3. Juni 2026

Starke Frauen und bewegende Filme: Sozialwerk setzt als Mitausrichter kulturelle Akzente beim Heimattag

Das Sozialwerk der Siebenbürger Sachsen war anlässlich seines 40-jährigen Bestehens in diesem Jahr Mitausrichter des Heimattages und steuerte verschiedene Veranstaltungen zum reichhaltigen Programm bei, um Aspekte aus seiner Fördertätigkeit aktueller kultureller Arbeit zu zeigen. Herzstück war die Ausstellung „Wegbereiterinnen: Stark – Sozial – Engagiert“, die von Ute von Hochmeister-Lamm, Ingrid Schiel und Christa Wandschneider konzipiert wurde und in 15 prägnanten Kurzporträts Geschichten vom sozialen Handeln und Zusammenhalt siebenbürgisch-sächsischer Frauen erzählt.
Dr. Johann Kremer, Vorsitzender des Sozialwerks, ...
Dr. Johann Kremer, Vorsitzender des Sozialwerks, bei der Ausstellungseröffnung
Bei der Ausstellungseröffnung am Samstagmorgen im Konzertsaal im Spitalhof wurden die Besucher von der stellvertretenden Bundesvorsitzenden Ingwelde Juchum begrüßt, die die besonderen Frauen in der Ausstellung hervorhob („Sicher kennt jeder von Ihnen mindestens eine davon“) und sich bei deren Macherinnen bedankte. Dank kam auch vom Vorsitzenden des Sozialwerks, Dr. Johann Kremer, für die „Zeit und Liebe“, die Ute von Hochmeister-Lamm, Ingrid Schiel und Christa Wandschneider in die Planung und Realisierung der Schau investiert hatten. „So eine Qualität hat man beim Heimattag noch nie gesehen“, lobte er das Ergebnis.

Von Mut, Tatkraft und einem ausgeprägten Sinn für Gemeinschaft sprach Christa Wandschneider in ihrer Einführung – Eigenschaften, die alle 15 vorgestellten Frauen, „deren Lebensgeschichten untrennbar mit Umbruch, Verlust und Neubeginn verwoben sind“, auszeichnen. Die Ausstellung sei mehr als eine Würdigung einzelner Lebenswege, sie sei ein Zeichen des Respekts und der Anerkennung für diese Frauen, die Geschichte geprägt hätten – oft leise, oft im Hintergrund, aber stets mit nachhaltiger Wirkung. Die gezeigten Wegbereiterinnen stünden stellvertretend für viele Frauen, die nicht im Rampenlicht stünden, deren Wirken aber bis heute das Fundament unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens bilde, so Wandschneider.
Waren „Wegbereiterinnen“ der gleichnamigen ...
Waren „Wegbereiterinnen“ der gleichnamigen Ausstellung, von links: Dr. Ingrid Schiel, Christa Wandschneider und Ute von Hochmeister-Lamm. Fotos: Siegbert Bruss
Flankierend zur Ausstellung hielt Dr. Ingrid Schiel am Samstagnachmittag einen Vortrag, zu dem Johann Kremer und die Bundeskulturreferentin des Verbandes, Dagmar Seck, das Publikum begrüßten; letztere stellte die Referentin, die unter anderem Geschäftsführerin des Siebenbürgen-Instituts an der Universität Heidelberg und Leiterin der Siebenbürgischen Bibliothek mit Archiv ist, kurz vor. Sie gilt als ausgewiesene Expertin auf dem Gebiet der siebenbürgisch-sächsischen Frauenforschung und schrieb darüber auch ihre Promotionsarbeit („Frei – Politisch – Sozial. Der Deutsch-Sächsische Frauenbund für Siebenbürgen 1921-1939“, erschienen 2018 im Böhlau Verlag). Schiel spann gleichsam Christa Wandschneiders Faden aus der Einführung weiter und nahm das soziale Handeln (der Frauen) als Basis für eine funktionierende Zivilgesellschaft in den Blick. Frauen seien Ansprechpartnerinnen und Netzwerkerinnen gewesen: zur Zeit der Kaiserreiche ebenso wie in der Zwischenkriegszeit in Siebenbürgen sowie nach dem Zweiten Weltkrieg vermehrt in Deutschland und Österreich. Durch ihre oftmals ehrenamtliche Arbeit sei eine Vielfalt von Organisationen (Heimatwerke, Altenheime, Schloss Horneck nannte die Referentin als Beispiele) überall dort, wo Siebenbürger Sachsen lebten, entstanden, die anhand der 15 Porträtierten aufgezeigt werden könne. Die Wanderausstellung unternehme einen ersten Schritt zur Aufarbeitung der Geschichte des 1986 gegründeten Sozialwerks, das die Arbeit des seit 1952 bestehenden Sozialreferats der damaligen Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen fortsetzt – stets getragen von einer Vielzahl engagierter, ehrenamtlich tätiger Frauen.

Broschüre zur Ausstellung ...
Broschüre zur Ausstellung
Die Ausstellung „Wegbereiterinnen: Stark – Sozial – Engagiert“, zu der Ute von Hochmeister-Lamm, Ingrid Schiel und Christa Wandschneider auch eine Broschüre erstellt haben, ist eine Wanderausstellung und kann ausgeliehen werden. Kontakt: Sozialwerk der Siebenbürger Sachsen, Karlstraße 100, 80335 München, Telefon: (0 89) 23 66 09-14, E-Mail: sozialwerk[ät]­siebenbuerger.de.

Neben der beeindruckenden Ausstellung hatte das Sozialwerk für den Heimattag zwei Kurzfilme im Gepäck, deren Produktion es gefördert hat: „Jenseits des Waldes“ von Max Kern und „Daheim“ von Bianca Zylla. Beide nehmen auf völlig unterschiedliche Weise siebenbürgisch-sächsische Historie in den Blick: Max Kern verarbeitet die Geschichte seines Großvaters Karl Weindel, der sich im Winter 1945 mit seinem Bruder in den Karpaten versteckte, um der Deportation in die Sowjetunion zu entgehen, zu einem eindrücklichen Kunstfilm. Bianca Zylla ergründet die Herkunft ihrer in Wolkendorf im Burzenland geborenen Mutter, indem sie mit ihr nach Siebenbürgen reist, und arbeitet die Familienerzählungen als Produzentin, Regisseurin, Cutterin und zugleich Protagonistin ihres eigenen Films dokumentarisch auf.

Da beide Filmemacher nicht der Erlebnisgeneration angehören (Max Kern wurde 1992, Bianca Zylla 1999 geboren), sind ihre Zugänge zum siebenbürgisch-sächsischen Erbe so wichtig für die jungen Menschen, die sich heute dazu bekennen, und zeigen Wege auf, wie dieses Erbe in die Zukunft getragen und bewahrt werden kann. Leider konnten weder Kern noch Zylla nach Dinkelsbühl kommen, um sich den Fragen des Publikums zu stellen, hatten aber Videobotschaften geschickt; Bianca Zylla dazu noch ihre Großtante Rosa Hannemann als Stellvertreterin.

Johann Kremer, der die Filmvorführungen moderierte, las nach „Jenseits des Waldes“ sichtlich bewegt aus den Erinnerungen seiner Mutter, die wie dessen Protagonisten vor der Deportation in die Berge und Wälder geflohen war, und Prof. Dr. Hannah Monyer, diesjährige Trägerin des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreises, die im Publikum saß, berichtete von der Deportation ihres Großvaters. Der Film brachte in allen Zuschauern eine melancholische Seite zum Klingen, während die im Anschluss gezeigte Doku „Daheim“ freudige Gefühle wachrief, besonders im letzten Teil, der beim Heimattreffen in Wolkendorf 2024 gedreht wurde und einige bekannte Gesichter zeigte.

Starke Frauen und bewegende Filme, dazu ein Schuss Musik von der Gruppe „offbeat“ beim Platzkonzert im Spitalhof, gefördert vom Sozialwerk der Siebenbürger Sachsen – das Geburtstagskind hat sich mit seinen kulturellen Akzenten beim Heimattag in Dinkelsbühl selbst ein Geschenk gemacht: Präsenz zeigen und sichtbar sein bei der größten Veranstaltung, die die Siebenbürger Sachsen im Jahreslauf zu bieten haben. Auf die nächsten 40 Jahre!

Doris Roth

Schlagwörter: Heimattag 2026, Sozialwerk, Frauen, Filme

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