7. Juli 2020

Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen verlieh höchste Auszeichnung an Ministerialrat a. D. Dr. Ilie Schipor

Für seine langjährigen und wichtigen Forschungen in russischen bzw. sowjetischen Archiven zu früher schwer zugänglichen Themen der jüngsten Geschichte – beide Weltkriege und Folgen – verlieh der Vorstand der Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen einstimmig die höchste Auszeichnung an den Bukowiner Forscher und früheren Diplomaten Dr. Ilie Schipor. Ministerialrat a. D. Schipor lebt seit Ende 2019 als Ruheständler in Bukarest; er ist der erste Rumäne, dem die Ehrennadel in Gold des Vereins der Buchenländer verliehen wurde.
Blick auf Ober-Wikow, Geburtsort von Ilie Schipor ...
Blick auf Ober-Wikow, Geburtsort von Ilie Schipor
Unmittelbarer Anlass des Vorschlags an den Bundesvorstand seitens des Bundesgeschäftsführers war die Herausgabe des Buches „Deportarea în fosta URSS a etnicilor germani din România“ von Dr. Schipor über die Deportation von Rumäniendeutschen 1945 in die damalige Sowjetunion aufgrund russischer Archivquellen durch das Landesforum der Deutschen in Rumänien im Honterus Verlag Hermannstadt im Vorjahr. Das Buch über den Leidensweg (so der Autor im Vorwort) von über 70.000 Rumäniendeutschen wurde vom Departement für Interethnische Beziehungen der Regierung Rumäniens finanziert und der Autor verzichtete auf sein Honorar, so dass die Dokumentation gratis durch die Regional- und Ortsforen an Bibliotheken und Interessenten verteilt werden konnte (auch in der Südbukowina). Eine Anzahl Exemplare wurden in Deutschland durch die Geschäftsstelle des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in München an Interessenten versendet. Der Historiker stellte der Forschung auch die Internet-Wege und -zugänge zur Verfügung für die Suche in Listen der in der UdSSR verstorbenen Deportierten und Gefangenen. Sie können eingesehen werden unter https://moscova.mae.ro/node/931.

Diese Dokumentation ist die erste, bedingt nicht exhaustive Buchveröffentlichung eines rumänischen Militärhistorikers zum Thema aufgrund von Quellen in Moskauer Archiven. Eine raumbedingt kleine Auswahl Schriften und Fotos ist dem Buch im Anhang beigefügt. Drei Abschnitte des Buches wurden von der Publizistin Hannelore Baier für die Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien (ADZ) übersetzt und veröffentlicht (siehe auch ADZ Online, Ausgaben vom 11., 14. und 15. Januar 2020: Aus der Sicht russischer Archive. Übersetzte Fragmente aus dem Buch zur Deportation in die Sowjetunion von Dr. Ilie Schipor). Hannelore Baier zählt zu den besten Kennern der Thematik und hat die Veröffentlichung des Buches beratend unterstützt.

Ilie Schipor wurde am 18. Juli 1952 in der Südbukowiner Gemeinde Ober-Wikow (bei Radautz) geboren und hat sich hier für den Ruhestand ein Haus bauen lassen. Er besuchte hier die Grundschule bis ins erste Jahr des Lyzeums, um anschließend die Mittelschule in Kimpolung zu absolvieren (mit Abitur). In Bukarest studierte Schipor an der Fakultät für Geschichte und Philosophie der Universität (Abschluss 1981 als Promotionsbester in Geschichte) und an der Militärakademie (bis 1984), Doktor der Philosophie 2011. Ein Jahrzehnt lang (2009-2019) wirkte der frühere Hochschullehrer, Historiker und Stabsoffizier als Diplomat an der Botschaft Rumäniens in Moskau, Zeit, in der eine Reihe militärhistorischer Arbeiten entstanden und veröffentlich wurden. Unter anderem war der dreifache Familienvater fünf Jahre lang Direktor des Landesmuseums für Militärgeschichte in Bukarest.

Derzeit hat der Forscher u. a. Veröffentlichungen in Vorbereitung, die neue Daten und Fakten liefern werden über die Rumäniendeutschen des rumänischen Heeres in sowjetischer Kriegsgefangenschaft.

Ursprünglich war die Übergabe der Auszeichnung an Dr. Schipor für Ende April bei der internationalen „Lectora“-Tagung in Suceava geplant, ein neuer Termin steht noch nicht fest.

Luzian Geier

Schlagwörter: Auszeichnung, Wissenschaftler, Bukowina, Buchenlanddeutsche, Deportation

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