2. Oktober 2020

Kreuzeckgruppe – Das vergessene Paradies

Am zweiten Augustwochenende begaben sich zehn „Karpatler“ unter der Leitung von Petra Maurer auf eine viertägige Bergtour in die Kreuzeckgruppe. Diese ist als Untergruppe der Hohen Tauern wenig bekannt und erschlossen, da sie keine berühmten 3000er-Gipfel und auch keine Gletscher besitzt, die man als Herausforderung überqueren müsste. Zum anderen führt keine Seilbahn oder Straße in die Nähe der Hütten, so dass diese in mehrstündigen Fußmärschen erwandert werden müssen. Dadurch konnten dieser Gebirgsstock und seine Hütten ihren ursprünglichen und natürlichen Charakter weitestgehend bewahren. Wenn man hier unterwegs ist, taucht man ab in eine vergessene Welt, weswegen die Kreuzeckgruppe unter ihren Besuchern auch als „vergessenes Paradies“ oder „Imperium der Stille“ bezeichnet wird. Wer also einsame und anspruchsvolle Pfade, Stille, Natur pur fernab jeder Hektik sucht, ist hier genau richtig.
Die Hugo-Gerbers-Hütte (2400 m), erstes Quartier ...
Die Hugo-Gerbers-Hütte (2400 m), erstes Quartier auf der Tour in die Kreuzeckgruppe. Foto: Irina Olarescu-Reuss
Unsere viertägige Tour begann am Almgasthof Bergheimat oberhalb des Ortes Irschen auf ca. 1600 m Höhe. Voller Vorfreude machten wir uns auf den Weg zur 2400 m hoch gelegenen Hugo-Gerbers-Hütte, unserem ersten Quartier. Wir wählten den etwas längeren Weg über den Scharnik (2657 m). Oben angekommen, freuten wir uns über den imposanten Ausblick auf die umliegende Bergwelt – Gipfel der Hohen Tauern, Osttiroler Berge, Blick über die Gailtaler Alpen zu den Karnischen Gipfeln bis hin zu den Julischen Alpen in Slowenien.

Die zweite Etappe unserer Tour war der Übergang von der Hugo-Gerbers-Hütte zur Feldnerhütte, der sowohl landschaftlich als auch bergsteigerisch zu den Höhepunkten des Kreuzeck-Höhenweges zählt. Unterwegs überschritten wir mit dem Hochkreuz (2709 m) einen der höchsten Gipfel der Berggruppe und bestiegen zusätzlich das Kreuzeck (2701 m). Zwischen den beiden Gipfeln kamen wir an einem malerischen Plateau vorbei, das unter dem Namen „Vierzehn Seen“ bekannt ist. Es handelt sich hierbei um die Überreste eines Karsees als Zeuge ehemaliger Vergletscherung. Heute ist die Kreuzeckgruppe frei von Gletscher. Vom Charakter her ist diese Gebirgsgruppe unseren Karpaten, vor allem dem Fogarascher Gebirge, sehr ähnlich und erinnert an die alte Heimat.

Der dritte Tag war eher ein entspannter Tag. Unser Ziel war ein kleiner Grasgipfel, ca. zweieinhalb Stunden von der Feldnerhütte entfernt – die Annaruh mit ihren 2508 m. Der Platz lädt zum Verweilen und Nachdenken ein, die Aussicht ist beeindruckend: In alle Richtungen sieht man bis zum Horizont nur Bergketten.

Am letzten Tag wählten wir als Abstiegsroute zur Emberger Alm den Weg über den Hochtristen (2536 m). Diese Entscheidung sollte sich doppelt lohnen. Zum einen war es wieder eine schöne Tour auf sehr schmalen Pfaden, zum anderen durften wir auf einem Felsen unweit des Weges in Gipfelnähe ein wunderschönes, großes Büschel Edelweiß bewundern und fotografieren.

Insgesamt war es eine sehr gelungene, gut organisierte Tour. Die Gruppe war harmonisch und lustig, die Stimmung und der Zusammenhalt waren hervorragend. Wir haben viel erzählt, gelacht und einfach Spaß gehabt. Die Kreuzeckgruppe stellt aufgrund ihrer teils sehr schmalen Pfade, der vielen felsigen, oft ausgesetzten und nicht gesicherten Passagen hohe Anforderungen an Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Man gewöhnt sich im Laufe der Tour daran und wächst mit den täglichen Anforderungen, was wiederum, zumindest für mich, der Tour einen zusätzlichen Reiz gab.

Brigitte Jöhl

Schlagwörter: Sektion Karpaten des DAV, Bergtour, Österreich, Natur

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