21. September 2026

Sommerschule setzt Akzente für Kirche und Pfarrhof Stolzenburg

Die Sommerschule Stolzenburg 2026 hat gezeigt, dass die Zukunft des Ensembles nicht auf eine ferne Gesamtrestaurierung warten muss. Mit temporären, reversiblen und gemeinschaftlich getragenen Eingriffen kann der Pfarrhof schon heute wieder zu einem Ort der Gastlichkeit, Begegnung und stillen Einkehr werden.
Blick auf das Ensemble von Pfarrhaus, ...
Blick auf das Ensemble von Pfarrhaus, Umfassungsmauer und Kirche in Stolzenburg. Im Vordergrund entstehen die temporären Holzkonstruktionen der Sommerschule. Foto: Ulrich Baierlipp
Wie kann ein historischer Pfarrhof zu einem lebendigen Ort der Begegnung, der Gastlichkeit und der Kontemplation werden? Mit dieser Frage beschäftigten sich Studierende der Berner Fachhochschule im Rahmen der Sommerschule Stolzenburg 2026 unter der Leitung von Prof. Ulrich Baierlipp und Prof. Beat Löliger. Auf Initiative von Marianne Hallmen, gebürtige Stolzenburgerin und Präsidentin des Vereins der Siebenbürger Sachsen in der Schweiz, entwickelten sie während zweier intensiver Arbeitswochen Ideen und räumliche Ansätze für die künftige Aktivierung des Ensembles aus Kirche und Pfarrhof.

Eine wichtige Grundlage für die weiteren Überlegungen bildeten zudem die dokumentarischen Arbeiten am Pfarrhaus. Architekturstudierende der Ion-Mincu-Universität für Architektur und Stadtplanung in Bukarest und der Lucian-Blaga-Universität Hermannstadt leisteten unter der Leitung von Prof. Liliana Cazacu vorab wertvolle Vermessungsarbeiten am Pfarrhaus. Die topografische Vermessung des Areals erfolgte durch Mihail Bogdan. Die präzise Bestandsaufnahme schafft eine wesentliche Grundlage, um den Pfarrhof in seiner baulichen Struktur, seiner Einbindung in das Gelände und seinem räumlichen Potenzial besser zu verstehen sowie künftige Maßnahmen sorgfältig vorzubereiten.

Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass eine umfassende Restaurierung des Pfarrhauses gegenwärtig aus finanziellen Gründen nicht möglich ist. Gerade diese Einschränkung eröffnete jedoch einen neuen Blick auf das Potenzial des Ortes: Anstelle einer sofortigen und vollständigen baulichen Instandsetzung schlugen die Studierenden temporäre, leichte und reversible Interventionen vor. Mit einfachen Konstruktionen und klaren räumlichen Gesten soll der Pfarrhof schrittweise wieder nutzbar und für Besucherinnen und Besucher erlebbar werden.

Die Sommerschule durfte zudem auf vielfältige, tatkräftige und unkomplizierte Unterstützung aus dem Ort zählen. Bürgermeister Aron-Adrian Nan, Burghüter Michael Weidenfelder, der gebürtige Stolzenburger Ingo Retter und der Dorfbewohner Florin Tarchilă standen dem Vorhaben engagiert zur Seite.

Im Mittelpunkt der Überlegungen standen das gemeinsame Essen und einfache Übernachtungsmöglichkeiten. Ein offenes Refektorium – ein Ort für Mahlzeiten, Gespräche und gemeinschaftliches Arbeiten sowie für Retraiten – könnte künftig das Herzstück einer neuen Nutzung des Pfarrhofes bilden. Die Idee knüpft bewusst an klösterlich-kirchliche Traditionen an: an gemeinschaftliches Leben, Gastfreundschaft sowie an die Verbindung von Alltag, Arbeit und Besinnung.
Die fertig aufgebaute, leichte und verschiebbare ...
Die fertig aufgebaute, leichte und verschiebbare temporäre Holzkonstruktion wird unmittelbar angeeignet – als Sitz-, Schlaf-, Aufenthalts- und Begegnungsraum im geschützten Garten des Pfarrhofes. Foto: Marianne Hallmen
Daraus entwickelten die Studierenden Ansätze für eine Anlage, die nicht als abgeschlossener Neubau gedacht ist, sondern als behutsam wachsendes, kontemplatives Ensemble. Vorgesehen sind einfache, anpassungsfähige Strukturen, die sich an den Bestand anlehnen, seine Geschichte lesbar lassen und zugleich neue Nutzungsformen ermöglichen. Der Pfarrhof soll nicht durch eine spektakuläre Geste verändert werden, sondern durch eine schrittweise Aneignung: durch gemeinsames Kochen, Arbeiten, Wohnen auf Zeit, kulturelle Veranstaltungen und Räume für Ruhe.

Wichtige Anregungen lieferten Exkursionen zu historischen Holzkirchen in der Maramureș, zum ASTRA-Museum in Hermannstadt sowie zur Kirchenburg Großau bei Hermannstadt. Dort untersuchten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unterschiedliche Formen sakraler Architektur, traditionelle Bauweisen und gemeinschaftlich genutzte Räume. Besonders die Frage, wie historische Gebäude und Anlagen heute durch zurückhaltende Eingriffe belebt und neu erschlossen werden können, zog sich als roter Faden durch die Sommerschule.

Das große Interesse an der Sommerschule zeigte sich auch im Besuch zahlreicher Fachleute, die die Arbeiten begleiteten und mit den Studierenden diskutierten. Unter ihnen waren Dekan Dietrich Galter, Pfarrer Klaus Martin Untch, Andreea Mănăstireanu, Projekt- und Kulturmanagerin der Stiftung Kirchenburgen, der Archäologe Zeno Pinter sowie Claudia Urda, Direktorin des Brukenthalmuseums. Ihre Anwesenheit unterstrich die Bedeutung des Vorhabens über Stolzenburg hinaus: Die Zukunft von Kirche und Pfarrhof betrifft nicht allein die örtliche Gemeinde, sondern berührt grundsätzliche Fragen des verantwortungsvollen Umgangs mit dem siebenbürgisch-sächsischen Kulturerbe.

Die in Stolzenburg entwickelten Vorschläge sind deshalb nicht als fertige Bauprojekte zu verstehen, sondern als erste Akzente, Impulse und langfristige Perspektiven. Sie zeigen, wie Kirche und Pfarrhof künftig wieder stärker in das Dorfleben eingebunden werden könnten: als Orte für gemeinsame Mahlzeiten, kulturelle Veranstaltungen, Workshops, Gäste und stille Rückzüge.

Auch die kleine, besonders reizvolle St.-Bartholomäus-Kirche könnte dadurch wieder stärker ins Bewusstsein rücken – etwa als würdiger Ort für Trauungen und Taufen, für Andachten und besondere persönliche Anlässe. Kirche und Pfarrhof hätten damit die Chance, nicht nur bewahrte Zeugnisse der Vergangenheit zu sein, sondern erneut ein offenes, einladendes und geistlich geprägtes Zentrum des Ortes zu bilden.

Gute Ideen sind vorhanden, nun stehen die nächsten Schritte ihrer Umsetzung an. Die Berner Fachhochschule bleibt dem Projekt verbunden und wird die weitere Entwicklung begleiten. Wer sich mit Ideen, fachlicher Unterstützung oder anderen Beiträgen einbringen möchte, ist herzlich eingeladen, mit Marianne Hallmen Kontakt aufzunehmen: mhallmen [ät] bluemail.ch, Telefon: (0041-7 86) 281809.

Marianne Hallmen

Schlagwörter: Stolzenburg, Sommerschule

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