7. Mai 2026
Neue Gruppen und Medien, Regionale Bündnisse, Mundarten/Kultur- und Frauenreferentinnen aus Bayern tagten in Schweinfurt
Wie wir unsere Verbandsarbeit zukunftsfähig mitgestalten können, wurde beherzt bei der Tagung der Kultur- und Frauenreferentinnen aus Bayern vom 17.-19. April in Schweinfurt diskutiert. Dass die Kreisgruppe Schweinfurt – Gochsheim dabei teilweise eingebunden wurde, war geplant. Und da eine aktuelle Studie zeigt, dass unser Dialekt für so viele in Deutschland geborene Landsleute identitätsstiftend ist, wurde auch Sächsisch wieder zum Thema.

Trend zum Individualismus
Zur Umfrage im Vorfeld der Tagung, was sich in den letzten fünf bis zehn Jahren in der Verbandsarbeit verändert habe, äußerten sich Vorsitzende sowohl aus kleinen, mittleren als auch aus großen Kreisgruppen (KG). Den langjährigen Mitgliedern wird „Treue und Bekenntnis zu ihren siebenbürgischen Wurzeln“ attestiert bzw. „Die Menschen werden zufriedener, wenn sie in ihrem Umfeld eine aktive KG haben. Sie schätzen die siebenbürgische Gemeinschaft.“ Erfreulich, wenn im Vorstand „ein sehr guter Generationenaustausch stattfindet. Unsere jungen Leute sind gerne bereit, von den Älteren Traditionen und althergebrachte Methoden zu erlernen (beispielsweise Baumstriezel backen, Krone binden, Trachtenstücke aufbewahren und pflegen).“ Das Spannungsfeld erkennen wir dann an den Feststellungen, „dass die Mitglieder schwerer zu motivieren sind, an Veranstaltungen oder Freizeitfahrten teilzunehmen“ und „Wir müssen attraktiver werden!“ Denn die Veränderungen in der Gesellschaft sind auch in unserem Verband sichtbar: der Trend zum Individualismus, der in allen Kreisgruppen zur Herausforderung wird, weil man sich nicht gerne festlegen will. „Zusagen kommen meist in letzter Minute, Vorausplanungen sind schwer bis unmöglich.“ So fallen etwa ein Kathreinenball oder die alljährliche Tagesskifahrt weg. Noch dramatischer, wenn ganze Gruppen wegfallen! Die gute Nachricht: Es entstehen neue Gruppen, in denen man spontan an der Gemeinschaft teilnehmen kann: Wandergruppen, Bäckerinnengruppen, monatliche Stammtische. Auch finden sich Frauengruppen, die gerne zusammen in Konzerte oder Theater gehen. Originell: wenn nach dem Kaffeetrinken die Senioren-Frauentanzgruppe noch probt. So kann das Verbandsleben attraktiv gestaltet werden. Wie schafft man es jedoch, längerfristige Gruppen zu gewinnen? Projekte bieten die Chance, dass sich Leute einbringen, weil es eine begrenzte Zeit ist, für die sie sich binden müssen. Und von denen bleiben manchmal welche hängen ... Kinder kann man so auch am leichtesten begeistern. Der Anlass kann eine interessante Weihnachtsfeier oder ein attraktives Jubiläum mit einem ausgefallenen Programm sein, wo etwas Neues ins Leben gerufen wird (Projekt-Theater- oder Singgruppe, Sportgruppe, Spiele-Abend). Wichtig dabei ist, die Bedürfnisse der verschiedenen Generationen altersgerecht und zeitgemäß zu bedienen. Auch Fahrten zu anderen Kreisgruppen können zur Lust aufs Mitmachen führen. Dabei am besten auch die Kinder einbinden. Schon die Fahrt kann zum Gemeinschaftserlebnis werden. Und Männergruppen findet man höchstwahrscheinlich, wenn man ihnen eine Challenge vorschlägt, z.B. Brotbacken oder Weinherstellen …
Dabei spielt auch Künstliche Intelligenz (KI) eine immer größere Rolle im Verbandsleben. Doris Hutter referierte zum Thema „Frauen.Macht.KI“, wobei sie darauf hinwies, dass die KI hauptsächlich an Männern trainiert wird. So bewerten Bewerbungs-KIs Frauen systematisch schlechter – bei gleicher Qualifikation. Nur 32% der Nutzer/innen von generativer KI sind Frauen! Wenn wir Frauen nichts tun, wird KI die bestehende Ungleichheit verstärken. Also: Texte verbessern! Und weil KI auch halluziniert, wichtige Fakten immer mit zweiter Quelle überprüfen! Kluger Umgang mit KI kann eigenen Ressourcenverbrauch und Kosten senken.
Analoge Kontakte zu anderen Vereinen, gegenseitige Besuche, gemeinsame Feste können zu einem größeren Netzwerk führen, neue Gäste und Ideen bringen, sind also zu empfehlen. Dadurch ergeben sich auch Vorteile bei der Suche nach Räumen oder Förderungen. Und in Erzähl-Cafés könnten unsere Landsleute als Zeitzeugen mit Geschichten aus Siebenbürgen punkten und vermutlich genau so interessante Geschichten aus anderen Gegenden erfahren. Ähnliche Erfahrungen aus anderen Ländern sind besonders bewegend.
Schweinfurt ist eine liebenswerte Stadt, in der unser Verband eine kleine Kreisgruppe (KG) hat. Die Vorsitzende Annemarie Weber verband am Samstag unseren Spaziergang durch die Stadt mit einer kleinen Führung, die auch zu einem lauschigen Innenhof führte, wo wir die ersten Ideen zu den Themen der Tagung aufschrieben. Am Nachmittag waren wir Gäste der Kreisgruppe und wurden im Tagungsraum mit selbstgemachten Köstlichkeiten verpflegt. Kleine und mittlere KG haben nicht so viele Landsleute, die sie ansprechen können, brauchen also ganz besonderes Geschick, um auch mit wenigen Mitgliedern ein attraktives Programm gestalten zu können. Im Norden Bayerns arbeiten die KG zusammen, indem sie sich gegenseitig bei Festen besuchen, bei Mitgliederversammlungen durch Auftritte unterstützen, gemeinsame Anliegen in die Landesvorstandssitzungen einbringen. Individuelle Maßnahmen werden besonders wichtig, der Erfolg liegt oft an Personen mit einem Gespür für den Zeitgeist. Respekt, wenn zum Beispiel in Würzburg nach mehreren Jahren Pause von Christa Zahn eine Tanzgruppe gegründet und dann noch eine Kindertanzgruppe aufgebaut wird, wenn das Kronenfest aus Siebenbürgen von der Kirchengemeinde, wo Adelheid Roth ehrenamtlich mitwirkt, gepflegt wird!
Der Sonntag in Schweinfurt stand im Zeichen des Dialekts und des sächsischen Liedgutes. Im Vorfeld der Mitgliederversammlung der Kreisgruppe tagten die Referentinnen mit Angelika Meltzer, die ihre Öffentlichkeitsarbeit für das sächsische Liedgut vorstellte. Mit den Mitgliedern der KG sang sie dann, begleitete die Lieder an der Gitarre und stellte die Liedermacherin Grete Lienert-Zultner vor. Danach trugen Gustav Weber und Doris Hutter in unterschiedlichen Mundarten ihre sächsischen Texte vor, die Geschichten aus Siebenbürgen und von Aussiedlern erzählen. Um Kinder für den sächsischen Dialekt zu interessieren, wurde auf Siebenbuerger.de eine Kinderecke eingerichtet. Großeltern würden sich über sächsische Kinderbücher freuen. Ingrid Mattes, Kinderreferentin in Bayern, lehrte nicht nur die Gäste im Saal einen Volkstanzschritt, der mit Vergnügen getanzt wurde, sondern schlug vor, dass für das Nachwuchsprogramm am Heimattag ein regionales Vorbereitungsseminar für Kinder eingeführt wird, bei dem auch der sächsische Dialekt eine Rolle spielen könnte.
Ich danke den engagierten Teilnehmerinnen und Gestalterinnen dieser Tagung, der gastfreundlichen Kreisgruppe Schweinfurt sowie dem Kulturwerk der Siebenbürger Sachsen, das diese Tagung aus Mitteln des bayerischen Sozialministeriums gefördert hat.
Doris Hutter
Kultur- und Frauenreferentin des Landesverbandes Bayern
Schlagwörter: Tagung, Bayern, Frauen, Kultur
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