22. Oktober 2017

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Hans Bergel: Der Turm

Inspiriert von Peter Jacobis neuem Bildband, schrieb Hans Bergel das folgende, dem Künstler gewidmete Gedicht.
Hans Bergel

Der Turm

Für Peter Jacobi, den Freund

Der Turm war nur noch der stumme Verschweiger.
Über den nackten, den narbigen Stein
irrten zeitlos die schwarzen Zeiger.
Unten das Toten-, das Lebendgebein.

Schon lange den Schatten, den Geistern verwoben,
jenseits der Träume, der Tränen, der Zeit,
blickten die Alten verwirrt nach oben.
Auch sie sind längst schon zum Schweigen bereit.

Und als der Hahn dreimal krähte,
lagen die Äcker längst leer und brach,
und als der Schnitter die Felder mähte,
flogen die Raben über das Dach.

Da barst der Turm. Er stürzte zusammen
gleich wie die Eiche vom Blitz gefällt.
Im Dröhnen, im Aufschrei, im Entflammen
sind die Jahrhunderte zerschellt.

Sie liegen in Staub, in Scherben, in Steinen.
Die Himmelsweite hat sich entleert.
Bei Nacht der Wind. Wie verlorenes Weinen.
Ist keiner da, der’s ihm verwehrt.

Schlagwörter: Bergel, Gedicht, Jacobi

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