13. März 2019

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Leserecho: Wo bleibt die Zivilgesellschaft?

Zur Verleumdungskampagne gegen die deutsche Minderheit durch PSD-Politiker
Es ist zu verabscheuen und aufs Äußerste erregend zugleich, was in den letzten Monaten in den Medien Rumäniens gegen die deutsche Bevölkerung und den Präsidenten des Landes, den Siebenbürger Sachsen Klaus Johannis, veranstaltet wird. Ohne Scham und Reue wird das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien (DFDR) als Folgeorganisation der nationalsozialistischen Deutschen Volksgruppe in Rumänien (DViR) angeprangert. Bei genauerer Betrachtung bemerkt man, dass alle diese gemeinen Angriffe aus den Reihen der regierungsbildenden Sozialdemokratischen Partei (PSD) getätigt werden.

Besonders besorgniserregend ist, dass auch Behörden auf diesen Zug aufspringen: So wurde einem Tartlauer (Burzenland) die Entschädigungszahlung im Rahmen des Rückerstattungsverfahrens aufgrund der Zugehörigkeit seiner Eltern zu der Deutschen Volksgruppe in Rumänien verweigert. Es dürfte sich ja wohl herumgesprochen haben, dass ab November 1940 laut Gesetz alle Deutschen Rumäniens der DViR angehört haben (so sie dies nicht explizit verweigert hatten). Natürlich bleiben derartige verleumderische Behauptungen und Darstellungen nicht folgenlos. Es gibt harsche Stellungnahmen des Siebenbürger Sachsen, Dr. Bernd Fabritius, Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedler und nationale Minderheiten, und von Dr. Paul Jürgen Porr, Vorsitzender des DFDR. Auch der Botschafter der Bundesrepublik in Bukarest Cord Meier-Klodt meldete sich diesbezüglich zu Wort, der rumänische Botschafter in Berlin Emil Hurezeanu wiegelt ab.

Es stellt sich mir aber die Frage, Wo bleibt bei derartigen dem Land Rumänien schadenden Äußerungen die Zivilgesellschaft, die wahrhaftig aufgeklärten Intellektuellen des Landes (auch wenn sie nicht ständig im Land leben)? Um nur einige zu erwähnen: Vladimir Tismăneanu, u. a. Vorsitzender der Präsidialkommission zur Analyse der kommunistischen Diktatur in Rumänien, in deren Schlussbericht im Kapitel über die deutsche Minderheit der Zusammenhang zwischen Mitgliedschaft in der DViR und Nationalsozialist (Fußnote 2) klargestellt wurden; oder Kenner und Bewunderer der Siebenbürger Sachsen wie Rodica Palade, Schriftstellerin, Mitglied des Grupul pentru Dialog Social und Mitherausgeberin der streitbaren Revista 22; Aurora Liiceanu, bekannte Psychologin, eine der bedeutendsten Intellektuellen Rumäniens; Sânzeana Pop, Herausgeberin der Zeitschrift Formula AS, die im Januar 2004 in einer Anthologie von Reportagen, erschienen in ihrer Wochenzeitschrift (hier von Claus Stephani), von der „dramatischen Auswanderung der deutschen Bevölkerung Rumäniens“ sprach; Ruxandra Hurezean, Geschäftsfrau, die „Die traurige Geschichte der letzten Sachsen aus Siebenbürgen“ schrieb; Andrei Pleşu, Schriftsteller, Essayist und Philosoph, mit breiter Audienz beim rumänischen Publikum, und nicht zuletzt der hoch angesehene Historiker Lucian Boia, der im Oktober 2018 von Bundespräsident Steinmeier mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland geehrt wurde. Und zur Ehre des Landes sei gesagt, dass die Zahl der integren Intellektuellen zum Glück viel höher ist. Warum nur schweigen diese alle (gilt doch in Rumänien der Tenor: „der Weggang der Sachsen sei einer der größten Verluste Rumäniens“)? Es muss doch verdammt schwer fallen, „Brückenbauer“ zu so einem Land zu sein, in dem eine Unwahrheit zur Tatsache umgemünzt wird, den Ruf des Landes schädigend, und die Zivilgesellschaft quasi tatenlos zuschaut.

M. Kravatzky, Bahlingen

Schlagwörter: Leserecho, Leserbrief, Verleumdungskampagne, Rumäniendeutsche, deutsche Minderheit

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