13. Juli 2017

Sächsisches Erbe wird begeistert in Nordamerika gepflegt

Der Heimattag der Siebenbürger Sachsen in Nordamerika fand vom 23. bis 25. Juni 2017 in Kitchener in Kanada statt. Kitchener, im Süden der kanadischen Provinz Ontario gelegen, ist das Zentrum der Siebenbürger Sachsen in Kanada. Erstmals fand der Heimattag unter einem zweisprachigen Motto statt: „Entdecken – Tradition – Discover“, wobei das Wort Tradition in der englischen und deutschen Sprache gleich ist, lediglich anders ausgesprochen wird. Rund 400 Gäste beteiligten sich an der größten Veranstaltung der Siebenbürger Sachsen auf dem amerikanischen Kontinent, darunter erfreulich viele junge Menschen. Die Föderation der Siebenbürger Sachsen wurde vom stellvertretenden Bundesvorsitzenden des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Rainer Lehni, vertreten.
Traditionell ist der erste Abend des Heimattages der lockere, gemütliche Teil, eine Willkommensparty im Alpine Club Kitchener, bei der nach und nach die Gäste aus den USA und Kanada eintreffen. Der Abend stand unter dem Motto „Bootleg & Bratwurst“. Im Vorfeld hatten die Siebenbürger Sachsen aus Kitchener leckere siebenbürgische Bratwurst und Mici (auf Englisch „mitch“ geschrieben) selbst hergestellt und gegrillt. Für ausgelassene Stimmung sorgten junge sächsische Jugendliche aus Kitchener, die sich zur Band „Seven Castles“ zusammengeschlossen haben.

Der Festakt am zweiten Tag des Heimattags wurde mit dem Einzug der Fahnen der Länder, die zur Föderation der Siebenbürger Sachsen gehören, sowie den Nationalhymnen der USA und Kanadas eingeleitet. John Penteker, stellvertretender Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Kanada, und Reinhard Schmidt, Präsident des Transylvania Clubs Kitchener, begrüßten die Gäste und stellten die Ehrengäste vor. Kurze Grußworte sprachen der stellvertretende Bundesvorsitzende des Verbandes in Deutschland, Rainer Lehni, und der deutsche Generalkonsul in Toronto, Peter Fahrenholz. Dieser erinnerte sich an die spannende Zeit an der deutschen Botschaft in Bukarest während der rumänischen Revolution von 1989, einer Zeit, in der er in Rumänien die Siebenbürger Sachsen kennengelernt hatte.
Einzug der Trachtenträger und Ehrengäste in das ...
Einzug der Trachtenträger und Ehrengäste in das Breithaupt Centre, von links nach rechts: Helgard Werner, John Werner, Joan Miller-Malue und Rainer Lehni. Fotos: Alfred Lowrick
Im anschließenden Kulturprogramm begeisterten siebenbürgische Gruppen aus den USA und Kanada die Zuschauer mit ihren Darbietungen. Eine Augenweide war die Kindertanzgruppe Cleveland (Leitung: Kristan Pechatsko), es war einfach süß, den Kleinen zuzuschauen, der jüngste Tänzer war stolze zwei Jahre alt. Einen musikalischen Leckerbissen präsentierte der von Dieter Conrad dirigierte Transylvania Chor Kitchener mit deutschen und sächsischen Liedern. Die sächsische Jugend in Kanada zeigte sich von ihre besten Seite mit den Tanzgruppen aus Aylmer (Leitung: Rebecca Horeth) und Kitchener (Leitung: Justin Schatz), die mit tänzerischem Können brillierten. Die Jugendtanzgruppe Kitchener hatte dabei natürlich Heimvorteil und konnte mit zwölf Tanzpaaren die Tanzfläche voll und ganz in Beschlag nehmen. Die von Andrea Emrich geleitete Transylvania Hofbräu Band Kitchener gab ebenfalls ihr Bestes und leitete zum allgemeinen Tanz bis in die späten Abendstunden über.
Jugendtanzgruppe Kitchener beim Auftritt im ...
Jugendtanzgruppe Kitchener beim Auftritt im Alpine Club.
Am Sonntag, dem Abschlusstag des Heimattags, versammelten sich zahlreiche Trachtenträger vor dem Breithaupt Centre in Kitchener, in dem Gottesdienst und Festkundgebung stattfanden. Zu den Klängen der Transylvania Hofbräu Band zogen die Trachtenträger in den Saal ein. Der von Pfarrer Enzo Pellini gestaltete Gottesdienst wurde musikalisch von der Blaskapelle und dem Transylvania Chor begleitet.

Die Festkundgebung des Heimattags eröffnete John Werner, Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Kanada. In seiner Begrüßungsansprache ging er auf das Motto des Heimattags ein. Der Begriff Tradition ziehe sich durch unsere ganze siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft („community“), von der Bezeichnung Heimattag über den sächsischen Dialekt, die sächsische Tracht bis hin zu den vielen Aspekten aus dem kulturellen Bereich. Wichtig für die Fortführung dieser Tradition durch die kommenden Generationen von Siebenbürger Sachsen seien der Kulturaustausch innerhalb der Föderation und das Föderationsjugendlager, dessen Ursprünge bei der Landsmannschaft in Kanada liegen, betonte John Werner. Ziel beider Veranstaltungen sei es, das bald 900-jährige kulturelle Erbe der Siebenbürger Sachsen weiterzuführen. Besonders das Jugendlager rege die junge Generation an, sich mit diesem Erbe auseinanderzusetzen. Zum Abschluss seiner Rede stellte John Werner das kürzlich in englischer Sprache erschienene Buch „Transylvanian Saxons in Canada“ vor und dankte allen Mitarbeitern und Sponsoren.
Die Jugend gestaltete das Programm begeistert ...
Die Jugend gestaltete das Programm begeistert mit: die Tanzgruppen Kitchener und Aylmer mit der Miss Transylvania (Kitchener) und Miss Saxonia (Aylmer).
Die Präsidentin der Alliance of Transylvanian Saxons (ATS) in den USA, Joan Miller-Malue, überbrachte die besten Grüße der Landsleute aus den Vereinigten Staaten. Sie wies darauf hin, dass der Zentralverband in den USA in seiner mittlerweile 115-jährigen Geschichte die siebenbürgisch-sächsischen Traditionen durch den Bau von Kirchen und Klubhäusern, aber auch die Bildung von Singgemeinschaften, Tanzgruppen und Blaskapellen gefördert habe. Traditionen führten zu einer Bindung an die Gemeinschaft, in der man gut aufgehoben sei und sich als Teil einer ganz besonderen Familie empfinde. Joan Miller-Malue zeigte sich zuversichtlich, dass das sächsische Kulturerbe auch den kommenden Generationen erfolgreich zu vermitteln sei.

In seiner Festrede zum Motto des Heimattags spannte Rainer Lehni einen Bogen vom Heimattag in Dinkelsbühl über den Heimattag in Kitchener bis zum Sachsentreffen in Hermannstadt. In diesen Veranstaltungen der weltweiten siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft bekräftigen alle Mitglieder ihre Verbundenheit mit dem Heimatland Siebenbürgen, unabhängig davon, wo sie heute leben. Lehni zitierte Bischof Reinhart Guib, der zu Pfingsten in Dinkelsbühl gesagt hatte, dass „die Geschichte der Siebenbürger Sachsen weiterhin zusammen geschrieben wird“. Das Motto des Heimattages in Dinkelsbühl, „Verändern – Erneuern – Wiederfinden“, sowie jenes aus Kitchener, „Entdecken – Tradition – Discover“, ergänzten sich wunderbar, bessere Schlagworte hätten die Siebenbürger Sachsen in diesem Jahr nicht finden können, da sie alle in einem Atemzug genannt werden können.

Junge Siebenbürger Sachsen in Nordamerika entdeckten das sächsische Kulturerbe neu und trugen damit zum Erhalt und zur Weitergabe dieses Erbes bei, sagte Lehni. „Jede Generation muss ihre Wurzeln neu entdecken.“ Auch das familiäre Umfeld sei aufgefordert, dies auch zukünftig zu ermöglichen. Das sei auch in einem hauptsächlich englischsprachigen Umfeld möglich, wie die beiden Verbände in Kanada und den USA zeigten. Traditionen aus der alten Heimat ließen sich wunderbar auch in einem neuen Umfeld integrieren, zeigte der Festredner am Beispiel des Kronenfestes auf, das heute in an vielen Orten in Deutschland, Österreich und wieder auch in Siebenbürgen gefeiert werde. Warum nicht auch in Nordamerika?
Bundesvorsitzender John Werner dankt den Leitern ...
Bundesvorsitzender John Werner dankt den Leitern der beteiligten Kulturgruppen aus Kanada und den USA für die Teilnahme am Heimattag.
Der Bundesvorsitzende John Werner ehrte anschließend mehrere verdiente Aktive mit der Ehrennadel der Landsmannschaft in Kanada: Marianne Cousineau (Windsor Sachsen Club), Sylvia Hartig, Annemarie Schatz, Waldemar Scholtes, Peter Walesch (alle Transylvania Club Kitchener), Martin Horeth, John Reska und Brigitte Schneider (alle Aylmer Sachsen Club). Volkstänze präsentierte bei der Kundgebung die Tanzgruppe Cleveland (Leitung: Amanda Donnellan), und zum Abschluss wurde gemeinsam das Siebenbürgenlied gesungen, ein ganz besonders emotionaler Höhepunkt dieses Heimattags.

Der Heimattag ging im Festsaal des Alpine Clubs in lockerer Atmosphäre langsam, aber sicher dem Ende zu. Die Jugendtanzgruppe Kitchener präsentierte sich noch einmal tänzerisch von ihrer besten Seite.

Man kann nur voller Hochachtung sein, vor den Siebenbürger Sachsen in Nordamerika, die zum allergrößten Teil in zweiter, dritter oder vierter Generation dort geboren, dass sie siebenbürgisch-sächsisches Kulturerbe in dieser Form weiterführen und immer wieder – getreu dem Heimattagsmotto – neu entdecken können. Für die hervorragende Organisation des Heimattags 2017 sei der Landsmannschaft in Kanada sowie dem Transylvania Club Kitchener herzlich gedankt. Im kommenden Jahr sind die Landsleute in den USA Gastgeber des Heimattags und laden vom 22. bis 24. Juni nach Cleveland ein.

Rainer Lehni

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Heimattag der Siebenbürger Sachsen in Nordamerika

Schlagwörter: Heimattag, Kanada, Nordamerika

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