30. November 2003

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Katharina Margineanu auf Lesetournee

Das turbulente Leben der Rosenauerin Maria in den Jahren zwischen 1942 und 2002 schildert der kürzlich erschienene, weitgehend autobiographische Roman von Katharina Margineanu, "Vom Morgenwind verweht" (in Folge 16 dieser Zeitung vom 15. Oktober, Seite 7 vorgestellt). Eine Reihe von Kreisgruppen lud und lädt die Autorin zu Lesungen ein. Bei der Präsentation ihres Romanerstlings bietet die siebenbürgische Künstlerin aber nicht nur Literarisches - sie trägt auch Lieder und Arien vor. Im reifen Alter von 71 Jahren.
Auf einem Weingut im Regat, bei Bukarest, kam Katharina Margineanu, geborene Zerbes, am 8. Januar 1932 zur Welt. Ihre Kindheit verbrachte sie in Rosenau. Ihre Eltern führten ein Berghotel bei Predeal - bis zur Enteignung. Lehrjahre gleich Wanderjahre: Volksschule in Rosenau, Gymnasium in Kronstadt, zwei Jahre Seminar in Schäßburg, dann Lehrerbildungsanstalt in Temeschburg. 1951/52 unterrichtete Margineanu in Neustadt bei Kronstadt, bis 1956 in Rosenau. Im Zuge einer beruflichen Neuorientierung wird sie technische Zeichnerin (Maschinenbau) in Kronstadt, studiert parallel dazu am Konservatorium Musik und Gesang. 1961 folgt ihr erstes Engagement am Operntheater in Kronstadt.



Katharina Zerbes-Margineanu. Foto: Privat
Katharina Zerbes-Margineanu. Foto: Privat
Acht Jahre später reist sie als Mutter zweier Kinder und Witwe (ihr Mann ein Opfer des Ceauşescu-Regimes) in die Bundesrepublik aus, singt an verschiedenen Opernhäusern in Deutschland und Österreich (u. a. Ulm, Karlsruhe, Osnabrück, Würzburg, Graz). An Begeisterung fehlte es der Bühnenkünstlerin nicht, karrierehemmend wirkte jedoch ihr Alter: "Mit meinen 38 Jahren war ich für eine echte Karriere zu alt". Gleichwohl boten sich der Rosenauerin interessante Engagements, hauptsächlich Rollen im komischen Fach. "Meine Erfolge", sagt Margineanu rückblickend, "waren die, wenn sich das Publikum totlachte und vor Begeisterung mit den Füßen trampelte". Was nichts daran ändert, dass diese Jahre ein einziger Überlebenskampf waren für die alleinstehende Mutter zweier Töchter. Als diese flügge sind, beginnt ein neues Lebensabenteuer - in Neuseeland. 1984, im Sog der Anti-Atombewegung, zieht sie zu ihrem neuseeländischen Freund und verbringt acht Jahre in diesem "Paradies auf Erden", lernt Land und Leute kennen, lernt Englisch (eine von sieben Sprachen, die sie beherrscht). Vor gut zehn Jahren kehrte sie nach Deutschland zurück, von Sehnsucht nach ihren Töchtern bewegt, auch um sich um ihre betagten Eltern zu kümmern. Seither lebt Katharina Margineanu als Rentnerin in Rosenheim, von Stillstand keine Spur.

Erst veranstaltete sie kleine Hauskonzerte, fing dann, in forscher Selbsterprobung, an zu schreiben. In diesem Jahr erschien nun ihr 875 Seiten starker Romanerstling, auch für eine Sammlung von "Tiergeschichten aus Transsylvanien" zeichnete die lebenstüchtige Rentnerin verantwortlich. Hinzu kommen ein Theaterstück und eine Gedichtsammlung. Zurzeit arbeit sie an einem Sachbuch über die Emanzipation im länderübergreifenden Kontext. Davon abgesehen hat Katharina Margineanu alias Käthe Zerbes bereits 1989 eine CD mit sächsischen Mundartliedern (auch mit Eigenkompositionen) aufgenommen. So gesehen knüpft ihre mit Liedern und Arien garnierte Lesetournee dieser Tage im Kreise ihrer siebenbürgisch-sächsischen Landsleute an das durchgängige Leitmotiv ihrer Heimatliebe an. Die Autorin und Interpretin hegt den Wunsch, 100 Jahre alt zu werden. Mutter 93, Vater 98 - es könnte ihr durchaus gelingen.

Christian Schoger


(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung: Folge 19 vom 30. November 2003, Seite 8)

Schlagwörter: Schriftsteller, Rosenau

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