14. Juni 2022

Preisverleihungen 2022 in Dinkelsbühl: Natur- und Sprachforschung – Unternehmer und Kulturförderer

Mehr noch als Heimatverbundenheit, ausgeprägte Heimatliebe verbindet die beiden Frauen und zwei Männer, die im Rahmen der diesjährigen Preisverleihungen am Pfingstsonntag in Dinkelsbühl ausgezeichnet wurden. Wie schon 2019, als letztmalig vor der zweijährigen Pandemie-Zäsur ein Heimattag in Präsenz vonstattenging, belief sich damit der Frauenanteil der Ausgezeichneten auf 50 Prozent – dies ganz ohne Quotenregelung.
Der stellvertretende Vorsitzende des Kulturpreisgerichts, Hofrat Mag. Pfr. Volker Petri, begrüßt die Festgemeinde in der gut besuchten Sankt-Pauls-Kirche, die Vertreter der verleihenden Verbände und Organisationen, die Preisträgerinnen und Preisträger sowie ihre Laudatoren, unter den Gästen namentlich den Präsidenten des Bundes der Vertriebenen, Dr. Bernd Fabritius, die Botschafterin von Rumänien in der Bundesrepublik Deutschland, Adriana Stănescu, den Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen in Siebenbürgen, Martin Bottesch, den rumänischen Präsidialberater Dr. Sergiu Nistor. Der besondere Glanz dieser Feierstunde gehe von den Ehrenden aus, so Petri, „ihre Leistungen bereichern unsere Kultur und Gemeinschaft, sie mehren unseren Ruf und stärken unser Selbstwertgefühl. Dafür gebührt ihnen allen Dank und Anerkennung.“ Die musikalische Umrahmung gestalteten Maria Klara Braun (Violine) und Andrea Kulin (Querflöte) mit Stücken von Beethoven und dem 2000 verstorbenen ungarischen Komponisten Ferenc Farkas.

Leidenschaft für Flora und Kulturlandschaft Siebenbürgens

Der dotierte Siebenbürgisch-Sächsische Kulturpreis wird seit 1968 von den Verbänden der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und in Österreich verliehen. Mehr als 80 Persönlichkeiten wurde diese höchste Auszeichnung der Siebenbürger Sachsen bereits zuerkannt, in diesem Jahr, als Preisträgerinnen von 2021, Prof. Dr. Erika Schneider und Dr. Sigrid Haldenwang.

Am Vortag der Preisverleihungen hatten die beiden Wissenschaftlerinnen in Vorträgen vor zahlreichem Publikum im Konzertsaal im Spitalhof spannende Einblicke in ihre Arbeit gegeben. Dr. Haldenwang referierte über den Wortschatz der siebenbürgisch-sächsischen Mundarten aus historischer Sicht und anschließend Prof. Dr. Schneider über die traditionelle Kulturlandschaft im Hügelland Siebenbürgens und ihre Veränderung unter dem Einfluss des Menschen.

Prof. Dr. Erika Schneider hat, so hält die Preis-Urkunde fest, „durch ihre wissenschaftlichen Forschungen als Vegetationskundlerin und Landschaftsökologin die Pflanzenwelt Mittel- und Südosteuropas, insbesondere Siebenbürgens in weiten Fachkreisen des In- und Auslandes bekannt gemacht und bereichert die Forschung und Lehre mit zahlreichen einschlägigen Aufsätzen, als Herausgeberin namhafter Publikationen und mit ihrer jahrzehntelangen hervorragenden Lehrtätigkeit. Ihre Schwerpunkte liegen in der Entwicklung und Renaturierung trockengelegter Auengebiete, uferbegleitender Vegetation von Bächen sowie Flüssen und deren Bedeutung für das Gesamtökosystem sowie in Feucht- und Trockenwiesen und deren Veränderung unter dem Einfluss des Menschen als komplexe Zusammenhänge in historischen Kulturlandschaften. Frau Prof. Dr. Erika Schneider ist der Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen durch ihre langjährige ehrenamtliche Tätigkeit als Vorsitzende der Heimatortsgemeinschaft Schäßburg und Herausgeberin der Schäßburger Nachrichten sowie als Leiterin der Sektion Naturwissenschaften und Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde e.V. bekannt.“

Erika Schneider wurde 1942 als Erika Binder in Schäßburg geboren. Prof. Dr. László Rákosy erwähnte eingangs seiner Laudatio ihre prägende Kindheit „in dieser inspirierenden Landschaft“, auf der Burg, wo sie mit vier Geschwistern wohlbehütet aufwuchs und die Grundschule besuchte. Nach dem 14. Lebensjahr zog die Familie infolge der beruflichen Verpflichtungen des Vaters, eines Theologieprofessors an der Theologischen Fakultät in Klausenburg und Hermannstadt, nach Hermannstadt. Die Schülerin wechselte ans Brukenthal-Gymnasium. „Auch hier hatte sie das Glück, einen Lehrer zu haben, der sie für die Natur begeisterte, aber auch das Verständnis und die Ermutigung ihrer Eltern für das Studium der Natur und der Naturphänomene“, führte Rákosy weiter aus. Nach dem Abitur im Jahr 1960 setzte Erika Schneider ihr Studium an der Fakultät für Biologie, Geographie und Geologie der Babeş-Bolyai-Universität in Klausenburg/Cluj fort und profitierte von renommierten Professoren wie Ioan Ciobanu, Victor Pop, Emil Pop, Eugen Ghisa. Hier blühte ihre Leidenschaft für die Pflanzenwelt aus. 1965 schloss sie ihr Studium der Biologie mit einem Leistungsdiplom ab und erhielt sogleich eine Arbeitsstelle im Biologischen Forschungszentrum der Rumänischen Akademie, Filiale Klausenburg, in der Abteilung für Systematik, Geobotanik und Vegetationsökologie. Ihre Promotion zum Thema „Flora und Vegetation der Zibinssenke und ihrer Randgebiete (monographische Studie)“ schloss Schneider 1974 ab.

1967 heiratete sie den Entomologen Eckbert Schneider und zog aus familiären Gründen nach Hermannstadt um. Ab 1969 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Naturwissenschaftlichen Abteilung des Brukenthal-Museums, betreute und bearbeitete wissenschaftlich die wertvolle Herbarien-Sammlung. Diese lieferten wertvolle Informationen zu früheren Nutzungen und dadurch einen wichtigen Beitrag zur Kulturgeschichte der Landschaft. Diese Flurnamen wurden auch in das Siebenbürgisch-Sächsische Wörterbuch aufgenommen. Daneben habe Dr. Erika Schneider die Arbeit in der freien Natur immer Freude gemacht, hob der Laudator hervor.

Zusammen mit mehreren anderen Naturforschern, zumeist Siebenbürger Sachsen, führte Erika Schneider wichtige Forschungen zur Phytozönologie, Taxonomie und Ökologie sowie Studien zur Kulturlandschaft Siebenbürgens durch. Die Forschungsergebnisse wurden allen voran in ihrer eigenen Zeitschrift „Studien und Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Museums Brukenthal, Hermannstadt“ veröffentlicht, aber auch in anderen wissenschaftlichen Publikationen im In- und Ausland.
Die Siebenbürgisch-Sächsische Kulturpreisträgerin ...
Die Siebenbürgisch-Sächsische Kulturpreisträgerin Prof. Dr. Erika Schneider freut sich über ihre Auszeichnung, flankiert von den Vorsitzenden der den Kulturpreis verleihenden Verbände der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Rainer Lehni (links), und in Österreich, Manfred Schuller. Foto: Christian Schoger
„Ihre Leidenschaft für die Natur und insbesondere für die Flora und Kulturlandschaft Siebenbürgens, gepaart mit einer großen kreativen Energie und harter Arbeit, machten Erika Schneider einzigartig. Sie ähnelt somit einer der endemischen Pflanzenarten, auf die wir so stolz sind“, unterstrich Prof. Rákosy. 1985 siedelt die Familie Schneider mit den zwei Kindern in die Bundesrepublik Deutschland aus. Wenige Monate später wurde Dr. Erika Schneider als wissenschaftliche Mitarbeiterin an das neu gegründete Aueninstitut des World Wide Fund for Nature (WWF) in Rastatt angestellt. Hier beteiligte sie sich vorwiegend an Forschungsprojekten zur Ökologie von Flüssen, ihren Auen und deren Renaturierung. Nach der politischen Wende in Rumänien 1989 koordinierte Dr. Schneider, als Expertin des WWF Aueninstituts, große Renaturierungsprojekte im Donaudelta und an der Unteren Donau. Im Zuge der späteren Zusammenarbeit mit der Universität Karlsruhe erhielt Erika Schneider eine Professur im Fachbereich „Gewässerlandschaften“. Durch die Intensivierung der Donauforschung und wegen ihrer privaten Forschungen über die Kulturlandschaft in Siebenbürgen reiste sie immer öfters nach Rumänien. An der Universität „Lucian Blaga“ in Hermannstadt erhielt Erika Schneider eine Professur mit verschiedenen Fächern, wie Lebensräume der EU, Strategien zur Bewahrung der Biodiversität, Landschaftsanalyse oder Management von Feuchtgebieten. So erschienen zwei wichtige Lehrbücher: „Lebensräume der Europäischen Union“, 2005, im Verlag Lucian Blaga, Hermannstadt, und „Pflanzenvielfalt der Lebensräume in den Karpaten“ (2007), Verlag Lucian Blaga, Hermannstadt. Erika Schneider hat zahlreiche Forschungsprojekte geleitet, insgesamt mehr als 100 wissenschaftliche Artikel in angesehenen Fachzeitschriften veröffentlicht und hierfür nationale wie internationale Anerkennung erfahren. Wie der Laudator hervorhob, habe Prof. Schneider zudem einen wichtigen „Beitrag zur Popularisierung der Wissenschaft“ geleistet. Rákosy verwies u.a. auf Dutzende von Artikeln zu diversen Themen in lokalen Zeitungen, den Schäßburger Nachrichten oder Heltauer Nachrichten. Sie habe den Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreis 2021 „voll und ganz verdient“.

Erika Schneider erinnerte in ihrer Danksagung an einflussreiche Lehrer und geschätzte Kollegen und schloss in ihren Dank auch den Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und die Heimatortsgemeinschaft (HOG) Schäßburg ein.

Pionierleistung in der siebenbürgischen Dialektologie

Ebenfalls mit dem Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreis 2021 ausgezeichnet wurde die Germanistin, Sprachwissenschaftlerin und Lexikografin Dr. Sigrid Haldenwang. Seit 1971 wirkt die gebürtige Hermannstädterin an der Forschungsstelle Siebenbürgisch-Sächsisches Wörterbuch am Institut für Geisteswissenschaften an der Rumänischen Akademie, die sie seit 1986 leitet. „Insbesondere seit dem politischen Umbruch der 1990er Jahre konnte Frau Dr. Haldenwang die Kontinuität des seit 1908 erscheinenden Wörterbuches sichern“, vermerkt die Preisurkunde und führt weiter aus: „Der jüngste Band 11 wurde vollständig von ihr bearbeitet. Neben ihrer Tätigkeit verfasst Frau Dr. Haldenwang hochkarätige Studien und Beiträge im Bereich der Sprachforschung und -wissenschaft, wie zur Etymologie sächsischer Wörter, zu sprachlichen Interferenzen und zu semantischen Strukturen. Zu ihren Forschungsbereichen zählen der Allgemeinwortschatz und darüber hinaus Volks- und Kunstdichtung, Redensarten, Sprichwörter, Vergleiche, Zaubersprüche, Heilsegen, Rätsel und Kinderspiele. Frau Dr. Sigrid Haldenwang verankert grenzüberschreitend im europäischen Kontext die Sprachinsel Siebenbürgen in der wissenschaftlichen Forschung und dem öffentlichen Bewusstsein. Vor dem Hintergrund des massiven Dialektabbaus ist ihr Wirken für den Erhalt der siebenbürgisch-sächsischen Kultur von immenser Bedeutung.“

Als Laudator trat der Literaturhistoriker und Publizist Michael Markel, selbst Siebenbürgisch-Sächsischer Kulturpreisträger 2018, ans Rednerpult. Schon in den ersten Sätzen brachte Markel das Festpublikum mit offenbar wenig geläufigen Mundartbegriffen, so etwa Schielerhångklich (sehr dünne, in Wasser getauchte, gesalzene und auf der Herdplatte geröstete Brotschnitte), in einige Verlegenheit, war es ihm doch darum zu tun, „handgreiflich vor Augen (zu) führen, wie diese Arbeit konkret aussieht und welche Problemfülle selbst so einfache Wörter in der Bearbeitung mit sich bringen“. So obliege es Haldenwang bei ihrer lexikografischen Arbeit, „alle regionalen Lautvarianten eines zu bearbeitenden Wortes zu erfassen und deren zeitlichen Gebrauch mit Belegen zu versehen“, zudem die unterschiedlichen überlieferten Bedeutungen zu sortieren, der Herkunft der Wörter nachzuspüren, dabei den Verflechtungen des Worts in Redensarten sowie seinem kulturgeschichtlichen Inhalt nachzugehen, und schließlich gelte es das Wort durch Hinweise auf verwandte Belege im Wörterbuch entsprechend zu verknüpfen.

Dr. Sigrid Haldenwang habe in ihrem „im Alleingang redigierten“ letzten, elften Wörterbuchband sage und schreibe 1354 bearbeitete Wörter und 1020 Hinweiswörter festgehalten, mithin über dreizehnhundert Lautköpfe erstellt – „dies und alles Weitere möglichst in wörterbuchgemäßer Bündigkeit und in einer Exaktheit, die jedem Nachschlaginteresse zufriedenstellend standhält“.

Der Laudator ließ einen biografischen Abriss folgen. Dr. Sigrid Haldenwang, geb. Klokner, wurde 1943 in Hermannstadt geboren. Nach dem Abitur am Brukenthal-Gymnasium studierte sie in Bukarest Germanistik und erfreute sich der nachhaltigen Förderung der Sprachwissenschaftlerin Grete Klaster-Ungureanu (Abschlussarbeit über „Die Landlermundart in Großpold“). Grete Klaster-Ungureanu ermutigte sie nach vier Jahren im Lehramt, sich auf eine Stelle beim Dialektwörterbuch zu bewerben, die sie 1971 dann auch antrat. Und so begann die mühevolle Kleinarbeit mit der Stichwortverzettelung des Materials, der Lautumschrift dialektaler Literaturbelege, dem Aufbau einer Kartei.
Dr. Sigrid Haldenwang nimmt den Siebenbürgisch ...
Dr. Sigrid Haldenwang nimmt den Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreis entgegen von Bundesobmann Manfred Schuller (links) und dem Bundesvorsitzenden Rainer Lehni. Foto: Christian Schoger
Haldenwang veröffentlichte jährlich mindestens eine eigene Forschungsarbeit in Fachzeitschriften oder in einschlägigen Sammelbänden, nach der Wende mit großer Regelmäßigkeit auch in den deutschsprachigen Ländern. Ihre 1999 im Hermannstädter hora Verlag erschienene Dissertation „Zur Wortbildung des Adjektivs“ stütze sich auf „ein Material-Korpus von knapp tausend Wortbelegen vom Ende des 19. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts, was eine erschöpfende Darstellung adjektivischer Wortbildungstechniken garantiert“, konstatierte Markel und unterstrich anerkennend: „Auf ihren mehr als 200 Seiten ist es eine empirisch-deskriptive Darstellung des Themas, wie es sie in dieser Ausführlichkeit und Detailversessenheit in der siebenbürgischen Dialektologie bisher nicht gegeben hat.“

Die Lebensleistung der Preisträgerin sei engstens mit dem Siebenbürgisch-sächsischen Wörterbuch verbunden: „Ein halbes Jahrhundert, länger als jede andere Mitarbeiterin, ist sie dieser Arbeit verpflichtet, davon mehr als ein Viertel Jahrhundert als Leiterin der Hermannstädter Arbeitsstelle. Von den nach dem Krieg erarbeiteten neun Bänden tragen sieben ihre Signatur.“ Auch nach ihrer Verrentung 2016 sei sie ihrer Arbeit treu geblieben, die letzten beiden Jahre habe sie rein ehrenamtlich gearbeitet. Die Rumänische Akademie als ihrer Arbeitgeberin hat Dr. Haldenwang zur wissenschaftlichen Hauptforscherin befördert, was etwa dem Rang einer akademischen Professur entspricht. Ihre Arbeit ordnete Michael Markel ein als „im Sinn des heutigen Leitspruchs ‚Wurzelsuche‘“, als „Arbeit an der Identität und am kollektiven Gedächtnis der Siebenbürger Sachsen“.

Dr. Sigrid Haldenwang betonte in ihrer Danksagung die „große Ehre“ dieser Auszeichnung. Ihr Dank richte sich an die diesen Preis vergebenden Verbände der Siebenbürger Sachsen und an das Preisgericht, ebenso an ihren Laudator Michael Markel, ferner an zahlreiche wichtige Wegbegleiter ihrer lexikografischen Karriere, darunter die 2018 verstorbene Mundartforscherin Anneliese Thudt. Es sei noch viel Arbeit zu leisten. Dazu müssten allerdings noch „bleibende Mitarbeiter/innen gewonnen und eingeschult werden“.

Kulturpflege und Zusammenhalt nachhaltig gefördert

Der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland e.V. verleiht die Stephan-Ludwig-Roth-Medaille Michael Schmidt „für seinen Einsatz und seine Verdienste um die Erhaltung, Pflege und Verbreitung siebenbürgisch-sächsischer Kultur und seinen Beitrag zum Selbstverständnis und Zusammenhalt der Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen. Michael Schmidt hat sich als Vorsitzender der Michael & Veronica Schmidt-Stiftung für Förderung und Erhalt der siebenbürgisch-sächsischen Kultur innerhalb und außerhalb Siebenbürgens außerordentliche Verdienste erworben. Er war jüngster Kreisvorsitzender in Deutschland, gründete die Münchner Jugendtanzgruppe und ging als Mitarbeiter des Sozialwerks für Hilfsaktionen nach Siebenbürgen. Auch heute fördert er in Rumänien humanitäre Projekte und unterstützt das dortige Bildungswesen in deutscher Sprache. Seit zehn Jahren führt er erfolgreich die Haferland-Woche durch, in die alle sächsischen Orte dieser Region eingebunden sind. Für seinen persönlichen Beitrag der bewussten Förderung siebenbürgisch-sächsischer Gemeinschaftsleistung über Grenzen hinweg wird ihm Dank und Anerkennung ausgesprochen.“ (Preis-Urkunde)

Die Laudatio auf den 1960 in Deutsch-Kreuz geborenen, in der Automobilbranche überaus erfolgreichen Unternehmer hielt Dr. Bernd Fabritius. Nach seiner Aussiedlung nach Deutschland (1981) habe Michael Schmidt ein Informatikstudium an der Technischen Universität München absolviert, sich zeitgleich auch als Mitglied unseres landsmannschaftlichen Verbandes in der siebenbürgisch-sächsischen Jugendarbeit der Kreisgruppe München engagiert. 1988 wurde er mit 28 Jahren zum jüngsten Vorsitzenden der Kreisgruppe München gewählt und amtierte bis 1992. 1990, nach abgeschlossenem Studium, nahm Schmidt eine Entsendung des Sozialwerks der Siebenbürger Sachsen nach Siebenbürgen an, um die Saxonia-Stiftung logistisch aufzubauen. Dabei gelang es ihm eine eigene wirtschaftliche Existenz in Rumänien aufzubauen. Heute vertreibt er dort zwei der wichtigsten Automobilmarken, BMW und MAN und hat sogar, so Fabritius, „in seine zweite Heimat Bayern zurückexpandiert“. Mit seinen vielen Zweigbetrieben in Rumänien und Bayern beschäftige er fast 2000 Mitarbeiter. Von Rolls Royce sei er jüngst zum besten Händler des Jahres gekürt worden.

Michael Schmidt „fühlt sich seiner Herkunft, seiner Familie, seinen Freunden und vor allem dem Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland stark verbunden“. Im Bemühen um die wertvolle Identität der Siebenbürger Sachsen engagiere er sich langjährig, dies mit beträchtlichen finanziellen Mitteln. 2010 gründete er die Michael Schmidt Stiftung als Non-Profit-Organisation, die sich zum Ziel gesetzt habe, die siebenbürgisch-sächsische Kultur zu pflegen, zu erhalten und an kommende Generationen weiterzugeben. Der Laudator hob das starke Engagement von Ehegattin Veronika Schmidt hervor. Die Stiftung unterstütze kulturelle und humanitäre Projekte, „insbesondere solche, die das deutschsprachige Bildungswesen in Rumänien fördern“. So habe Schmidt für 30 Studentinnen und Studenten, die in deutscher Sprache in Rumänien unterrichten sollen, Stipendien bereitgestellt. Darüber hinaus habe er vor zehn Jahren gemeinsam mit Peter Maffay die Kulturwoche Haferland ins Leben gerufen, die gerade auch auf eine höhere Bekanntmachung siebenbürgisch-sächsischer Kultur in der rumänischen Bevölkerung abzielt.
Glücklich über die Stephan-Ludwig-Roth-Medaille: ...
Glücklich über die Stephan-Ludwig-Roth-Medaille: Michael Schmidt (Bildmitte) mit Laudator Dr. Bernd Fabritius (links) und dem Bundesvorsitzenden Rainer Lehni. Foto: Christian Schoger
Fabritius führte weitere Beispiele für Schmidts großzügige Kulturförderung an. Im Jahr 2006 unterstützte er die Reise siebenbürgisch-sächsischer Jugendlicher aus Bayern zu einer Kulturveranstaltung in Siebenbürgen mit 10 000 Euro. Zur Rettung von Schloss Horneck habe Michael Schmidt einen „unglaublichen Beitrag“ von 100 000 Euro geleistet. Jüngst, als das Alten- und Pflegeheim „Dr. Carl Wolff“ im Zuge der stetig steigenden Energiekosten in Rumänien in finanzielle Not gelangt war, half der Unternehmer der Einrichtung mit 50 000 Euro. Nicht zuletzt habe Schmidt dem Verband der Siebenbürger Sachsen 12 000 Euro für die Finanzierung dieses Heimattages zur Verfügung gestellt. Gerade weil Schmidt selbst nicht über sein Engagement rede, sei es geboten, ihm in dieser Weise zu danken, sagte Fabritius und das Festpublikum spendete seinerseits Applaus.

Die Verleihung der Stephan-Ludwig-Roth-Medaille mache ihn „sprachlos“, sie sei eine „Herausforderung und eine Pflicht“, diese Arbeit fortzuführen. Michael Schmidt lud zudem ein zur anstehenden Jubiläumsausgabe der „Haferlandwoche“.

„Ich bin stolz, Siebenbürger Sachse zu sein“

In Würdigung seiner herausragenden Verdienste um die Pflege und den Erhalt von siebenbürgisch-sächsischer Kultur und Gemeinschaft wurde der Unternehmer Hans-Martin Tekeser die Carl-Wolff-Medaille verliehen. Mit seiner Firma „Alzner Automotive“, heißt es in der Preis-Urkunde, „gehört Hans-Martin Tekeser zu den erfolgreichsten Mittelständlern in den Reihen der selbstständigen Siebenbürger Sachsen. Seine große Verbundenheit mit der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft drückt sich insbesondere durch seine Mitgliedschaften und Tätigkeiten im Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, in der HOG Alzen sowie der Carl Wolff Gesellschaft aus, deren Gründungsmitglied, Kuratoriumsmitglied und zuverlässiger Gastgeber und Unterstützer er ist. Als Großspender hat er ferner einen immensen Beitrag zum Erwerb und Erhalt der siebenbürgisch-sächsischen Kultureinrichtungen auf Schloss Horneck geleistet. Wenige Landsleute vereinen großen wirtschaftlichen Erfolg und Bekenntnis zur siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft im selben Maß.“

An den Anfang seiner Laudatio stellte der Vorsitzende der Carl Wolff Gesellschaft (CWG), Reinhold Sauer, den Hinweis, dass die Carl-Wolff-Medaille zum ersten Mal gemeinsam von der CWG und dem Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland vergeben werde. Der 1965 in Alzen geborene Unternehmer Hans-Martin Tekeser habe seine Firma in heimatlicher Verbundenheit nach seinem Herkunftsort „Alzner Automotive“ genannt. Der wirtschaftlich erfolgreiche Landsmann habe sich in vielfältiger Weise helfend engagiert, vor allem, aber nicht nur finanziell, wie durch seine Großspende für den Erhalt von Schloss Horneck. Stets habe er sich zuverlässig eingebracht, wenn die siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft Unterstützung benötigte, lobte Sauer. Der Laudator fasste den beruflichen Werdegang von Tekeser kurz zusammen. Nach dem Maschinenbaustudium in Hermannstadt und der Ausreise nach Deutschland startete er als Facharbeiter im Metallbau in Karlsruhe.
Verleihung der Carl-Wolff-Medaille: Hans-Martin ...
Verleihung der Carl-Wolff-Medaille: Hans-Martin Tekeser (Mitte), CWG-Geschäftsführer Reinhold Sauer (links) und Bundesvorsitzender Rainer Lehni. Foto: Christian Schoger
Parallel zu seiner Berufstätigkeit studierte er in Stuttgart Betriebswirtschaftslehre. Im Oktober 2003 gründete er die Firma Alzner Automotive GmbH in Grafenau. Heute produzieren über 270 Mitarbeiter des mittelständischen Familienunternehmens auf über 20 000 Quadratmeter Produktionsfläche Blechteile für die Automobilindustrie weltweit. Zu den wichtigsten Kunden gehören u.a. Mercedes Benz, BMW, Porsche. 2019 folgte die Gründung der Alzner DS S.R.L. in Hermannstadt. Tekeser ist Mitglied der Carl Wolff Gesellschaft, daneben auch Vorsitzender der HOG Alzen und in weiteren landsmannschaftlichen Gliederungen aktiv. Es sei der CWG eine besondere Ehre, dass sich Hans-Martin Tekeser als Kuratoriumsmitglied tatkräftig engagiere.

Die Auszeichnung mit der Carl-Wolff-Medaille sei für ihn „eine ganz große Ehre“, betonte Hans-Martin Tekeser und beschloss seine kurze Danksagung mit den Worten: „Ich bin stolz, in Dinkelsbühl zu sein. Ich bin stolz, Siebenbürger Sachse zu sein.“

Zum Abschluss der knapp zweistündigen Preisverleihungen applaudierte die Festgemeinde allen Akteuren, den Ausgezeichneten, ihren Laudatoren wie auch den Musikerinnen.

Christian Schoger

Schlagwörter: Heimattag 2022, Preisverleihungen, Kulturpreis, CWG, Schneider, Haldenwang, Schmidt

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