28. Januar 2019

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Mediasch und Mediascher auf Briefmarken und philatelistischen Belegen

Besprechung des Buches „Mediasch und Mediascher Persönlichkeiten, abgebildet in der Philatelie“ von Liviu Pintican-Juga, Lucian Romeo Stoia, Hermannstadt, Schiller Verlag, 2017, 214 Seiten, ISBN 978-3-94695-421-7
Die 750-Jahr-Feiern zur ersten urkundlichen Erwähnung haben Mediascher Philatelisten zum Anlass genommen, jene Briefmarken, Sonderstempel und Belege philatelistischer Aktivität zusammenzutragen, die Bezug zu Mediasch und Mediascher Persönlichkeiten haben. Das Ergebnis dieser Dokumentation ist ein anschauliches Kompendium, welches nachfolgend kurz vorgestellt werden soll. Bereits die Einleitung dokumentiert die vielfältigen philatelistischen Aktivitäten in Mediasch; welche mit der Briefmarken-Ausstellung der Ortsgruppe Mediasch des Hermannstädter Philatelistenvereins im Mai 1939 erstmals einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden.

Das erste Kapitel stellt Briefmarken und philatelistisches Material vor, das von der rumänischen Post herausgegeben wurde. Dazu gehören eine größere Zahl von Briefmarken zur Würdigung von Hermann Oberth, Briefmarken und Ganzsachen zu historischen Gebäuden und Industriebauten, Darstellungen Mediaschs auf historischen Karten oder das Stadtwappen aus kommunistischer Zeit. Die bisher letzte Briefmarkenausgabe Rumäniens zu Mediasch ist ein Satz aus vier Werten und einem Block, erschienen 2017 anlässlich der 750-Jahr-Feier der ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt. Briefmarkenblock der rumänischen Post zum 750 ...Briefmarkenblock der rumänischen Post zum 750-jährigen Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung von Mediasch. Beeindruckend umfangreich ist die Vorstellung des philatelistischen Materials, mit welchem Mediascher Philatelisten ihrer Heimatstadt würdigen. In erster Linie sind die Sonderstempel und philatelistischen Belege zu nennen, die anlässlich der in Mediasch stattgefundenen Briefmarkenausstellungen herausgegeben wurden. Die erste fand bereits 1939 statt, es war – nach Hermannstadt – die zweite Stadt Siebenbürgens, in welcher Philatelisten eine Ausstellung organisierten. In einem eigenen Kapitel werden jene von Mediascher Sammlern hergestellten philatelistischen Belege dokumentiert, welche dem Umweltschutz gewidmet sind. Gemeinsam mit dem Stadtmuseum Mediasch wurden Briefmarkenausstellungen zu diesem Themenbereich organisiert, und zwar lange bevor dies Thema „en vogue“ war.

„Klein, aber fein“ – und insbesondere interessant ist das Kapitel über Gebühren- und Spendenmarken, welche in Mediasch vor 1944 eingesetzt wurden. Vor dem Ersten Weltkrieg sind 20 verschiedene Siegelmarken mit Ansichten aus Mediasch erschienen, die beim Verschließen von Briefen und anderen Schriftstücken verwendet werden konnten. Als Vorbild dienten die fotografischen Klischees von Franz Guggenberger, einem bekannten Mediascher Fotografen und Verleger von Ansichtskarten.

1933 wurde auf Initiative des Presbyteriums der evangelischen Kirchengemeinde Mediasch ein Fonds für die Renovierung und Instandhaltung der Kirche gegründet. Um das nötige Geld zu sammeln, wurden „Kirchenmarken“ herausgegeben, die auf Briefe, Rechnungen und weitere Schriftstücke geklebt werden konnten. Die Marken zeigen drei verschieden Ansichten des alten Kirchenkastells einschließlich der Margarethenkirche. Obwohl auf diesen Marken kein Nennwert erscheint und es sich eher um Vignetten handelt, wurden sie kostenpflichtig abgegeben. Mit Sicherheit hat der in sächsischer Sprache auf allen Marken geschrieben Text „Fiur eas Kirche“ („Für unsere Kirche“) zum Erfolg der Aktion beigetragen.

Eine weitere Ausgabe von Vignetten, die bisher wenig bekannt war, sind die 1910 in mehreren Städten erschienen Produkte mit dem Antlitz von Stefan Ludwig Roth. Allein in Mediasch sind zwölf Vignetten in ebenso vielen Farbnuancen erschienen. Sie tragen keinen Nennwert und wurden als Spendenmarken für Zuwendungen zur Unterstützung der Deutschen auf nichtdeutschem Gebiet verwendet. Spendenmarke zur Restaurierung der Mediascher ...Spendenmarke zur Restaurierung der Mediascher Kirche. Das Buch ist in Teamarbeit entstanden: Koordiniert von Helmuth Knall haben die Mediascher Philatelisten Liviu Pintican Juga und Lucian Romeo Stoia den Inhalt erarbeitet sowie die Briefmarken und philatelistischen Belege zusammengetragen. Beide Sammler sind seit Jahrzehnten ihrer Leidenschaft für Briefmarken verbunden und vielfältig als Autoren, Aussteller und Organisatoren in Erscheinung getreten. Die nicht einfachen – weil mit Fachbegriffen und philatelistischen Ausrücken „gespickten“ – Texte wurden von Augustin Crucean und Wilhelm Lukas übersetzt und für die zweisprachige Ausgabe aufbereitet. Hansotto Drotloff stand den Autoren beratend zu Seite, im Vorwort bedanken sich diese zudem bei Anselm Roth und dem Schiller Verlag für die sehr gelungene drucktechnische Umsetzung des Manuskripts.

Das als Band 29 der „Bibliotheca Historica Mediensis“ erschienene Buch wurde durch die Regierung Rumäniens mit finanziellen Mitteln des Departments für Interethnische Beziehungen gefördert. Einen Zuschuss gewährte das Mediascher Unternehmen Schrader. Das im Schiller Verlag in Hermannstadt erschienene und in der dortigen Honterus-Druckerei in sehr guter graphischer Gestaltung gedruckte Buch kann im Buchhandel oder bei der Heimatgemeinschaft Mediasch (hansotto.drotloff [ät] mediasch.de) zum Preis von 14,80 Euro, zuzüglich Versandkosten, bestellt werden.

Uwe Konst

Schlagwörter: Mediasch, Philatelie, Briefmarken

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