31. Dezember 2015

Der Batull steht hoch im Kurs

„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen!“ Über 100 Siebenbürger Sachsen haben 2015 diesen Spruch, der Martin Luther zugeschrieben wird, beherzigt und einen einjährigen Batullapfelbaum gepflanzt, manche sogar zwei.
In der Weihnachtsgeschichte von Anna Schuller-Schullerus wird eingangs der Blick aus dem Fenster so beschrieben: „Durch das Großstubenfenster lassen sich die Bäume im Garten kaum noch unterscheiden. Es ist aber auch alles eins, ob es der alte Batullapfelbaum ist oder nur ein gewöhnliches kleines Pflaumenbäumchen – auf beiden liegt der Schnee. Er liegt im ganzen Garten, auf dem Berg drüben, über dem Wald – alles nur Schnee.“ Wenn diese Sorte sogar in die siebenbürgisch-sächsische Literatur Eingang gefunden hat, zeigt das die Bedeutung, die sie für die Menschen damals um 1900 hatte.

Herr F. aus Denndorf lebt jetzt in Heidelberg. Er schrieb mir: „Es gab noch viele Sorten wie Poinick, Robinen, Blauapfel und Scheibenapfel. So beliebt wie der Batull war keine Sorte. In Erinnerung habe ich den Geschmack vom Batull auf der Zunge.“ Sein Großvater, erzählt er weiter, pflanzte einen Batull zur Erinnerung an seine Konfirmation von 1893. Wie heute sieht er den Garten hinter seines Vaters Haus: die sieben bis acht Meter hohen Batullapfelbäume, Birnen und Hauszwetschgen. Durch die Gründung der Kollektivwirtschaft 1953 wurden alle Bäume vernichtet, berichtet weiß Herr F. Sein Großvater zeigte ihm als jungem Mann noch die abgesägten Baumstämme, und auf die Wurzel seines Konfirmandenerinnerungsbaumes deutend, sagte er zu ihm: „Das war auch ein Batull.“ Und trotz allem, ist es ihm wichtig, wieder einen Baum zu pflanzen, wieder ein Zeichen zu setzen.
Rote Äpfel sind ein schöner Christbaumschmuck. ...
Rote Äpfel sind ein schöner Christbaumschmuck. Finden Sie nicht auch? Foto: Brunhilde Böhls
„Zu fällen einen schönen Baum braucht’s eine halbe Stunde kaum./ Zu wachsen, bis man ihn bewundert, braucht er, bedenk es, ein Jahrhundert.“ (Eugen Roth, Der Baum)

Die Idee, einen Baum anlässlich eines Konfirmationsjubiläums zu pflanzen, ist eine schöne Sitte. Vielleicht findet sie Nachahmer?

Herr U. aus Birthälm, jetzt wohnhaft bei Passau, erinnert sich an seine Kindheit, als er viel Zeit in der Natur verbrachte. Als kleiner Steppke hatte er schon „auf die Kühe gesorgt“ und später dann auf dem Feld gearbeitet neben der Arbeit in der Fabrik. „Ich weiß auch jetzt noch, wo Batulläpfel waren, in welchem Tal oder Baumgarten. Wir hatten vor der Kolchose (C.A.P.) einen Weinberg, und ringsherum waren Akawetzen, Birnen, gelbe Zwetschen und Ringloten, 5-6 Sorten Pfirsiche und Apfelbäume. Es war von Frühjahr bis Herbst immer was zum Naschen auf dem Feld.“

Eine Siebenbürgerin erzählte mir am Telefon, dass ihr Mann ihr ins Krankenhaus immer Batull mitbrachte hatte, als sie als Wöchnerin dort lag, und dass sie den Geschmack nie vergessen werde.

An dieser Stelle möchte ich mich für die persönlichen Briefe und Telefonate bedanken, die mir gezeigt haben, wie viele Siebenbürger mit dieser Apfelsorte ein besonderes Heimatgefühl verbinden, und wünsche allen, dass die Bäumchen wachsen und gedeihen und auch die Kinder und Enkel noch viel Freude damit haben. Es wird auf jeden Fall dazu beitragen, dass die Welt so schnell nicht untergeht – jedenfalls klimamäßig.

Brunhilde Böhls


Die Autorin setzt sich für den Erhalt des Batulls und anderer alter Baumsorten aus Siebenbürgen ein. Als Gästeführerin und zertifizierte Radtourenleiterin betreibt sie zum Thema Nat(o)ur und Kult(o)ur an Rhein und Ruhr die Webseite www.bboehls.de.

Schlagwörter: Obst, Batull, Leserecho

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