10. Dezember 2017

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Jahrestagung der Sektion Schulgeschichte des AKSL

Am 11./12. November fand im Haus des Deutschen Ostens (HDO) in München die Jahrestagung der Sektion Schulgeschichte des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde (AKSL) statt. Die Bayerische Staatsregierung unterstützte auch dieses Jahr die Veranstaltung. Das Projekt wird aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen gefördert. Bei der Veranstaltung, die von Dr. Erwin Jikeli, Leiter der Sektion Pädagogik und Schulgeschichte, vorbereitet und moderiert wurde, trugen sechs Referenten, Lehrer, ehemalige Lehrer und an gesellschaftlichen Entwicklungen Interessierte ihre Arbeiten traditionsgemäß an zwei Tagen vor.
Den Auftakt bildete ein Vortrag von Dr. Erwin Jikeli: „Vom Regen in die Traufe –Assimilierungsbestrebungen in den ungarischen und rumänischen Schulgesetzen“. Er präsentierte sowohl die ungarische als auch die rumänische Schulgesetzgebung, die im dritten Teil des Vortrags verglichen wurden. Als Fazit stellte sich heraus, dass die rumänische Schulgesetzgebung für das Schulwesen der Minderheiten keine Erleichterungen brachte gegenüber der von der ungarischen Schulgesetzgebung geschaffenen Situation. Im Gegenteil, die rumänischen Bestimmungen übertrafen in vielerlei Hinsicht die ungarischen und verschärften die Assimilationsbestrebungen gegenüber den Minderheiten. Damit erfüllten sich die Hoffnungen nicht, die die deutsche Minderheit in die rumänische Staatsführung gesetzt hatte, da sich Rumänien weder an die Bestimmungen des Minderheitenschutzvertrages noch an die in den Karlsburger Beschlüssen gemachten Zusicherungen gehalten hatte.

Dr. des. Timo Hagen beschäftigte sich in seinem Beitrag „Erziehungsziele in sächsisch-evangelischen Schulbauprojekten in Siebenbürgen im frühen 20. Jahrhundert“ mit gesellschaftlichen Selbstbildern und Wertedarstellungen, die in sächsisch-evangelischen Schulbauprojekten im frühen 20. Jahrhundert vermittelt wurden. Dabei zeigte sich, dass in ungarischer wie in rumänischer Zeit die „Wehrhaftigkeit“ bei der Bewahrung „deutscher Eigenart“ als eine zentrale sächsische, durch das evangelische Bekenntnis beförderte Tugend galt. Ihrer Vermittlung diente das Zitieren fortifikatorischer Elemente in der Architektur der Schulbauten und die Verwendung entsprechender Sprachbilder im Rahmen der Einweihungsfeierlichkeiten.

Heinz Bretz beschrieb in seinem Vortrag „Über 400 Dienstjahre als Lehrer in der Familie Bretz“ zunächst den Schuldienst in Siebenbürgen. In seiner Familie gibt es seit fünf Generationen Lehrer. Sie haben alle zusammen 300 Jahre lang in 30 Dörfern und Städten im Schuldienst gewirkt. Nach der Auswanderung haben sie in Österreich und Deutschland auch schon 180 Jahre unterrichtet. Danach berichtete er über seine Eltern, Augustine und Walter Bretz, die in Schulen in Großau, Neppendorf und Hermannstadt tätig waren.

Den Abschluss des ersten Veranstaltungstages bildete der Vortrag von Dr. Martin Krummel: „Bildung, Erziehung und Sozialisation als Schlüssel zur Korruptionsbekämpfung in Rumänien“. Der Referent beschrieb die verschiedenen Aspekte sowie den Stellenwert der Korruption im wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Leben Rumäniens. Die historischen Wurzeln der Korruption, die in Rumänien einer normierten Lebensregel gleichkomme, seien in der osmanischen Vorherrschaft der Donaufürstentümer zu suchen. Bildungsmaßnahmen, vor allem über einen offenen Schulunterricht, würden helfen, moderne Lebensregeln zu implementieren, die das überkommene Modell eines auf Korruption basierenden Systems ersetzten. Dies würde einer Vollendung der im 19. Jahrhundert unvollendet gebliebenen Modernisierung der rumänischen Gesellschaft gleichkommen.

Den zweiten Seminartag eröffnete Halrun Reinholz mit dem Vortrag „Zur Entwicklung des deutschen Schulwesens im Banat“. Ausgehend von der Siedlungsgeschichte der Banater Schwaben, den Bevölkerungsschichten Temeswars im 18. Jahrhundert sowie den politischen Bedingungen beschrieb die Referentin die Entwicklung des Banater Schulwesens am Beispiel Temeswars. Dabei erläuterte sie die Ursachen andersartiger Stukturen im Vergleich zur siebenbürgischen Schule. Infolge der längeren Staatszugehörigkeit des Banats zu Ungarn sowie der katholischen Kirche als Motor der Magyarisierung waren die Banater Schwaben einem intensiveren ungarischen Assimilierungsdruck ausgesetzt als die Siebenbürger Sachsen.

Da sich im Laufe der Jahre die Teilnahme eines Pädagogen/einer Pädagogin aus Rumänien an den Tagungen in München zur Tradition entwickelt hat, referierte dieses Jahr Helene Wolf, Direktorin der Lenauschule aus Temeswar, über das aktuelle deutschsprachige Schulwesen in Rumänien. Indem sie einleitend auf die gesetzlichen Grundlagen und Erneuerungen einging, schilderte sie aktuelle Entwicklungen, Leistungen und Probleme im und rund um das Schulsystem. Ausführlich dargestellt wurden die Prinzipien des rumänischen Bildungswesens sowie die Schwierigkeiten bei deren praktischer Umsetzung. Als schwerwiegende Unzulänglichkeiten nannte die Referentin Mangel an entsprechenden Räumlichkeiten, qualifizierten Lehrkräften, aktualisierten Lehrplänen und Schulbüchern sowie entsprechenden Lehrmitteln. Bei den Schülern und Absolventen sind Integrationsprobleme feststellbar. Diese brechen oft vorzeitig den Schulbesuch ab und zeigen auf dem Arbeitsmarkt kaum Leistungsbereitschaft sowie Zivilverantwortung.

Um die Dokumentationsarbeit erfolgreich fortführen zu können, bitten wir alle, die sich mit der Schulgeschichte Siebenbürgens befassen möchten, Kontakt mit uns aufzunehmen, damit auch für die zukünftigen Tagungen der Sektion Schulgeschichte eine ausreichende Zahl an Referenten zur Verfügung steht: Dr. Erwin Jikeli, Lindemanshof 6, 47179 Duisburg, Telefon: (02 03) 49 62 22, E-Mail: erwinjikeli[ät]gmx.de.

Dr. Erwin Jikeli

Schlagwörter: Schulgeschichte, AKSL, Jahrestagung, München, Bericht

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