21. Juni 2026

Wissenschaftliches Abschiedssymposium für Prof. Dr. med. Michael Untch

Mit einem wissenschaftlichen Abschiedssymposium am 24. April in Berlin hat der international renommierte Brustkrebsspezialist Prof. Dr. med. Michael Untch, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe im Helios Klinikum Berlin-Buch, seinen Übergang in den Ruhestand begangen. Der 1957 in Fogarasch in Siebenbürgen geborene Gynäkologe übergab dabei symbolisch die Schlüssel der Klinik an seine Nachfolgerinnen. Nationale und internationale Gratulanten aus seinem Fachgebiet und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens würdigten seine Leistung ebenso wie ehemalige Patientinnen, die in bewegenden Worten ihre Krankengeschichte schilderten und ihm dafür dankten, dass er ihnen ein zweites Leben geschenkt habe.
Prof. Michael Untch (Zweiter von links) mit ...
Prof. Michael Untch (Zweiter von links) mit Familie (die jüngste Tochter war wegen Abiturprüfung nicht dabei). Fotos: Woo Jin Shin
Die Referentinnen und Referenten gingen auf Untchs über 40-jährigen erfolgreichen Weg ein, der er von 1985 bis heute entfaltete. Sein Wirken als Forscher und Therapeut umfasst die Gynäkologie und Geburtshilfe mit Schwerpunkt auf gynäkologischer Onkologie, operativer Gynäkologie und medikamentöser Tumortherapie. Hervorgehoben wurde dabei immer wieder, dass er nicht nur als Spezialist, sondern auch als Arzt überzeugt, der Patientinnen und Patienten in den Vordergrund stellt.

Die erste Etappe dieses Weges umfasste 20 Jahre an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, an der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Klinikums Großhadern – einer der größten medizinischen Einrichtungen Europas, wo er 1999 habilitierte. In dieser Zeit, geprägt auch durch Forschungsaufenthalte in den USA, entwickelte er gemeinsam mit den Teams, in denen er mitwirkte, das theoretische und praktische Rüstzeug, das so entscheidend für die spätere Tätigkeit werden sollte. Es sei nur an den Gentest erinnert, der eine frühe Identifizierung des genetisch bedingten Brustkrebsrisikos und damit eine Therapie im frühen Stadium möglich macht.

Zahlreiche Publikationen zeugen von dieser außergewöhnlichen wissenschaftlichen Tätigkeit, die sein nationales und internationales Renommee begründete. Prof. Untch ist Autor oder Koautor zahlreicher Fachbücher zum Thema Brustkrebs sowie vieler nationaler und internationaler Publikationen in renommierten medizinischen Fachzeitschriften. Er ist Vorstandsmitglied in berufspolitischen Verbänden und Mitglied in wichtigen nationalen und internationalen Fachgesellschaften; in der FOCUS-Ärzteliste ist er Stammgast. Grußbotschaften aus Kalifornien, Korea und Heidelberg unterstrichen diese Qualitäten. In einem Vortrag wurde die Bedeutung der Ausbildung künftiger Fachleute beleuchtet, ein wichtiges Anliegen des herausragenden Netzwerkers Untch. Diese anerkannte herausragende Kompetenz sicherte Professor Untch im Jahr 2006 die Wahl zum Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Helios-Klinik Berlin-Buch, was auch Dr. Lutz Mario Helmig, Gründer des HELIOS-Konzerns, in einem Grußwort auf dem Symposium würdigte. Zielstrebig hat er die Klinik rasch zu einem medizinischen Hochleistungszentrum entwickelt, von der Deutschen Krebsgesellschaft als Behandlungszentrum für Brustkrebs und gynäkologisch-onkologische Erkrankungen zertifiziert. Auch leitete er die Geburtshilfe im Perinatalzentrum Level I, welches zusammen mit der Kinderklinik den schwangeren und gebärenden Frauen sowie Neugeborenen die bestmögliche medizinische Versorgung sichert. Ein Vortrag verdeutlichte, wie unter seiner Verantwortung die Sterblichkeit bei Neugeborenen stark verringert wurde. In weiteren Vorträgen zeigten ausgewählte Kasuistiken aus 20 Jahren Berlin-Buch die hohen medizinischen Standards, die unter seiner Leitung implementiert wurden. Prävention und Früherkennung, zielgerichtete medikamentöse Behandlungen, minimalinvasive, roboterunterstützte Operationen und präzise, fokussierte Bestrahlungen haben die Brustkrebstherapie heute im Vergleich zur Vergangenheit deutlich schonender gemacht. Auch dank seines Wirkens geht die Brustkrebssterblichkeit seit Jahren zurück.

Die Vorträge verbanden, wie ein unsichtbares Band, mal fachlich, mal anekdotisch, die Erlebnisse aus seinem beruflichen wie auch privaten Leben. Es war vor allem der Vortrag seiner Frau, Annegret Untch, die den Menschen hinter diesem Lebenslauf und dieser Erfolgsgeschichte zeigte – liebender Ehemann und Vater, der, selbst wenn es ihn zu Konferenzen auf andere Kontinente verschlug, nicht vergaß, die Lieben daheim anzurufen und bei der Rückkehr mit ihnen etwas zu unternehmen. Die Bilder, z.B. aus dem Legoland in Günzburg, beschworen diese Atmosphäre auf. Berufstätig als Lehrerin und mit vier Kindern. schaffte Annegret Untch es trotzdem, den sicheren Hafen zu organisieren, von dem aus diese Karriere erfolgen konnte und gleichzeitig den Kindern das sichere Nest zu bieten, von dem sie ins Leben starten konnten. Die beiden ältesten Söhne Johannes und Christian sind schon erfolgreich ins Berufsleben gestartet – Johannes als Arzt, Christian als Ingenieur und Berater. Ihre beiden jüngsten Geschwister, Hanna Sophia und Michael jr., sind auch auf dem besten Weg, nach der Hürde des Abiturs, das Gleiche zu tun. Die älteste Tochter Christina, aus erster Ehe, ist studierte Mediendesignerin. Es macht deutlich, dass es keine Zukunft ohne Herkunft gibt. Prof. Untch betont immer seine siebenbürgische Herkunft und vor allem Prägung, die er durch seine Familie und Heimat erfuhr und die er seinen Kindern weitergegeben hat. Es ist dieser „moralische Kompass“, der ihn sicherlich auch dazu bewegt hat, die Patientinnen und Patienten in das Zentrum seines Wirkens zu stellen.

Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von ...
Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, würdigt Michael Untch.
Patientinnen kamen im Symposium auch zu Wort, darunter prominente Persönlichkeiten wie die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, die in bewegenden Worten von ihrer Erkrankung, der Therapie durch Prof. Untch und das gesamte Team im Klinikum Berlin-Buch sowie ihrer Heilung berichtete. Sie machte Betroffenen Mut und betonte ihre Unterstützung für Initiativen wie die BOA (Berlin Brandenburg Onco Alliance), ein unter der ­Federführung von Prof. Untch aufgebautes Netzwerk gynäkologisch-onkologischer Zentren, Kliniken und Praxen in der Region Berlin und Brandenburg. Bedingt durch das Bekenntnis zu seiner Herkunft, hat Prof. Untch auch viele Patientinnen mit siebenbürgischen Wurzeln behandelt. Eine der bekanntesten ist Caroline Fernolend, Präsidentin des MET (Mihai Eminescu Trust). Sie gehört zu den wenigen in der Heimat verbliebenen Siebenbürger Sachsen und erkannte, dass man das kulturelle Erbe, den Reichtum an Baudenkmälern Siebenbürgens nur bewahren kann, wenn man den wirtschaftlichen und sozialen Unterbau regeneriert und die neuen Bewohner dazu bringt, die Erhaltung dieser malerischen Dörfer als ihr eigenes Interesse zu begreifen. Das brachte diesen nicht nur Berufsausbildung, Arbeitsplätze, Kanalisation, sondern auch Deutsch-Weißkirch den Status UNESCO-Weltkulturerbe. Der prominenteste Hauseigentümer im Dorf ist kein Geringerer als seine Majestät, König Charles III. von England, dessen Stiftung die von Caroline Fernolend angestoßenen Projekte mit unterstützt hat. Aus dieser erfolgreichen Tätigkeit wäre sie beinahe durch ihre Brustkrebserkrankung gerissen worden. Dank der erfolgreichen Therapie durch Prof. Untch und sein Team – die sie auf dem Symposium in Dankbarkeit schilderte – wurde sie geheilt und kann dieses „zweite Leben“ weiterhin ihren Projekten widmen.

Prof. Michael Untch engagierte sich somit nicht nur in seiner und für seine neue Heimat. Er hat wiederholt Mittel und medizinische Geräte für Siebenbürgen organisiert, wo er auch wissenschaftliche und klinische Gastvorträge hält. Dieser Einsatz wurde auch dadurch gewürdigt, dass Ihre Exzellenz Adriana-Loreta Stănescu, Botschafterin Rumäniens in der Bundesrepublik Deutschland, am Symposium teilnahm. Ein weiteres Zeichen der Verbundenheit war auch Untchs Wunsch, von Geschenken abzusehen und stattdessen an die gemeinnützige Stiftung „Mihai Eminescu Trust“ zu spenden, um deren Arbeit zur Bewahrung und Wiederbelebung von siebenbürgischen Dörfern zu unterstützen.

Zum Ende des Symposiums, nach Pause und kollegialem Austausch, gab es noch ein Quiz zu seinem Lebenslauf, kreativ gestaltet und moderiert von seinen ältesten Söhnen Johannes und Christian, das viele überraschende Einzelheiten aus seinem Leben zutage förderte. Für viele Gäste war es auch eine kleine Reise in die Vergangenheit und Rückblick auf gemeinsame Zeiten. Dabei waren nämlich auch viele ehemalige Weggefährte aus Kindergarten- und Schulzeit, Freunde aus der Jugend- und Studentenzeit, mit und ohne siebenbürgischen Wurzeln, Freunde aus München, Berlin und dem Rest der Republik. Anschließend ließ Prof. Untch zusammen mit Familie und Gästen bei Musik und Tanz mit DJ Kay die gelungene Veranstaltung ausklingen.

Es stellt sich natürlich die Frage – wie geht es weiter? Søren Kierkegaard, der berühmte dänische Philosoph und „Vater des Existenzialismus“, schrieb, dass das Leben zwar nur rückwärts verstanden, aber vorwärts gelebt werden muss. Wie es vorwärts geht, fand seine Konkretisierung in der Ankündigung von Prof. Dr. Henning Baberg, Rektor der Medical School Berlin (MSB), dass er Prof. Untch für eine Lehrtätigkeit an dieser Hochschule gewinnen konnte. Die im Symposium verdeutlichte reiche fachliche und Lebenserfahrung von Prof. Untch wird – zum Wohle der Patientinnen und Patienten – an die künftigen Ärztegenerationen weitergegeben.

Alfred Kloos

Schlagwörter: Wissenschaft, Arzt, Symposium, Untch, Schwesig

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  • 28.06.2026, 18:31 Uhr von Melzer, Dietmar: Hallo Herr Prof. Dr. med. Michael Untch kann es sein, dass Sie Vorfahren in Großschenk haben? Bitte ... [weiter]

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