26. September 2026

Ballutschen, Breder uch Späjjelhilzker

Zum Europäischen Tag der Sprachen: Drei kurzweilige Fragen als Einstieg in die Ausdrucksvielfalt unseres siebenbürgisch-sächsischen Dialektes
Dieser Beitrag will zeigen, wie der Umgang mit Sprache unterhaltsam sein kann, vor allem, wenn es sich um die Vielfältigkeit der Bezeichnung von Objekten in verschiedenen Ortsdialekten handelt. Ausgangspunkt sind drei Gedichte, die früher in dieser Zeitung erschienen sind. Ihre gemeinsame Autorin ist Grete Menning-Gierer, ehemalige Lehrerin, die 1937 in Denndorf (rum. Daia) geboren wurde und heute in Heilbronn lebt – in zwei Gedichten dient der Denndorfer Dialekt als Referenzbasis.

Ballutschen

Gedicht: „De Verwiëßlung“ (Die Verwechslung), Siebenbürgische Zeitung, Folge 16 vom 15. Oktober 2012, S. 8

Zum Inhalt: Eine Frau aus Denndorf und eine vor Kurzem nach Denndorf Eingeheiratete, die mit der Denndorfer Mundart noch nicht so vertraut ist, hacken gemeinsam Unkraut aus. Plötzlich ruft die eingeheiratete Fie (Sofia): „säch, en Ballutsch äs hä!“ (schau, eine Ballutsch [Betonung auf der 2. Silbe] ist hier!). Darauf die Denndorferin: „En Ballutze? Wo, tea Fie? Ech säh jo nichen, nä!“ (Eine Ballutze? Wo, du Fie? Ich seh ja keine, nein!“

Frage: Was ist das, was die eine Frau sieht, und die andere nicht?
(Erst raten, dann die Antwort lesen.)
Antwort: Im Heimatdialekt der eingeheirateten Fie sind die Ballutschen Regenwürmer. Das fast gleichlautende Ballutze bedeutet in Denndorf dagegen: Büffel! Ja, und wie heißen dann in Denndorf die Regenwürmer? Das sagen uns die letzten zwei Zeilen des Gedichtes: „Tea riëdst jo wärlich pustij, Fie. E Lippendar äs dett.“ Du redest ja wirklich unsinnig, Fie. Ein Lippendar (Betonung auf der 1. Silbe) ist dies.

Breder

Gedicht: „Breader – Broder – Breder“, Folge 16 vom 15. Oktober 2012, S. 8

Um die Komik des Folgenden zu verstehen, muss man wissen: Ein Breder (sprich: Breeder) ist in Denndorf ein Ofenbackrohr, in Birthälm dagegen der leibliche Bruder.

Zum Inhalt: Als ein Denndorfer einem Birthälmer gegenüber klagt, dass er seinen maroden Breder reparieren müsse, erwidert der Birthälmer streng:

„En Breder repariert em net.
Deen hielt em hechstens, märk der dett!
End außerdeem: Wä sil dåt gohn?“ –
„Åft Bleech mess em mä’m Hummer schlon!“
(Einen Breder repariert man nicht.
Und außerdem: Wie sollte das gehen?“ –
„Aufs Blech muss man mit dem Hammer schlagen!“)
Worauf der Birthälmer entsetzt ruft:
„Me’ Breder as doch net aus Bleech!“
(Mein Breder ist doch nicht aus Blech!)

Frage: Wie kommt es zum Gleichklang der beiden Wörter?
Antwort: Der Gleichklang ist zufällig. Im einen Fall handelt es sich um eine vokalische Abwandlung des überlokalen Wortes Broder ( = Ofenbackrohr), im andern um das Gleiche beim überlokalen Breader ( = Bruder).

Späjjelhilzken

Gedicht: „De Flutter“, Siebenbürgische Zeitung, Folge 14 vom 20. September 2007, S. 8, siehe auch SbZ Online vom 16. September 2007

Wie schon der Titel des Gedichtes zeigt, handelt es sich bei dem Spajjelhilzken nicht um einen hölzernen Spiegelrahmen, sondern um eine ortsmundartliche Bezeichnung für den Schmetterling. Zehn solcher Bezeichnungen zählt Grete Menning-Gierer im diesbezüglichen Teil ihres Gedichtes auf, der im Folgenden zitiert wird. Dazu eine Empfehlung für nicht sächsisch Sprechende: Den Text laut (vor-) lesen und übersetzen.

„Flutter, Flitter sonn et ållen,
net em jeden dä (nämlich diese Bezeichnungen) gefållen.
Uch Ruppescheißer son är nooch:
Fuer sä kitt norr derr ien (nämlich dieser eine Name) ä Frooģ.
Mät Pillengo, do hu mer na
uch nooch en ånj’reschen (ungarischen Namen) derza.
Vum Splitterholz hun ech gehiert –
derr Nummen äs erwehnenswiërt.
Åld sä Fliggelmasch nooch hießen,
dä klennen glatt wä uch dä grießen.
De åndern Spechhuulz ke’ se son –
woräm? Dåt messe m net verstohn,
se hießen iefåch norr esi!
Gånz åndern åwer, dä se’ frih,
wo (wenn) sä se Spajjel hieße kennen.
Nooch åndern wedder sich bekennen
zem Spajjelhilzken, dåt äs hlor,
äst åndert äs jo schär net wohr!
Åls Summervegeltcher se fläjjen
bä ånderen vu Blomm ze Blomm.
Und et äs wärlich e Vergnäjjen,
wo (wenn) sä är Flijjeltcher åfschlon.“

Frage: Sind Ihnen weitere Bezeichnungen bekannt? Falls ja, dann bitte melden per E-Mail an bernddieterschobel [ät] web.de oder in einem Brief an Bernddieter Schobel, Danziger Straße 16, 74564 Crailsheim.

Gespannt erwartet Nachrichten Ihr/Euer

Bernddieter Schobel

Schlagwörter: Mundart

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