22. Dezember 2019

Dagmar Dusil liest in Wien

Der Zuspruch war groß, als im November die vielseitige Autorin Dagmar Dusil uns in Wien neuerdings mit einer Lesung beglückte. Die Vorstellung der Bambergerin aus Hermannstadt erübrigte sich, war sie doch dem Auditorium durch den Vortrag im Vorjahr noch in bester Erinnerung, als sie aus ihren in jedem Sinne „kulinarischen“ Büchern einiges zu Gehör brachte.
Nach Prosaskizzen und einem Lyrikband veröffentlichte sie vor kurzer Zeit unter dem Titel „Auf leisen Sohlen. Annäherung an Katzendorf“ ihre vielfachen Eindrücke und Erlebnisse, die sie im Vorjahr als fünfte Dorfschreiberin der im kleinen Haferland-Dörfchen vom Dichter, Filmer und Theatermann Frieder Schuller eingeführten Institution zu Papier gebracht hat. Es entstand ein faszinierendes Buch, das allgemeine Aufmerksamkeit hervorrief und nicht zuletzt heuer bei der Leipziger Buchmesse äußerst positiv auffiel.

Mit verhaltenem Ton beschreibt Dusil das fernab gelegene, halb vergessene, von den Sachsen verlassene Dorf mit seiner dreitürmigen Kirche, in deren Schatten das von Schuller ordentlich renovierte, ehemalige Pfarrhaus ihr eine Bleibe für die hier verbrachten Monate garantierte. Sie ließ das Dorf mit seiner Überzahl Zigeuner und einer aus unerfindlichen Gründen hergezogener Belgierin, mit einer mürrischen Sommersächsin und dem aufgeweckten Zigeunermädchen Maria, aber auch die sie umgebende Natur und die benachbarten Orte eingehend auf sich wirken und beschrieb diese Eindrücke von Mensch und Tier (Katzen vor allem), von Wäldern und Feldern, altem Gemäuer und neueren Bauten mit einer poetischen, teils verträumten, teils aber durchaus auch hart an der Realität angedockten Sprache. Es entstand so ein buntscheckiges, von den Jahreszeiten und der jeweiligen Inspiration geprägtes, von gelungenen Sprachbildern begleitetes Werk, das unbedingt gelesen werden muss, um das heutige siebenbürgische Landleben verstehen zu können.

Dagmar Dusil erklärte zunächst die Umstände der Entstehung ihres Buches und las dann ausgesuchte Fragmente daraus vor. Der Anklang, den das Gehörte beim Publikum hervorrief, konkretisierte sich in der reißenden Abnahme der mitgebrachten Buchexemplare. Die Qualität des Buches wiederum ließ es durchaus verständlich erscheinen, warum die umtriebige Autorin heuer den Literaturpreis der Esslinger Künstlergilde erhalten hat.

Kurt Thomas Ziegler

Schlagwörter: Wien, Lesung, Dusil

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