21. Mai 2024

Kreisgruppe Freiburg: Iris Wolff liest aus neuem Roman „Lichtungen“

Ihren neuen Roman „Lichtungen“ hat Iris Wolff am 19. April in einer exklusiven Lesung in der Awo Freiburg, Spechtweg vorgestellt. Es fühlte sich an, als würde man in einem großen Wohnzimmer mit vielen Freunden gemütlich zusammensitzen und den geschriebenen und gelesenen Worten von Iris Wolff lauschen.
Lesung in Freiburg, von links: Karin Servatius ...
Lesung in Freiburg, von links: Karin Servatius-Speck, Iris Wolff, Ursula Stefanovici Foto: Horst David
Die Vorsitzende der Kreisgruppe Freiburg des Verbands der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Ursula Stefanovici, begrüßte die Besucher und die Gestalter des angekündigten Abends, in erster Linie die Schriftstellerin Iris Wolff mit Andreas Thies, ihrem Mann, und die ehemalige Vorsitzende Karin Servatius-Speck und zu guter Letzt den Chor der Kreisgruppe unter der Leitung von Renate Fervers. Dieser hatte sich angesichts des schlechten Wetters auf drei Frühlingslieder geeinigt, um den Frühling herbei zu singen.

Die Germanistin Karin Servatius-Speck führte anschließend in die Lesung der Schriftstellerin ein, im Folgenden gibt sie in Kürze Hauptgedanken ihres Exposés wieder:

„Das jüngste Buch von Iris Wolff, ,Lichtungen‘, ist für Denis Scheck, den renommierten deutschen Literaturkritiker, ,ein Paukenschlag‘, mit dem das neue literarische Jahr begonnen hat. Und ,Lichtungen‘ wird schon umgehend nach seinem Erscheinen in allen namhaften Medien Deutschlands die hochgelobte Neuerscheinung, literarischer Bestseller auf den Beliebtheitslisten der wichtigsten Magazine Deutschlands.

Weil auch dieses fünfte Buch von Iris Wolff seine Handlung aus Siebenbürgen entwickelt, dem multiethnischen Lebensraum Rumäniens, den Iris Wolff als Achtjährige mit der Familie verlassen hatte, folgt die Einführung dieser Lesung von Iris Wolff im Wesentlichen dem biografischen Werden der Schriftstellerin und damit der Thematik ihres bisherigen literarischen Gesamtwerks: Aus dem Verlust der in der Heimat gewachsenen Geborgenheit begleitet Iris Wolff bis heute die Faszination der Erinnerung an das Verlorene. Die Schriftstellerin lässt es kreativ in den Menschen, den Handlungen, den wunderbaren Landschaftsbildern ihrer Bücher wiederauferstehen. Das, was für Ausgewanderte ‚neue Heimat‘ bedeutet, wurde für das Kind und ist bis heute für Iris Wolff, die als freie Schriftstellerin mit ihrem Mann in Freiburg lebt, die Welt der Bücher mit ihren universellen Themen.

Erzählen ist Erinnern, Erinnern wird Erzählen, und beides macht den kreativen Weg der Schriftstellerin aus, für die ‚Schreiben die Grundlage meines Lebens‘ ist. Ihre bisherigen Bücher wurden mit zahlreichen hochdotierten Preisen im In- und Ausland ausgezeichnet, ihr Roman ,Die Unschärfe der Welt‘ 2020 für den höchsten, den Deutschen Buchpreis nominiert. Beim Staatsbankett in Bukarest 2023 begann Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier seine staatstragende Rede mit einem Zitat aus ihrem vorletzten Roman ,Die Unschärfe der Welt‘ und erläuterte dazu: ‚Diese Geschichten haben mich beim Lesen sehr berührt, liebe Iris Wolff … auf eine sehr poetische Weise, mit einer ganz eigenen Sprache …‘.

Die Sprache der Werke dieser gefeierten Schriftstellerin der deutschen Gegenwartsliteratur macht ihre Texte unverwechselbar, wunderbar poetisch, sie verharrt im poetischen Schweben, und so wie ihre suggestive Bildhaftigkeit, lässt sich auch alles Erzählte zwar fast sinnlich greifbar nachvollziehen, verbleibt aber, so wie alle Erinnerung auch im Vagen, transportiert letztendlich verrätselte Antworten ihrer Thematik und Handlungen.

In diesem Sinne begleitet schon den Aufbau des Buches ,Lichtungen‘ eine kreative Verunsicherung, denn es beginnt mit Kapitel 9 und endet mit Kapitel 1! Das Lesen des Buches wird ein Nachvollziehen des Werdegangs zum So-Sein der beiden Hauptpersonen in der Gegenwart dank Zurückerinnern. Aber Erinnerungen sind immer vage, wie vage Lichtungen im großen Vergessen. ‚Alles sah aus wie immer, und war nicht wie immer‘, so einmal im Roman. Am Anfang des Buches, Kapitel 9, steht wie ein Schlüssel zum ganzen Buch die Einleitungsformel der Roma-Märchen ,Es war und es war nicht‘. Und so bleibt auch das große universelle Thema des Buches offen: Ist es Liebe, was die beiden verbindet, oder Freundschaft? Denn: Gibt es eigentlich Liebe ohne Freundschaft und Freundschaft ohne Liebe?

Das Lesen von Literatur ist für Iris Wolff ‚ein schöpferischer Akt‘, bei dem jeder seinen eigenen Zugang und seine eigene Deutung zum Erzählten findet. In ihren Büchern weiten sich die Einzelhandlungen zu universeller Thematik, Leserin und Leser fühlen sich angesprochen, werden mitgehen und mitschwingen mit der unverwechselbar wunderbar poetischen Sprache von Iris Wolff.

An diesem besonderen Abend sollte der zahlreichen Hörerschaft das Privileg zukommen, von der Autorin selbst zu den Lichtungen dieses faszinierenden Buches geführt zu werden, Thematik und Inhalt erhellend.“ (Karin Servatius Speck)

Auch noch ein anderes Privileg konnte das Publikum für sich verbuchen: ein schöner Büchertisch nach der Lesung mit „Lichtungen“, aber auch mit einigen Exemplaren ihrer früheren Bücher. Diese wurden gegen eine kleine Spende verschenkt, die der Tierrettungsorganisation „Pfötchenliebe“ in Rumänien zugute kam. Es wurde fleißig signiert und es blieb genügend Zeit, um ganz ungezwungen mit der Schriftstellerin Iris Wolff ins Gespräch zu kommen.

Mit dem neuen Roman setzt sich die Erfolgsliste fort, Iris Wolff ist gefragt wie nie vorher und mit über 60 Lesungen in diesem Jahr voll ausgebucht. Die Kreisgruppe Freiburg war eine Station in der Lesereihe und diese dankt ganz herzlich für den Besuch.

Ursula Stefanovici
Karin Servatius-Speck

Schlagwörter: Iris Wolff, Freiburg, Lesung

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