23. April 2019

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Generalversammlung der Siebenbürger Nachbarschaft Rosenau

Am 10. März fand die 15. ordentliche Generalversammlung der Siebenbürger Nachbarschaft Rosenau mit Neuwahl des Vorstandes im Evangelischen Pfarrsaal Rosenau statt.
Die zahlreich erschienenen Gäste freuten sich über einen äußerst interessanten Vortrag von Pfarrer Mag. Roman Fraiss. Er berichtete über die Situation der im Zweiten Weltkrieg vertriebenen Flüchtlinge aus Siebenbürgen, die im Raum Lenzing-Seewalchen ansässig wurden, sowie über die Entwicklung der Evangelischen Pfarrgemeinde A.B. Lenzing-Kammer in den Nachkriegsjahren.

Im September 1944 fand die größte Fluchtbewegung im südosteuropäischen Raum mit dem Vorrücken der russischen Roten Armee statt. Hunderttausende Siebenbürger Sachsen mussten ihre Heimatdörfer verlassen und erreichten nach wochenlanger, abenteuerlicher Flucht Österreich. Der größte Teil wanderte nach Deutschland aus. Weitere europäische Länder, USA, Kanada, Südamerika, Südafrika oder Australien waren ebenso Ziele der Heimatvertriebenen. Etwa 10000 Siebenbürger Sachsen fanden in Österreich ihr neues Zuhause. Der größte Teil der in Lenzing und Umgebung zugezogenen Siebenbürger Sachsen stammte unter anderen aus den Ortschaften Obereidisch, Niedereidisch, Felldorf und Rode sowie Bistriz, Weilau und Schönbirk.

Weitere „Volksdeutsche“ (eigentlich „Altösterreicher“) aus den osteuropäischen Staaten kamen in das Lenzinger Gebiet. Im Bezirk Vöcklabruck lebten 1948 ca. 103700 Oberösterreicher und ca. 14000 Volksdeutsche. Es gab 56 Lager, davon 36 Großlager, u.a. in Pettighofen, Seewalchen und Schörfling-Kammer. Die Lagergemeinde entwickelte sich zu einem eigenständigen Organismus. Dem staatlichen Lagerleiter stand der Kurator zur Seite, die Kirchenväter, die Knecht- und Mägdeväter betreuten ihre Bereiche, die Lehrer kümmerten sich um den Schulunterricht, die Jugendarbeit und die musikalische Erziehung. In der Lenzinger Zellwolle-Fabrik fanden viele Flüchtlinge Arbeit und konnten in Gemeinschaftshilfe für ihre Familien Häuser bauen. Die Lagerbaracken wurden in den späten 1950er Jahren aufgelöst.

In den 1950er Jahren übernahm Pfarrer Mathias Schuster im Lager Kammer die seelsorgliche Betreuung und hat maßgeblich an der Gründung der Evangelischen Pfarrgemeinde A.B. Lenzing-Kammer mitgewirkt. Nach zähem Ringen um den Standort des neuen evangelischen Gotteshauses wurde es letztendlich in der Siedlung Rosenau errichtet und am 31. Oktober 1959 als Gnadenkirche eingeweiht. Heute ist Lenzing-Kammer mit ca. 1650 Evangelischen die zahlenmäßig größte Pfarrgemeinde im Bezirk Vöcklabruck. Nach den Pfarrern Mathias Schuster und Mag. Volker Petri ist seit 2003 Mag. Roman Fraiss in der Pfarrgemeinde tätig. Neu gewählter Vorstand der Nachbarschaft Rosenau. ...Neu gewählter Vorstand der Nachbarschaft Rosenau. Foto: Andreas Pitter Im weiteren Verlauf der Generalversammlung berichteten Nachbarvater Franz Peter Seiler und Nachbarmutter Sonja Lehner über die Vereinsaktivitäten im abgelaufenen Jahr sowie über geplante Projekte, wie z.B. das „Museum in Lenzing“. Nach der Abwicklung der diversen Tagesordnungspunkte wurde der Vorstand der Siebenbürger Nachbarschaft Rosenau neu gewählt: Nachbarvater: Dipl.-Ing. Franz Peter Seiler, Nachbarvater-Stellvertreter: Alfred Schuster, Nachbarmutter: Sonja Lehner, Nachbarmutter-Stellvertreterin: Monika Klein, Schriftführerin: Dipl.-Päd. Waldtraud Kindl, Schriftführer-Stellvertreterin: Sonja Lehner, Kassierin: Dipl.-Päd. Lieselotte Pitter, Kassier-Stellvertreter: Dr. Uwe Bressler, Beiräte: Ingrid Klein, Wolfgang Lehner, Katharina Liedl, Christine Seiler, Ing. Gerhardt Seiler, Veronika Schuster, Rechnungsprüfer: Peter Schuster und Markus Kaltenbrunner.

Michael Gottschling wurde nach mehr als 21 Jahren Vorstandsmitarbeit als Nachbarvater-Stellvertreter die Ehrenmitgliedschaft verliehen, ebenso Pfarrer i.R. Hofrat Mag. Volker Petri für seine über 40-jährige Tätigkeit als Beirat.

Weiter wurde folgende Ehrung von Bundesobmann Kons. Manfred Schuller vorgenommen: Nachbarmutter Sonja Lehner wurde das Ehrenzeichen in Gold des Bundesverbands überreicht. Dies gebührt ihr für die intensiven Bemühungen um den Erhalt der Siebenbürger Trachten und Weitergabe von Brauchtum und Tradition, u. a. die Fertigkeit, Kraut einzulegen oder Siebenbürger Wurst herzustellen, wie Nachbarvater Seiler in seiner Laudatio ausführte. Mit den Liedern „Siebenbürgen, Land des Segens“ und „Hoamatland“ wurde die Generalversammlung traditionell beendet.

Sonja Lehner

Schlagwörter: Österreich, Oberösterreich, Nachbarschaft Rosenau, Generalversammlung

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