24. März 2026

Kulturpreis 2026 geht an Prof. Dr. Hannah Monyer

Der Siebenbürgisch-Sächsische Kulturpreis, die höchste von den Siebenbürger Sachsen vergebene Ehrung für wissenschaftliche und künstlerische Leistungen, wird für das Jahr 2026 der Medizinerin und Neurowissenschaftlerin Prof. Dr. Hannah Monyer zuerkannt. Der Preis wird in feierlichem Rahmen am Pfingstsonntag, dem 24. Mai, während des Heimattages der Siebenbürger Sachsen in Dinkelsbühl verliehen.
Hannah Monyer wurde 1957 in Großlasseln geboren, besuchte die deutsche Schule in Eisenmakt (Hunedoara) sowie das englischsprachige Internat in Klausenburg, bevor sie sich mit 17 Jahren in die Bundesrepublik absetzte, um ihren Traum zu verwirklichen und in Heidelberg Medizin zu studieren. Sie war Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes und promovierte 1982 über „Eifersucht bei Marcel Proust und in der psychiatrischen Literatur seiner Zeit“.

Nach ihrer Approbation 1983 wurde sie Assistenzärztin zunächst in Mannheim in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und 1984 in Lübeck in der Neuropädiatrie. 1986 ging sie als Postdoktorandin in die USA an das Stanford University Medical Center, Department of Neurology und kehrte 1989 nach Heidelberg zurück, um am Zentrum für Molekulare Biologie zu arbeiten. Nach ihrer Habilitation 1993 wurde sie 1999 Professorin am Zentrum für Molekulare Biologie der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und 2002 Ärztliche Direktorin der Klinischen Neurobiologie der Universitätsklinik Heidelberg.

Die Kulturpreisträgerin des Jahres 2026: Prof. ...
Die Kulturpreisträgerin des Jahres 2026: Prof. Dr. Hannah Monyer Foto: Tobias Schwerdt, Uniklinikum Heidelberg
2005 wurde Prof. Dr. Hannah Monyer Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, wo ihre Forschung wie folgt beschrieben wird: „Hannah Monyer erforscht Gehirnfunktionen. Ihr Schwerpunkt liegt dabei auf Mechanismen, die für Gedächtnis und Kognition zuständig sind. Sie untersucht neuronale Netzwerke im Gehirn, deren synchrone Aktivität und Modulation. Hannah Monyer will wissen, wie das Gedächtnis funktioniert und wie Menschen lernen. Sie erforscht dafür die molekularen Mechanismen von Nervennetzwerken im Gehirn. Im Fokus stehen synchron arbeitende Netzwerke, bei denen zahlreiche Nervenzellen gleichzeitig arbeiten. […] In ihren Arbeiten verbindet Hannah Monyer moderne molekularbiologische Techniken mit systemphysiologischen Ansätzen. Für ihre Untersuchungen führte sie ein gentechnisches Verfahren ein, durch das bestimmte Nervenzellen ein fluoreszierendes Eiweiß abgeben. Hierdurch lassen sich die verschiedenen Neuronen-Netzwerke voneinander unterscheiden. Sie möchte mit ihrer Forschung die Grundlagen psychischer und neurologischer Krankheiten wie Alzheimer und Parkinson weiter aufklären.“

Die vielfach ausgezeichnete und mit hochdotierten Forschungspreisen – allen voran dem mit 1,55 Millionen Euro dotierten Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) – bedachte Neurowissenschaftlerin ist international anerkannt, weltweit vernetzt und Siebenbürgen bzw. Rumänien bis heute eng verbunden – nicht nur im Rahmen ihrer Lehrtätigkeit, sondern auch persönlich. Kaum ein Interview, in dem sie nicht auf ihre Herkunft und das Aufwachsen in zwei Kulturen, der rumänischen und der sächsischen, zu sprechen kommt: Von den Erinnerungen an das Dorf ihrer Großeltern über das Leben in der Diktatur und die Rolle ihrer Lehrer bis hin zu Liedern in Mundart – mit viel Offenheit und Emotion nimmt sie Zuhörer und Leser mit in ihr Geburtsland. Man erlebt sie als Siebenbürger Sächsin, die diese multiethnische Region bewusst schätzt und für die erlebte Vielfalt dankbar ist.

Prof. Dr. Hannah Monyer betreibt Spitzenforschung, beherrscht mehrere Sprachen und blickt liebend gerne über den Tellerrand. Nicht selten findet man sie auf interdisziplinären Symposien, wo sie beispielsweise mit der Philosophie oder der Literaturwissenschaft in Dialog tritt, so auch am 16. Oktober 2022 auf Schloss Horneck beim Symposium zu Gedächtnis und Erinnerung (siehe Siebenbürgische Zeitung, Folge 18 vom 14. November 2022, Seite 7 bzw. SbZ Online unter siebenbuerger.de/go/23292A). Bei all dem bleibt sie nahbar und verständlich. Ihre herausragenden wissenschaftlichen Leistungen, aber auch das Bild, das sie von ihrer Herkunft und ihrem Herkunftsland zeichnet, gereichen den Siebenbürger Sachsen zur Ehre. Sie erhält den Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreis 2026 am Pfingstsonntag, dem 24. Mai, um 17.00 Uhr in der St.-Paulskirche in Dinkelsbühl. Die Laudatio hält Pfarrer i.R. Volker Petri.

Dagmar Seck

Schlagwörter: Heimattag 2026, Dinkelsbühl, Monyer, Kulturpreis, Wissenschaft

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