23. Februar 2021

Interview mit Sabine Reither, der Projektpatin von Großkopisch

Seit August 2016 engagiert sich Sabine Reither für die Kirche in Großkopisch. Sie bemüht sich in Zusammenarbeit mit der Stiftung Kirchenburgen, dem Bezirkskonsistorium Mediasch, aber auch der HOG Großkopisch um die Organisation von Reparaturen am Bauwerk. 2020 gründete Reither den Verein „Pro Groß Kopisch e.V.“, um den Erhalt der Kirchenburg als auch kulturelle Projekte besser realisieren zu können. Das nachfolgende Interview mit der „bayerischen Szeklerin“ führte Hans Reinerth, stellvertretender Vorsitzender des Kulturerbe Kirchenburgen e.V.
Im Sommer werden es fünf Jahre sein, seit du Großkopisch ungesucht gefunden hast und die hiesige Kirchenburg dein Leben ein bisschen ergänzt hat. Wie siehst du diese Begegnung heute?

Es war im Sommer 2016 und es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen. Nach dem Besuch von Birthälm hatte mein Mann eigentlich keine Lust auf noch mehr alte Steine, zumal an diesem Tag noch ein Besuch der Kirche in Malmkrog geplant war. Irgendwie reichte meine Überzeugungsarbeit dann doch noch aus und unser Auto fuhr Richtung Großkopisch. Durch das grüne Gewirr von Blättern sah ich die Kirche, von der Hill aus, zum ersten Mal. Diesen Anblick werde ich nie vergessen und er erfreut mich auch nach fünf Jahren genauso wie beim ersten Mal. Am Ziel angekommen, berührte mich die besondere Atmosphäre im Kirchenraum auf eine Art und Weise, dass der Entschluss, mich für diese Kirche einzusetzen, sehr schnell reifte.
Das Schuppendach neben der Großkopischer Kirche ...
Das Schuppendach neben der Großkopischer Kirche wird neu gedeckt. Foto: Sabine Reither
Welche Ereignisse, Projekte oder Begegnungen prägen diese Zeit am stärksten?

Erfreulicherweise konnten wir ab 2017 jedes Jahr an Kirche und Kirchenburg arbeiten. Startschuss war das erste Arbeitstreffen mit Vertretern der Kirche, der Stiftung Kirchenburgen und Vereinen, die ähnliche Ziele wie ich verfolgen, Ende Januar 2017. Kirchendach und Sakristeigewölbe entpuppten sich als die dringlichsten Schwachstellen. Das Abstützen des Gewölbes konnte im März 2017 relativ schnell erfolgen, für das Dach waren größere Planungen und das Einholen von verschiedenen Genehmigungen notwendig. Die umfangreichen Arbeiten mit Übersteigen der Dächer des Chores und des Mittelschiffes nebst Rücken aller Dachziegel begann deshalb erst ein Jahr später im April 2018. Im Juni 2019 konnten die Reparatur und Restaurierung der Turmuhr realisiert werden, im August 2020, in Corona-Zeiten, die Konservierung und Restaurierung der vorreformatorischen Wandmalereien und Mauerarbeiten am Westportal. Neben den ­Erhaltungsarbeiten möchte ich das multikulturelle und multiethnische Sommerfest nach Fertigstellung der Dacharbeiten im August 2018 als einen meiner persönlichen emotionalen Höhepunkte nicht unerwähnt lassen. Ein Dorf kam zusammen, zum Feiern im Pfarrhaus und zum Gottesdienst am Sonntag in der Kirche. Verwandte, Freunde, Bekannte, ehemalige Nachbarn, Sachsen und Rumänen sahen sich nach langer Zeit wieder. Die erlebten Emotionen berühren mich bis heute, wenn ich an diese Tage denke. All diese Aktivitäten führten wir auch mit Unterstützung von engagierten Privatleuten, der HOG Großkopisch sowie unterschiedlichen Vereinen durch. Andererseits wurde ich für mein Engagement teilweise auch kritisiert. An viele Momente denke ich gerne zurück, aber ich blicke auch in die Zukunft.

Sabine Reither ...
Sabine Reither
Damit ist deine Verbindung mit der Kirchenburg eine Lebensaufgabe. Wie könnte in fünf Jahren dein Großkopischer Lebensanteil aussehen?

Ein kleiner, renovierungsbedürftiger Hof, den wir letztes Jahr gekauft haben, soll ein zweites Zuhause werden und wir freuen uns, hier mehr Zeit zu verbringen. Die nächsten Erhaltungsmaßnahmen sind in die Wege geleitet, u.a. das Verputzen des Kircheninnenraums, die Restaurierung des Schalldeckels und der Kanzelkrone sowie die Herstellung der Bespielbarkeit der Orgel. Wichtig ist mir, dass die Kirche als Gotteshaus erhalten bleibt, auch wenn nur noch selten Gottesdienste abgehalten werden, und wieder mehr Leben in die alten Mauern einzieht. Dieses soll durch ein kleines Besucherzentrum im Bering sowie die Ausrichtung von Orgel- und anderen Konzerten, Meditationen und Workshops zu unterschiedlichen Themen möglich werden.

Um unsere Vorhaben, sowohl Erhalt der Kirchenburg als auch kulturelle Projekte, künftig besser realisieren zu können und bekannter zu machen, haben wir letzes Jahr den Verein „Pro Groß Kopisch e.V.“ gegründet. Unter www.progrosskopisch.de präsentiert unser Webmaster Sebastian Răhăian alles Wissenswerte zum Verein.


Werfen wir einen Blick über den Tellerrand unserer sächsischen Kirchenburgen. Was würdest du jemandem, der das erste Mal Siebenbürgen besucht, als Reiseziele empfehlen?

Siebenbürgen ist eine wunderbare Reiseregion mit einer schier unglaublich großen kulturellen Vielfalt für die Menschen, die sich darauf einlassen wollen. Der ungarischsprachige Teil Siebenbürgens, das Szeklerland, mit seinen Thermalwasserquellen, Bergen, noch wenig berührten Tälern und tiefen Wäldern, seinen Bären, den hübschen Dörfern mit ihren kunstvoll geschnitzten und bemalten hölzernen Toren, seinen liebenswerten und gastlichen Bewohnern kann man ebenso gut zu Fuß als auch mit dem Mountainbike oder zu Pferd erkunden. Der Besuch eines der zahlreichen Naturthermalbäder wie z.B. das in Lázárfalva/Lăzărești im Sommer ist Entspannung pur und wird lange in Erinnerung bleiben.

Und wenn, abseits von Großkopisch, Sehnsucht nach Kirchenburgen aufkommt, welche Kirchenburgen sollte man sich nicht entgehen lassen?

Die katholischen, reformierten und unitarischen Kirchenburgen im Szeklerland sind mehr als nur einen Besuch wert. Aufgrund ihrer beeindruckenden Wandmalereien empfehle ich den Besuch der Kirchen von Gelence/Ghelinţa und Dersch/Székelyderzs. Letztere ist UNESCO-Weltkulturerbe.

Sächsische Kirchenburgen und Dörfer zu besichtigen geht natürlich immer, damit lässt sich mehr als nur ein Urlaub füllen. Den Besuchern rate ich, auch die nicht so bekannten Schönheiten zu besuchen. Auf meiner persönlichen Liste stehen die Kirchen von Kirtsch, Draas, Taterloch, Bogeschdorf, Schmiegen, Niemesch und Eibesdorf, um nur einige zu nennen, ganz weit oben. Es muss nicht immer Birthälm oder Großkopisch sein.

Du, als bayerische Szeklerin oder szeklerische Bayerin, bist das beste Beispiel, dass unsere Kirchenburgen auch unter Nichtsachsen Freunde und aktive Unterstützer gefunden haben. Wie sieht dein zukünftiges Wunschnetzwerk aus?

Ein gutes Netzwerk, bestehend aus Freunden und Fachleuten, ist sehr hilfreich, um Arbeiten an einer Kirchenburg voranzubringen. Nach fünf Jahren Einsatz für Großkopisch habe ich das Glück, schon viele gute und bereichernde Kontakte geknüpft zu haben. Nicht vergessen möchte ich die Menschen direkt vor Ort, die täglich daran arbeiten. Seit August 2019 haben wir in Sebastian Ghiuri einen zuverlässigen jungen Rumänen aus Großkopisch, einen guten Geist vor Ort. Er zieht die Turmuhr täglich auf, führt Besucher durch die Kirche und kümmert sich um alles Mögliche, was so anfällt.

Mich freut besonders, dass sich immer mehr Menschen, Sachsen wie Nichtsachsen, für den Erhalt unseres kulturellen Erbes einsetzen. Gerade im Sommer rufen sowohl private Initiativen und Vereine als auch Heimatortgemeinden zu Arbeitseinsätzen auf. All diese Initiativen sind es wert, unterstützt zu werden, und das Schönste dabei ist, dass man immer neue interessante Menschen und vielleicht sogar neue Freunde fürs Leben kennen lernen kann. Nur gemeinsam können wir den vielen schönen und verlassenen Kirchen Siebenbürgens helfen und dazu beitragen, die steinernen Zeugen der sächsischen Kultur zu erhalten.

Schlagwörter: Großkopisch, Kirchenburg, Interview, Reither, Projekt, Sanierung, Kirche, HOG

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