5. März 2008

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Neue Impulse für die Kultur- und Öffentlichkeitsarbeit

Der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland setzt auf Kontinuität und auf eine wohl überlegte Modernisierung. In seiner konstituierenden Sitzung vom 1. März bewältigte der neue Bundesvorstand eine prall gefüllte Tagesordnung in der landsmannschaftlichen Begeg­nungs­stätte in München. In Berichten und Aussprachen wurden viele Anregungen eingebracht und Maßnahmen geplant, um den Zusammenhalt zu pflegen, die kulturellen Werte der Sie­ben­bürger Sachsen fortzuführen und stärker in der bundesdeutschen Öffentlichkeit zu präsentieren. Für die Kultureinrichtungen in Gundelsheim will sich der Bundesvorstand ebenso einsetzen wie für die rechtlichen Anliegen seiner Mitglieder.
Dem regen Erfahrungsaustausch kam die Tat­­­sache zugute, dass sich der Bundes­vor­sit­zen­de Dr. Bernd Fabritius als Moderator von Ideen und Initiativen versteht, die nach seiner Ansicht „gemeinsam in die Arbeit des Bundes­vorstandes einfließen sollten“.

Sitzungsmarathon

Die Bundesvorstandssitzung am Samstag war Teil eines Beratungsmarathons, der in der Karl­straße 100 stattfand. Tags zuvor hatte der Vorstand, bestehend aus dem Bundesvorsitzenden und den vier Stellvertretern, ein Ge­spräch mit den Angestellten der Geschäfts­stelle und Zei­tung geführt und der Heimat­tagaus­schuss getagt, und am Sonntag beriet das Kultur­preis­gericht über die Verleihung des Sieben­bür­gisch-Sächsischen Kulturpreises und des Ernst-Ha­ber­mann-Preises. Zum Vorsitzen­den des Kul­tur­­preisgerichtes wurde der Ehren­obmann des Bundesverbandes in Österreich, Dr. Fritz Frank, gewählt, zu dessen Stellvertreter der Alt­bun­des­vorsitzende Volker Dürr.

Neue Mitglieder wurden herzlich aufgenommen

An der Bundesvorstandssitzung nahmen un­ter anderem Dr. Wolfgang Bonfert, Ehrenvorsitzender des Verbandes, Dr. Christoph Machat, Vorsitzender des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrates, Harald Janesch, stellvertretender Vorsitzender des Hilfskomitees, Michael Kon­nerth, Vorsitzender des HOG-Verbandes, Peter Pastior, Vorsitzender des Sozialwerks, und gleich vier Vertreter der Siebenbürgisch-Säch­sischen Jugend in Deutschland, Rainer Lehni, Christine Göltsch (beide stimmberechtigt), El­mar Wolff und Astrid Kelp teil, was auf ein großes Interesse der jungen Generation an Ver­bandsfragen schließen lässt. Ausgespro­chen herz­lich wurden die neuen Beisitzer Dr. Anneli Ute Gabanyi und Waltraud Hartig-Hietsch sowie die neue Landesvorsitzende von Bayern, Her­ta Daniel, in das bundesweite Führungs­gre­mium aufgenommen. Die Politologin Dr. Anneli Ute Gabanyi wird als Beauftragte für Ber­lin künftig die Interessen des Bundesver­bandes in der Bundeshauptstadt wahrnehmen. Hannes Schuster, ehemaliger Chefredakteur dieser Zeitung, wurde als Beauftragter mit dem Schwerpunkt Siebenbürgische Zeitung gewählt. Als neuer Bundesreferent für die Organisation des Heimattages wurde auf Vorschlag der Kreisgruppe Dinkelsbühl-Feuchtwangen Horst Wellmann gewählt.

Als offener und moderner Partner präsentiert

In seinem Bericht sprach der Bundesvor­sit­zende Dr. Bernd Fabritius das positive Echo auf den Verbandstag in n politischen Gre­mien in Deutschland, aber auch beim Landes­fo­rum in Hermannstadt und rumänischen Medien an. Hoffnungsvoll habe auch der Neu­jahrs­emp­fang des Siebenbürgisch-Säch­si­schen Kulturra­tes in Gundelsheim gestimmt, wo sich die neue Bürgermeisterin Heike Schokatz für eine Ein­bin­dung der siebenbürgischen Ein­richtungen in das städtische Kulturleben engagieren will. Ein besonderes politisches Ereignis und Gemein­schafts­erlebnis war der Jahres­empfang im Baye­rischen Landtag in München. Der Verband der Siebenbürger Sachsen präsentierte sich da­bei als moderner und offener Partner für Po­li­tik, Wirtschaft und Kultur.

Gute Kontakte zu Patenland weiterpflegen

Das 25-jährige Jubiläum der Föderation der Siebenbürger Sachsen wird 2008 gefeiert werden. Der Heimattag in Dinkelsbühl wird daher unter dem Motto „Brücken über Grenzen“ stehen und von der Landesgruppe Baden-Würt­tem­berg mit ausgerichtet. Fabritius, von Amts wegen auch Vorsitzender der Föderation, wurde vom Bundesvorstand ermächtigt, dort drei An­träge einzubringen, um die weltweite Or­gani­sation mit neuen Leben zu füllen. Die guten Kontakte zu Nordrhein-Westfalen, dem Patenland der Landsmannschaft der Sie­ben­bürger Sachsen, sollen weiter gepflegt werden. Geplant ist ein Antrittsbesuch des Bundes­vorsitzenden bei der Landesregierung in Düs­sel- ­­dorf. Am 7. März besucht die Land­tagspräsi­den­tin Regina van Dinther die Sieben­bür­ger-Sach­sen-Siedlung Draben­derhöhe.

Jugend will neue Mitglieder gewinnen

Rainer Lehni, Bundesjugendleiter der Sieben­bür­gisch-Sächsischen Jugend in Deutschland und stellvertretender Bundesvorsitzender, bezeichnete die siebenbürgische Jugendarbeit als „eine gute Mischung zwischen Kultur- und Frei­zeitaktivitäten“. Lehni wird noch in diesem Mo­nat einen Fragebogen an die Kreisgrup­pen­vor­sit­zenden versenden, um den Stand der ört­lichen Jugendarbeit zu erfahren. Die Nach­wuchs­organisation wirbt intensiv um neue Mitglieder, ein Thema, das nach Lehni auch im Bun­des­verband aufgegriffen werden sollte. Je­des Jahr gehen dem Verband rund 350 Mit­glieder verloren, vor allem durch Tod.

"Sichtbarer Erfolg unserer Öffentlichkeitsarbeit"

Dass auch bisher einiges getan wurde, um neue Mitglieder zu gewinnen, betonte Inter­netreferent Robert Sonnleitner. Jedes vierte der 3111 neuen Mitglieder (seit 2001) hätte den Weg zu unserem Verband über unseren Internet­auf­tritt gefunden. Die Webseiten werden seit Juni 2007 schrittweise überarbeitet und modernisiert. Der Bundesvorsitzende dankte dem In­ter­netreferenten für seinen außerordentlichen Ein­satz: SiebenbuergeR.de sei einer der „sicht­barsten Erfolge unserer Öffentlichkeitsar­beit“.

Aus den Berichten der Landesgruppen ging her­vor, dass unter den Mitgliedern und vor allem den Kreisgruppen in Nordrhein-Westfa­len noch Klärungsbedarf bezüglich der Na­mens­änderung und der 1-Euro-Aktion bestünde. Auf diese Themen wird diese Zeitung in wei-­ teren Berichten zurückkommen. Volkmar Ger­­ger, Vorsitzender der Landesgruppe Nieder­sach­­sen/Bremen, würdigte das Wirken des Alt­bun­des­vorsitzenden Dipl.-Ing. Volker Dürr.

1-Euro-Aktion für die Siebenbürgische Bibliothek

Der Verbandstag der Landsmannschaft hatte am 3.-4. November letzten Jahres eine Empfehlung verabschiedet, wonach die Kreisgrup­pen und Landesgruppen etwa einen Euro pro Mitglied für das in seiner Existenz gefährdete Siebenbürgen-Institut mit Bibliothek spenden mögen. Diese Empfehlung hat freiwilligen Cha­rakter. Alfred Mrass, stellvertretender Bundes­vor­sitzender und Vorsitzender der Landes­grup­pe Baden-Württemberg, erklärte, es sei ge­lun-­­ gen, unsere Mitglieder für die Kultur­ein­rich­tun­gen auf Schloss Horneck zu sensibilisieren. Das diesbezügliche Engagement unseres Verbandes sei in Gundelsheim sehr positiv aufgenommen worden. In Rheinland-Pfalz, einer Landes­grup­pe mit 942 Mitgliedern, beispielsweise hat die 1-Euro-Aktion hervorragend geklappt. Der Lan­desvorsitzende Ortwin Gunne hatte Ende letzten Jahres bei allen Bällen und Adventsfeiern in seinem Einzugsbereich für die finanzielle Si­che­rung der Kultureinrichtungen auf Schloss Horn­eck geworben. Seit dem Verbandstag sind in der landsmannschaftlichen Bundesgeschäftsstelle schon über 8 000 Euro zugunsten der Kultureinrichtungen in Gundelsheim eingegangen, davon allein 6 000 Euro von der Landesgruppe Baden-Württemberg.

Zusammenarbeit bei Digitalisierung angeboten

Kulturratsvorsitzender Dr. Christoph Machat wies darauf hin, dass der Vorschlag, mindestens je einen Euro für die Siebenbürgische Biblio­thek zu spenden, von Dr. Günther Tontsch gemacht worden sei. Es sei wichtig, die Einrich­tungen am Leben zu erhalten und die Bestände ständig zu betreuen. Dafür sei dringend ein in Vollzeit beschäftigter Geschäfts­führer vonnöten. Machat regte zudem gemeinsame Pro­jekte des Kulturrates und des Bundeskulturreferates an, etwa bei der Digita­lisie­rung des Archivs der Siebenbürgischen Zeitung oder des Mundart- und Spracharchivs. Bundeskulturreferent Hans-­Werner Schuster stellte die für 2008 geplanten Seminare und andere Aktivitäten vor.

Rechtliche Beratung weiterhin im Fokus

Bundesrechtsreferent Dr. Johann Schmidt führ­te aus, dass bis auf wenige Restbestände aus Rumänien keine Aufnahme mehr nach dem Bun­desvertriebengesetz (BVFG) stattfinde. Umso bedauerlicher sei es, dass der Freistaat Bay­ern weiterhin Rechtsmittel gegen positive Auf­nah­me­bescheide einlege.

Der für die Sozialgesetzgebung zuständige Bun­­desrechtsreferent Ernst Bruckner berichtete, dass zurzeit der Beschluss des Bundes­ver­fas­sungsgerichts und die Übergangs­rege­lungen zur 40-Prozent-Kürzungen verwal­tungs­mäßig um­­gesetzt werden. Die einmaligen Zahlungen fie­len meistens gering aus, was von unseren Lands­leuten als große Ungerechtigkeit empfunden werde. Die „Interessengemeinschaft für Fremd­­rentenkürzungen“ hat Gutachter beauftragt, die Übergangsregelungen zu überprüfen. Aufgrund der inzwischen vorliegenden Ergeb­nisse werden die beteiligten Juristen demnächst beraten, ob eine neue Vorlage beim Bundes­so­zial­­gericht sinnvoll ist.

Eigentumsrückgabe in Rumänien bewegt viele Mitglieder

Auch die Eigentumsrückgabe in Rumänien bewegt nach wie vor viele Mitglieder. Über die aktuelle Rechtslage wird in dieser Zeitung regelmäßig berichtet. Der Verband setzt sich in po­litischen Gesprächen vor allem für die Rück­gabe von Gemeinschaftseigentum und entsprechende rechtliche Rahmenbedingungen ein. Ei­ne punktuelle Zusammenarbeit wird mit jenen Einrichtungen angestrebt, die ähnliche Ziele ver­folgen. Mit dem Verein „Interes­sen­ver­tre­tung Restitution in Rumänien e.V.“ besteht bereits ein intensiver Dialog. Betroffenen wird empfohlen, geeigneten juristischen Rat in Ru­mä­nien einzuholen, weil die Restitu­tions­ver­fah­ren dort als Individualprozess geführt werden müs­sen.

Einen Antrag der Kreisgruppe München aufgreifend, soll der Siebenbürgerball in München, der traditionsreiche Schwarz-Weiß-Ball, künftig als gesellschaftliches Ereignis wieder mehr Glanz erhalten und gemeinsam vom Bund, dem Landesverband Bayern und der Kreisgruppe München organisiert werden.

Einsatz neuer Medien

Die Siebenbürgische Zeitung hat sich in den letzten Jahren durch den Einsatz der neuen Me­dien erheblich gewandelt. Einer Tischvor­lage des Chefredakteurs zufolge haben die Spar­maß­nahmen durch die elektronische Um­stellung stär­ker gegriffen, als sich jemand vor vier Jah­ren erhofft hätte. Die erheblichen Ein­spa­rungen beim Zeitungsdruck tragen zur finanziellen Si­cherung des Verbandes bei. Bun­des­geschäfts­führer Er­hard Graeff präsentierte eine vorläufige Haus­haltsübersicht 2007, die zu­stimmend zur Kennt­­nis genommen wurde. Zudem wurde der Haus­haltsplan 2008 verabschiedet und die neue Gliede­rungs­ordnung des Landesverbands Bayern bestätigt.

Missbilligend nahmen die Bundesvorstands­mitglieder hingegen die Klage ihres Kollegen Jo­hann Schöpf, Vorsitzender der Landesgruppe Berlin/Neue Bundesländer, zur Kenntnis. In seiner Klage beim Ge­richt in München rügt er angeblich bestehende formelle Ungenauigkeiten bei seiner Einladung zum Verbandstag und versucht, die Beschlüsse dieses höchsten Verbands­gremiums zu kippen. Der Bundesvorstand hat den Vorstand beauftragt, den Fall durch Ein­schal­tung von im Ver­einsrecht spezialisierten Rechtsanwälten weiterzuverfolgen, falls die Missverständnisse nicht im Vorfeld ausgeräumt werden können.

Siegbert Bruss

Schlagwörter: Bundesvorstand

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