21. Juni 2012

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Premier Ponta unter Plagiatsverdacht

Bukarest – Der rumänische Premierminister Victor Ponta widerspricht dem Vorwurf, Teile seiner Doktorarbeit ohne korrekte Quellenangaben abgeschrieben zu haben. Der 39-jährige Jurist sieht sich als Opfer einer politischen Kampagne, hinter der angeblich Staatspräsident Traian Băsescu stecke. Der Präsident des rumänischen Rats zur Anerkennung von Universitätsdiplomen (CNATDCU), Marius Andruh, erklärte, für den Plagiatsvorwurf gebe es „überwältigende Indizien“.
Das britische Naturwissenschaftsmagazin Nature veröffentlichte am 18. Juni einen entsprechenden Bericht. Dem Magazin liegen demnach entsprechende Dokumente vor, die ihm von einer anonymen Quelle zugespielt wurden. Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung verfügt nach eigenen Angaben über Faksimiles der Arbeit Victor Pontas über den „Internationalen Strafgerichtshof. Geschichte und Realität“ (Curtea penală internaţională, 2003). Auf 130 von 300 Seiten (ohne Inhalts- und Literaturverzeichnis sowie Anhang) sollen sich nahezu wortwörtliche Abschriften aus mehreren Büchern (Curtea Penală Internaţionlă, Istorie şi realitate von Dumitru Diaconu, Drept Internaţional Penal von Vasile Creţu und The International Criminal Court: A New Stage von Ion Diaconu) und Zeitungsartikeln (z.B. România Liberă, Adevărul) befinden. Laut FAZ veröffentlichte Ponta die Texte in leicht abgewandelter Form 2004 und 2010 in zwei Büchern.

Ponta erhielt nach den Berichten seinen Doktortitel an der Universität Bukarest (Universitatea din Bucureşti). Doktorvater war der damalige Premierminister Adrian Năstase, der gestern versucht hat, sich umzubringen. Wenige Stunden zuvor war er wegen illegaler Parteienfinanzierung zu zwei Jahren Haft verurteilt worden.

Ponta war 2003 Staatssekretär in der Regierung. Der Premier erklärte, er habe in seiner Doktorarbeit alle verwendeten Quellen im Literaturverzeichnis genannt. Wenn es ein Fehler wäre, keine Fußnoten verwendet zu haben, werde er die Verantwortung tragen. Aus Pontas Sicht handelt es sich um eine von Băsescu und dem früheren Unterrichtsminister Daniel Funeriu inszenierte politische Attacke. Einen Rücktritt lehnte er ab.

Ein pikantes Nebendetail in der Affäre ist die Tatsache, dass der von Ponta eingesetzte interimistische Unterrichtsminister Liviu Pop am 10. Juni alle Mitglieder des Nationalen Ethikrates für wissenschaftliche Forschung, technologische Entwicklungen und Innovationen (ANCS) auswechselte. Das Gremium hat eine beratende Funktion und war mit der Untersuchung des Plagiatsfall Ioan Mang befasst. Mang musste wegen erwiesener Plagiatsvorwürfe nach zehn Tagen von seinem Posten als Unterrichtsminister zurücktreten. Zuvor war bereits seine Vorgängerin Carina Dumitrescu über ähnliche Vorwürfe gestürzt.

HW

Schlagwörter: Politik

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