trotz vieler Leiden: Neuer Erinnerungsband von Susanne Kästner

Im zweiten Band ihrer Biographie „Kampf und Leid um Freiheit und Liebe“, die gerade beim epubli Verlag Berlin erschienen ist, stellt Susanne Kästner eindrucksvoll ihr Leben in sowjetischer Gefangenschaft in Stalino bis zu ihrer Ausreise und in der neuen Heimat Deutschland dar. In Russland lernt Susanne Kästner den Kriegsgefangenen Gerhard kennen und lieben. Obwohl die beiden durch die Umstände getrennt werden und sich aus den Augen verlieren, vergisst Susanne Gerhard nicht. Sie liest sein Tagebuch und seine Briefe.
Mit ihrer Heimkehr im November 1949 nach Siebenbürgen kommt sie schließlich wieder im Kreis ihrer Familie in Großprobstdorf unter vielen Freudentränen an. Glücklicherweise ist auch ihr Vater heil aus dem Krieg zurückgekehrt. So ist die Familie wieder vereint. Dort muss Susanne jedoch erfahren, dass rumänische Kolonisten teilweise das Haus ihrer Eltern bewohnen.

Sie beschließt, Kinderkrankenschwester zu werden wie ihre Schwester Hedi. So macht sie ihren Abschluss der Schwesternschule in Hermannstadt und wird nach Bukarest zugewiesen. Im dortigen Krankenhaus macht sie die Erfahrung, dass es auch „unter den Engeln der Liebe schwarze Schafe“ gibt. Zurück in der Heimat Großprobstdorf folgen Jahre, in denen Susanne Kästner viel von gesundheitlichen Leiden geplagt ist, aber trotz dessen nicht vergisst, ihren Mitmenschen zu helfen.

r ... Ein großer Einschnitt ist dann die Ausreise nach Deutschland, die mit dem Abschied vom Muttergrab und von Nachbarn verbunden ist. So kommt Susanne Kästner gemeinsam mit ihrem Vater 1976 nach Deutschland und wohnt zunächst bei ihrer Schwester Hedi in Waldkraiburg. Schließlich zieht die Familie nach München und findet dort ihre neue Heimat.

So sehen sich Susanne und Gerhard nach über 30 Jahren wieder und bleiben in Kontakt. Ihre tiefe emotionale Verbindung bleibt bestehen, obwohl Gerhard bereits verheiratet ist und somit die äußeren Umstände ein Zusammenkommen verhindern. Von den Krankheiten in Russland und Rumänien geschwächt, konnte Susanne Kästner in Deutschland ihren Beruf nicht mehr ausüben.

Bewundernswert ist Susanne Kästners Ehrlichkeit, mit der sie ihren Lebensweg darstellt. Trotz verschiedener Widrigkeiten verlor sie nie den Mut und das Vertrauen in das Gute. Mit ihrem Motto „Wer sich erinnert, findet sich noch einmal“ macht die Autorin deutlich, wie wichtig es ist, die eigene Lebensgeschichte nicht zu verheimlichen oder zu verdrängen, sondern mit offenen Augen zu betrachten. Susanne Kästner erzählt nicht nur, sie zeigt ihr Erlebtes auch in vielen Fotos, Briefen und Dokumenten, die die Geschichte veranschaulichen. In ihrer Erzählweise spürt man die Liebe zu ihrer Familie und ihren Mitmenschen, die sich wie ein roter Faden durch ihr ganzes Leben zieht. Die 89-jährige Rentnerin lebt heute in München.

Das umfangreiche Buch von Susanne Kästner ist tiefgründig und klar geschrieben. Das Buchcover zeigt ein Bild der Autorin, einer schönen Frau, die gegenüber dem Titelbild des ersten Bandes durch ihren nachdenklichen Blick erwachsener und reifer wirkt. Schon der erste Eindruck zeigt also, wie schicksalhaft die in der Biographie vorkommenden Ereignisse sein müssen. Susanne Kästners Lebensgeschichte berührt beim Lesen und somit braucht man als Leser Ruhe, um ihre Geschichte wahrzunehmen.

Christine Hauptkorn


Susanne Kästner „Kampf und Leid um Freiheit und Liebe. Band 2“, epubli GmbH, Berlin, 2015, 464 Seiten, 29,95 Euro, ISBN 978-3-7375-5189-2, erhältlich im Buchhandel

Schlagwörter: Deportation, Zeitzeugin, Buch, Erinnerungen

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