22. August 2018

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Bleistiftgedicht von Johanna Leonhardt

Im Jahr 2017 erschien „die mit ihren 308 Nummern vermutlich umfangreichste Sammlung unterschiedlichster, mehrheitlich mundartlicher volkstümlicher Lieder“, so Michael Markel im Nachwort des Bandes mit dem Titel "E Liedchen hälft ängden".
Beim Singen denkt man vielleicht nicht zuerst an den Begriff hälft/hilft. Lied und Gesang wird gemeinhin eher mit Freude und Frohsinn oder Feier und Festlichkeit assoziiert. Johanna Leonhardt trifft sich in ihrem Bleistiftgedicht irgendwie mit Grete Lienert-Zultner, der Autorin des zitierten titelgebenden Kanons, und dachte mit einem gewissen Humor an Beispiele aus ihrem Alltag. Ärger aller Art kann literarisch sublimiert werden, man setzt ihm das Reimen eines Gedichtchens entgegen, und schon reimt/räumt dies den Ärger von der Seele – uch e Gedichtche kaun hälfen ... z ... Johanna Leonhardt (1929-2006) war Lehrerin in Baaßen, Weißkirch und Schäßburg, sowie nach der Aussiedlung 1963 in Dachau. Sie war eine Urenkelin des Dichters Georg Meyndt, dessen Mundartlieder in der Familie häufig gesungen wurden. Erst in Deutschland begann sie selbst Gedichte, meist in Mundart, zu schreiben. Eine Aufzählung ihrer Publikationen findet man in der Siebenbürgischen Zeitung, Folge 20 vom 20. Dezember 2012, S. 8.

Hanni Markel und Bernddieter Schobel




Johanna Leonhardt


Norr de Bloastäft net vergeßen
Ach, wat hot em doch Gedonken
allerhond si vill äm Hift,
wånn em än des Alldauģs Arbet
krezzij uch äm Kries norr lieft.
Hä uch do norr kitt e Stangdchen,
wo em sich besännt uch raht;
hot em dro Papeir uch Bloastäft,
äs glech alles hiesch uch gat:
Quiëlt dich Sihnsucht no der Hiemet,
faingst te Dauch uch Noocht net Rah,
schreiw en Reim, mouch e Gedichtchen,
jeder hirt der gärren za.
Hoost te Ärjer mät dem Nohber,
wießt glatt net, wä te´t solt son;
kaust um beeste mät em Reimchen
frängdlich dich bä äm beklon.
Moochst te dir e klie Gedichtchen,
reimst den Ärjer vun der Siel,
hot, bäs alles afgeschriwen,
det Zewedder uch sen Diel.
Wällt en Gläckwänsch ta iest broingen,
spor den deire Blamestrauß,
schmidd en Reim, die net verbläh kaun,
dräck en äm Computer aus!
Giehst durch Bäsch uch Wis uch Feelder,
bleiwst entzäckt aldierest stohn,
kaust te mät em glade Reimchen
Froad uch Donk dem Herrgott son.
Fräsch norr äng uch ohne Bongen:
Wat gereimt, dot wird gekrint,
wel det Reimen mät dem Bloastäft
dich der gonzer Wält versiehnt.
Reime let sich Villet, alles –
alles schär af deser Wält;
doch gäw oocht, datt deng noa Reimchen
het uch morr‘n uch äng gefällt!
Schreiwst ta fleißij, soa uch kritesch,
Sesset loss glatt glech dervun,
wel sonst Hirer odder Liëser
schemmern uch en Blos bekunn.



28.03.1996

Schlagwörter: Saksesch Wält, Mundart, Leonhardt

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