23. September 2020

30. Sachsentreffen fand virtuell unter dem Motto "Gemeinschaft verbinden – Abstand überwinden" statt

Seit 30 Jahren ist das Sachsentreffen kein einziges Mal ausgefallen – und das kommt auch in diesem Jahr, noch dazu zum 30. Jubiläum, nicht infrage: Statt wie geplant in Großau treffen sich die Siebenbürger Sachsen und ihre Freunde am 19. September auf dem Bildschirm, zugeschaltet aus aller Welt. Zwar fehlen die herzlichen Umarmungen und guten Gespräche, doch nicht fröhliche Musik, die bunten Trachten, die schmissigen Tanzgruppen und vor allem – die emotionelle Nähe.
Erinnerung an das letzte große Sachsentreffen ...
Erinnerung an das letzte große Sachsentreffen 2017 in Hermannstadt – in Großau hätte das diesjährige Treffen stattfinden sollen. Foto: George Dumitriu
Aus Hermannstadt eröffnet Martin Bottesch, Vorsitzender des Siebenbürgenforums, das Sachsen-online-Treffen. Er erinnert an die Zeit vor 30 Jahren: Auswanderung, Aufbruch, Abbruch, das Wegbrechen der Gemeinschaft. Ob es diese deutsche Gemeinschaft in 30 Jahren noch geben würde, konnte damals niemand sagen – und erst recht nicht, ob sie politisch aktiv sein würde. Nun aber bereitet sich das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien (DFDR) auf die Teilnahme an den Kommunalwahlen vor, es gibt immer noch deutsche Schulen, deutsche Kultur ... Doch man musste sich für alles einsetzen: „Uns ist nichts in den Schoß gefallen!“ Nun fordert die Pandemie zum Nachdenken auf: „Was ist wesentlich für unsere Gemeinschaft?“ Natürlich gehört dazu in erster Linie das Zusammensein – und so konnte man es nicht einfach ausfallen lassen, das 30. Sachsentreffen, gesteht Bottesch.

Der Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, Reinhart Guib, erinnert an die schwierige Zeit zwischen März und Juni, als selbst Gottesdienste nur virtuell über das geistliche Netzwerk möglich waren. Daran, dass die Diakonie stark gefordert war, aber auch daran, dass wenigstens die EU-geförderten Arbeiten an den 16 Kirchenburgen und zwei Kirchen weitergingen, weil im Freien.

Aus Dinkelsbühl schaltet sich der Bundesvorsitzende des Verbands der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Rainer Lehni, zu. Von der Gedenkstätte der Siebenbürger Sachsen erinnert er an Meilensteine: 75 Jahre sind vergangen seit der Russlanddeportation, einem traumatischen Ereignis, das fest im kollektiven Gedächtnis der Siebenbürger Sachsen verankert ist. Vor 30 Jahren gab es dann eine neue Zäsur, den großen Exodus. „Doch ist in dieser Zeit auch viel Neues gewachsen.“ Davon zeuge auch das 70. Jubiläum der Siebenbürgischen Zeitung, „ein wichtiges Bindeglied der Siebenbürger Sachsen weltweit“.

Manfred Schuller, Obmann der Siebenbürgen Sachsen in Österreich, ruft zur Zuversicht auf und hofft auf ein baldiges Wiedersehen. Ilse Welther, Vorsitzende des HOG-Verbands in Deutschland, motiviert zur Einhaltung der Vorsichtsmaßnahmen als Beweis für die Nähe zu den Mitmenschen, die man damit schützt. „Physischer Abstand, doch emotionelle Nähe. Auch diese Erfahrung stärkt“, meint sie und versichert: „Uns kommt die Gemeinschaft trotzdem nicht abhanden“.

Mit frischem Wind vom Balkon des Forumshauses in Hermannstadt führen Claudia Stanciu und Winfried Ziegler, Geschäftsführer des Siebenbürgenforums, durch das bunte Programm. Nach einer Andacht in der Kirche von Großau mit Pfarrer Dietrich Galter – seltsam muten die leeren Kirchenbänke an – schalten sich Teilnehmer aus allen Ecken Siebenbürgens zu. Mit musikalischen Beiträgen unterhalten der Projektchor aus Seligstadt unter Leitung von Christiane Neubert, die Burzenländer Blaskapelle mit einem 174 Jahre alten Kronstädter Gruß, dem Lied-Gedicht „Siebenbürgen, Land des Segens“, die Blaskapelle Petersburg, untermalt mit alten Filmszenen (TVR) und Archivfotos von früheren Aufführungen, die Blaskapelle „Harmonie“ aus Bistritz mit Szenen aus der Stadt. Das Duo Petra Acker und Albert Taiti bietet aus Kronstadt traditionelle und modern inspirierte siebenbürgische Kostproben: das mittelalterliche Lied „Die Nachtigall“ und ein Lied-Gedicht nach der Siebenbürgischen Elegie von Adolf Meschendörfer. Aus der Forellenfarm von Martin Müller in Albota bestreitet das musikalische „Trio Saxones Plus“ das Unterhaltungsprogramm bis zum Schluss.

Tanzgruppen schalten sich von hier und dort zu, liefern Einblicke und Rückblicke: Mit einem fröhlichen Juchu springen die Kinder der Jugendtanzgruppe von Anamaria Dahinten in der Kirchenburg von Mühlbach vor die Kamera, die filmende Drohne tanzt mit ihnen über der malerischen Kleinstadt mit! Sternpolka und Walzquadrille gibt die Volkstanzgruppe des Jugendforums Hermannstadt zum Besten. Es folgen Aufnahmen der Tanzgruppe des Forums und der Tanzgruppe „Korona“ aus Schäßburg, von „Goldregen“ aus Sächsisch-Regen, „Transilvania“ aus Diemrich, „Vergißmeinnicht“ aus Bistritz und der „Sächsischen Tanzgruppe Zeiden“. Grüße aus Kronstadt übermittelt der Vorsitzende des dortigen Forums, Thomas Șindilariu. Das Klausenburger Forum hat sich unter dem stellvertretenden Vorsitzenden des Siebenbürgenforums, Radu Nebert, versammelt und winkt maskiert, aber fröhlich in die Kamera.

Coronavirus verstellt uns zwar den Blick in die Zukunft: Das für 2021 geplante große Sachsentreffen wurde bereits auf 2022 verschoben. Doch der Blick in die Vergangenheit liegt frei. Bilder der letzten zehn Jahre, die viele noch im Herzen tragen, leben auf dem Bildschirm noch einmal auf: 2010, Sachsentreffen in Bistritz bei strömendem Regen, dann Kronstadt (2011), Birthälm (2012), Schäßburg (2013), Mühlbach (2014), Mediasch (2015), Sächsisch-Regen (2016), Hermannstadt (2017), Mediasch (2018) und 2019 ebenfalls Bistritz, diesmal bei Sonnenschein. So ist es auch im Leben: 2020 heißt es Durchtauchen, Abstand überwinden, Hoffen in Zuversicht. Die Gemeinschaft kommt uns nicht abhanden!

Nina May

Externer Link:

Das Video des Sachsen-online-Treffens, zwei Stunden und 50 Minuten lang, können Sie unter der Adresse https://livestream.com/romania-live-events/sachsen-online-treffen/videos/211145308 sehen.

Schlagwörter: Sachsentreffen, Hermannstadt, Siebenbürgenforum, Martin Bottesch, Rainer Lehni, Manfred Schuller, Ilse Welther

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