6. August 2026

Siebenbürger Volkstanzgruppe Wels tritt bei Welser Burggartenkonzerten auf

Seit ihrer Gründung im Sommer 1983 wirkte die Volkstanzgruppe Wels fast jährlich mit Tanzauftritten an den Welser Burggartenkonzerten mit. Die Konzertreihe, bei der dem Publikum von Juni bis August bei freiem Eintritt vor allem Blasmusikkonzerte unter freiem Himmel geboten werden, war im selben Jahr anlässlich einer oberösterreichischen Landesausstellung in der Welser Burg ins Leben gerufen worden und damit auch gleichzeitiger Anlass für die Gründung der Welser Tanzgruppe.
In all den Jahren hat sich die Volkstanzgruppe der Siebenbürger Sachsen in Wels ihr typisches Tanzrepertoire erarbeitet, mit dem sie zu einem gern gesehenen Gast bei Brauchtumsveranstaltungen in der Stadt und weit darüber hinaus wurde. Deutsche Volkstänze aus Siebenbürgen, vorwiegend dem sogenannten „Blauen Buch“ von Marie Luise Schuster entnommen, und Tänze anderer deutscher Sprachinseln im östlichen Europa bilden seinen Kern, darüber hinaus viele Tänze aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, wie sie im Lauf der Jahre im Austausch mit befreundeten Volkstanzgruppen erlernt werden konnten, einige davon im Zusammenhang mit dem Heimattag in Dinkelsbühl, bei dem die Welser Tanzgruppe jahrelang ein Stammgast war. Gelegentlich kamen auch historische Tänze aus vergangenen Jahrhunderten dazu, die in der Gruppe als willkommene Abwechslung bei den Proben gesehen werden und den volkstanzgeschichtlichen Horizont ihrer Tänzerinnen und Tänzer erweitern. So lag es schon länger auf der Hand, dass die Gruppe bei den Burggartenkonzerten auch einmal ein Tanzprogramm mit derartigen Tänzen ins Auge fassen könnte. Gesagt, getan, begaben sich die Tanzleiter auf die Suche ins gruppeneigene Tanzarchiv und stellten für den diesjährigen Burggartenauftritt am 7. Juli ein Programm mit historischen „Longways“ zusammen, Reihentänzen, die in Europa als sogenannte „Anglaisen“ oder „Englische Tänze“ im 17. und 18. Jahrhundert beliebt waren und von denen sich einige wenige Vertreter bis in den heutigen Volkstanzbetrieb erhalten haben.
Auftritt der Volkstanzgruppe Wels bei den Welser ...
Auftritt der Volkstanzgruppe Wels bei den Welser Burggartenkonzerten. Foto: DI Franz Peter Seiler
Allen voran stützte sich der Tanzauftritt am 7. Juli auf sogenannte „Country Dances“ aus John Playfords Tanzsammlung „The English Dancing Master“, die erstmals 1651 erschien. Dieses Buch hatte sich nach seiner Veröffentlichung in London schnell großer Beliebtheit erfreut, sodass es immer wieder neu aufgelegt wurde, auch nach Playfords Tod. Dabei wurden laufend Tänze weggelassen und neue dazugenommen. Die achtzehnte und letzte Ausgabe erschien 1728 und enthielt 357 Country Dances, zuletzt vor allem Tänze mit Gassenaufstellung, sogenannte „Longways“. Alle Ausgaben zusammengenommen, beschrieb der „Dancing Master“ 1053 Tänze samt Melodien. Die englischen „Country Dances“ kamen durch französische Gesandte und Tanzlehrer zunächst nach Frankreich und verbreiteten sich dann rasch in ganz Europa – aus Countrydances wurden Contredanses und Kontratänze, die man auch „Englische Tänze“, „Anglaisen“ oder „Angloises“ nannte. Die Welser Tänzerinnen und Tänzer zeigten aus den ersten Ausgaben des English Dancing Master mit „The Indian Queen“, „Picking of Sticks“ und „The Merry, Merry Miklmaids“ drei typische Reihentänze sowie - als beispielhaften Kontrapunkt dazu - mit „Sellenger’s Round“ und „Gathering Peascods“ auch zwei Kreistänze, alle veröffentlich in den Jahren 1651-1701.

Die Welser Tänzerinnen und Tänzer zeigten neben dem Tanz „The Comical Fellow“ aus 1776 mit dem „Halbmond“, der 1797 in Niedersachsen veröffentlicht und auch von Anette von Droste-Hülshoff 1842 in ihren „Bildern aus Westfalen“ erwähnt wurde, einen älteren sowie mit der „Sonderburger Doppelquadrille“ aus Nordschleswig in Dänemark und der „Schwedischen Quadrille“ aus Meckelburg-Vorpommern zwei jüngere Vertreter deutscher Volkstänze mit Reihenaufstellung. Den Auftritt beschlossen mit einer Gigue eine norddeutsche Tanzchoreografie des 20. Jahrhunderts zu einer historischen Melodie aus 1748, sowie ein Ausflug nach Siebenbürgen, wo mit dem „Budaker“ aus Deutsch Budak bei Bistritz durch Marie Luise Schuster ebenfalls ein Reihentanz überliefert ist – ein Tanz, der interessanterweise mit dem burgenländischen „Windischer aus Moschendorf“ einen gänzlich unterschiedlichen Kreistanz mit weitgehend identer Melodie zum Bruder hat.

Die an diesem Abend sieben Paare der Welser Volkstanzgruppe wurden bei ihrem Auftritt zum wiederholten Male von Benjamin Gotthard, Konzertfachstudent an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz, kundig am Akkordeon begleitet. Nach ihrer wohlverdienten Sommerpause wollen sie sich wieder Auftritten mit Tänzen aus ihrem üblichen Tanzrepertoire zuwenden, hoffen aber insgeheim darauf, dass es vielleicht auch zu weiteren Gelegenheiten zum Vorführen ihrer historischen Volkstanzsammlung kommen wird – vielleicht bei der nächsten Oberösterreichischen Landesgartenschau, die vom Mai bis September 2027 in Wels stattfinden wird.

Christian Schuster

Schlagwörter: Volkstanzgruppe Wels, Auftritt, Burggartenkonzerte, Wels

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