8. Januar 2017

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Deutschweißkircher feiern "Lichtertkirche" in Nürnberg

Die Deutschweißkircher feierten, wie seit vielen Jahren, in der Adventszeit ihre „Lichtertkirche“ in der Stephanuskirche in Nürnberg-Gebersdorf. Sie erschienen so zahlreich, dass die Kirche fast bis auf den letzten Platz besetzt war. Groß und Klein, Alt und Jung, alles war versammelt und freute sich auf das Wiedersehen.
Die Lichtertkirche ist eine siebenbürgisch-sächsische Tradition, die wir, wenn auch nicht an Heiligabend, hier in diesem Land weiterleben. So gibt es den „hauseigenen Männerchor“, den „hauseigenen Frauenchor“ und auch eine „hauseigene Band“ oder besser gesagt „hauseigene Bläser“, und natürlich dürfen die Päckchen für die Kinder nicht fehlen. Das Wichtigste aber, das diesem Gottesdienst den Namen gibt, ist der Lichtert, ein Gebinde, bestehend aus drei Kränzen und einer Krone, gebunden von fleißigen Frauen- und Mädchenhänden. Damit der Lichtert einen festen Halt hat, hat er ein Holzgestell bekommen. Jedes Jahr wird dieser Lichtert zusammengestellt und nach der Kirche wieder auseinandergenommen und verstaut. Verschönert wird der Lichtert mit einem schönen großen Strauß, der auf der Krone steckt, vielen bunten Fahnen, die teils bemalt und Ausschnittarbeit versehen sind, und natürlich den brennenden Kerzen. Der Lichtert der Deutschweißkircher in der ...Der Lichtert der Deutschweißkircher in der Stephanuskirche in Nürnberg-Gebersdorf. Foto: Malwine Markel Schon die Vorfreude auf diesen festlichen Gottesdienst ist groß, und man fiebert diesem Tag entgegen. Wenn man die Kirche betritt, empfängt einen dieses schöne Gebinde, man fühlt sich zu Hause und die feierliche Stimmung ist da. Dieser Augenblick zieht alle in den Bann, es ermöglicht einem ein kurzes Innehalten und beschert einen besinnlichen Moment.

Der Festgottesdienst passt gut in die Adventszeit, wie Pfarrer Johannes Scholl bei der Begrüßung der Gemeinde feststellte, nachdem die Bläser oben im Chor den Gottesdienst eröffneten. Es folgten das Lied „Macht hoch die Tür“, Eingangsgebet und Gnadenzusage, das Lied „Seht die gute Zeit ist nah“, die Lesung aus dem Brief des Jakobus. Und jetzt kamen die beiden Chöre zu Gehör, im Wechsel, so wie es in Deutschweißkirch der Brauch war. Der Mädchen- und Frauenchor sang das Lied „Quem pastores laudavere“ im lateinisch-deutschen Wechselgesang, gefolgt vom Männerchor mit dem Lied „Ehre sei Gott in der Höh“. Beide Chöre sangen diese Lieder im Wechsel und a capella! Während die Gemeinde die angegebenen Lieder sang, wurde sie im Wechsel begleitet von der Orgel und den Bläsern. Auch dies ist ein alter Brauch, den wir hier pflegen.

Die Predigt hatte zum Thema das Warten, das Erwarten, die Hoffnung und Erlösung. Man wartet auf so vieles im Leben, dass es einem gar nicht klar ist, dass man wartet. Es ist in manchen Dingen zur Selbstverständlichkeit geworden, das Warten. An den Weihnachtstagen wird es einem bewusster, denn die Erinnerungen kommen wieder, die Erinnerungen an die alte Heimat, die Bräuche oder den Ausreiseantrag. So viele Familien haben gewartet und gewartet, bis endlich der Tag kam, als sie ausreisen konnten. Die Hoffnung, endlich in Freiheit leben zu können, sich frei entfalten zu dürfen. In der Adventszeit, die meist hektisch ist, geben wir dem Warten einen Inhalt, wir füllen das Warten aus: Wir backen, kaufen Geschenke, basteln und treffen verschiedene Vorbereitungen.

Traditionsgemäß wurde der Gottesdienst mit dem Lied „Oh du fröhliche“ beendet, nachdem die drei Jugendlichen Stefanie und Sebastian Fleischer und Caroline Schenker die Fürbitten sowie Roswitha Fleischer die Abkündigungen gelesen hatten. „Ein großes Dankeschön an Pfarrer Scholl, die Organistin Hubel und Messnerin Gunesch, dass wir als Gemeinde auch diese Jahr wieder „unsere“ Lichtertkirche in der Stephanuskirche feiern durften“, sagte abschließend Senta Hügel. Es ist ein Stück neue alte Heimat und ein freudiges Beisammensein, das die Deutschweißkircher von der Kirchengemeinde Gebersdorf erfahren dürfen. Alle Jahre wieder. Für die ganze Organisation des feierlichen Gottesdienstes und des fröhlichen Beisammenseins im Gemeindehaus, natürlich mit weihnachtlicher Musik, dargeboten von den „hauseigenen Bläsern“, zeichnen die beiden Ehepaare Eveline und Erwin Markel sowie Helene und Christian Folberth verantwortlich. Ein herzliches Dankeschön auch ihnen, die an diesem Morgen schon recht früh auf den Beinen waren.

Malwine Markel

Schlagwörter: Lichtert, Deutschweißkirch

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