1. Januar 2022

Der alte und neue Kalender

Fast zweihundert Jahre stifteten „die Evangelischen“ in Europa durch ihre Ablehnung des Gregorianischen Kalenders – um dem Papst nicht nachzugeben – Schwierigkeiten, „im Wiederspruch mit dem Gang der Erde“. Nachfolgender Text, „zur Belehrung und Kurzweil“ ist der ersten Ausgabe von „Siebenbürgischer Hausfreund – Ein Kalender für Siebenbürger zur Unterhaltung und Belehrung für das Jahr 1848“, Kronstadt, Druck und Verlag von Johann Gött, entnommen. Es wurde die Schreibweise von 1848 beibehalten. Zum besseren Verständnis hat Manfred Kravatzky den von ihm an die Siebenbürgische Zeitung eingesandten Text mit Anmerkungen versehen.
Titelblatt des Siebenbürgischen Hausfreunds 1848 ...
Titelblatt des Siebenbürgischen Hausfreunds 1848
Seit uralten Zeiten ist der gewöhnliche längere Abschnitt – ein Jahr – gemessen worden nach der Zeit, welche die Erde braucht, um von einer FrühlingsTag- und Nachtgleiche wieder zur anderen zu kommen. Die Bestimmung dieser Zeit ist nicht leicht, und abhängig von der Genauigkeit dieser Messung war die angenommene Zeitspanne zu verschiedenen Zeiten verschieden lang. Die alten Inder sollen schon 3000 Jahre vor Christus dem Jahr eine Länge von 365 Tagen, fünf Stunden, 31 Minuten und 15 Sekunden beigemessen haben. Die alten Ägypter nahmen nur 365 als Jahresdauer an und blieben so mit der Zeit mehr und mehr hinter der Wirklichkeit zurück. Die Römer nahmen für die Jahresdauer 355 Tage an, wodurch ein noch stärkeres Zurückbleiben verursacht wurde.

Um dasselbe zu beseitigen und für die Zukunft unmöglich zu machen, ließ der berühmte römische Feldherr und Gewalthaber Julius Cäsar im Jahr 45 vor Christus die Länge des Jahres berechnen und um auf einmal in die Ordnung zu kommen, die 67 Tage einschalten, um welche das Jahr seit der Annahme der Rechnung mit 355 Tagen zurückgeblieben war. Darum nannte man dies das Jahr der Verwirrung. Das Jahr wurde zu 363 Tagen und sechs Stunden angenommen, den Monaten die noch jetzt üblichen Tageszahlen gegeben, das gemeine Jahr zu 365 Tagen festgesetzt und damit jene jährlichen sechs Stunden auch herbeikämen, alle vier Jahre ein Tag zugefügt (der 24. Februar), wie es bis heute in den Schaltjahren gebräuchlich ist. Nach ihrem Urheber heißt daher diese Art der Kalendereinrichtung die julianische. Indessen war auch hierdurch kein ganz fehlerloser Kalender erlangt, weil das Jahr um elf Minuten und zwölf Sekunden zu lang angenommen war.

Indessen wurde dieser Fehler erst um das Jahr 1300 nach Chr. bemerkt, aber es wollte lang zu keiner Verbesserung kommen. Erst im Jahre 1582 kam der einsichtsvolle Papst Gregor XIII. auf den Gedanken, dieser Unrichtigkeit gründlich abzuhelfen. Es fand sich, dass der julianische Kalender schon um zehn Tage voraus war, und so wurden sie im Oktober desselben Jahres weggelassen und die Frühlings-Tag- und Nachtgleiche auf den 21. März festgesetzt. So wurde das Jahr genau genommen kleiner gemacht und die damals lebenden Menschen sind nach dem Kalender um zehn Tage zu kurz gekommen …

Um nie mehr in Unrichtigkeit zu kommen, ordnete der Papst an, dass zwar die Schaltjahre bleiben sollten, weil aber so wieder ein Voreilen eintreten musste, von vier Schaltjahren zu Ende eines Jahrhunderts nur eines ein Schaltjahr sei. So war 1600 ein Schaltjahr, 1700, 1800 und 1900 aber nur Gemeinjahre und erst 2000 wird wieder ein Schaltjahr sein. Auf diese Art ist so gut für Übereinstimmung der Jahresdauer mit dem Gang der Erde gesorgt, dass erst im Jahre 4840 das Sonnenjahr um einen Tag hinter dem bürgerlichen, also eine Abkürzung dieses nötig sein wird. Dieser verbesserte Kalender heißt nach seinem Verfasser mit Recht der gregorianische (oder nach seinem Berechner auch wohl der lilianische) oder der neue, der julianische aber dagegen der alte. Der alte schreibt, weil er alle Jahrhunderte wieder um einen Tag voreilt, jetzt (im 19.) um zwölf Tage weniger als der neue, ist aber darum genau betrachtet eigentlich vor, weil, wie oben angeführt, seine Jahre alle etwas zu lang sind.

Der neue Kalender wurde in Italien, Spanien und Portugal gleich am festgesetzten Tag, in Frankreich zwei Monate später eingeführt. Die katholischen Teile der Schweiz und Hollands nahmen ihn 1583, Polen 1586, Ungarn 1587 an. [Laut Wikipedia wurde in Siebenbürgen der neue Kalender am 25. 12. 1590 eingeführt. Die alten Siebenbürger Sachsen schienen da einsichtsvoller gewesen zu sein – Anmerkung M.K.]). In Deutschland hatte die Sache Schwierigkeit. Die Katholischen Stände schlossen sich schon 1583 an, die evangelischen waren dagegen, weil sie törichter Weise glaubten, dadurch dem Papst zu viel nachzugeben. Das gab nun manche Verwirrung …. Besonders wo Evangelische und Katholische vermischt lebten. Hatten z.B. Diese Sonntag, so war bei Jenen Mittwoch u. dgl. Solche Verwirrungen herrschten noch das ganze 17. Jahrhundert hindurch und mehrere Verhandlungen konnten keine Vereinigungen herbeiführen. Als aber gegen Ende des Jahrhunderts wegen der Ungleichheit im Kalender in mehreren Gegenden Deutschlands neue Unruhen auszubrechen drohten, zogen die Evangelischen die Sache wieder in Überlegung und die berühmten Gelehrten Leibnitz* und Weigel** brachten es endlich dahin, dass die evangelischen Stände Deutschlands mit dem Jahre 1700 auch den neuen Kalender annehmen. [Der deutsche Kaiser legte ab 7. Juni 1776 endgültig im ganzen Reich den neuen Kalender fest – Anmerkung M. K.]

In England wurde der neue Kalender erst im Jahre 1752, man ließ auf den 2. gleich den 14. September folgen, und in Schweden 1753 eingeführt. Man ließ auf den 17. Februar den 1. März folgen.

So hatten nun alle abendländischen Christen seit Mitte des 18. Jahrhunderts den richtigen Kalender. Allein die Mitglieder der griechischen Kirche … die Griechen, Walachen, Russen u.a. Völkerschaften … blieben beim Alten. [Rumänien ging am 30.09/14.10.1924 zum neuen Kalender über – Anmerkung M. K.]

Notizen:
*Gottfried Wilhelm Leibnitz, geb. 21.06. / 01.07. 1646, gest. 1716, Philosoph, Historiker, Mathematiker und Jurist.
**Erhard Weigel, geb. 1625, gest. 1699, Mathematiker, Astronom, Pädagoge, Philosoph

Schlagwörter: Kalender

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