13. August 2019

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Der Musensohn hinter den Erlen: Kurt Thomas Ziegler zum 70.

In der Josefstadt, flankiert vom Erlenpark und der Kadettenschule, steht das Elternhaus von Dr. Kurt Thomas Ziegler, jenes Haus, auch heute in seinem Besitz, das als Ort der Musen und Gäste eine bedeutende Rolle in seinem Leben und auch von Hermannstadt spielte (und immer noch spielt!). Hier, wo Zieglersche Gediegenheit auf Kabdeboische Lebenslust traf, konnte der Heranwachsende schon früh eine außergewöhnliche musikalische Bildung genießen, die (fast) lebensbestimmend werden sollte, befeuert auch von den vielen Größen des Musiklebens, die im Hause verkehrten.
Durch Wolf von Aichelburg einerseits, aber auch durch die Mentorenschaft Irma Bileks andererseits, öffnete sich der literarische Horizont jenseits des väterlichen Bücherschranks, wie er in jedem gutbürgerlichen Hermannstädter Haushalt zu finden war. Vernunft und Familientradition führten den erfolgreichen Brukenthalianer dann an die Hochschule für Medizin nach Klausenburg – neben den strengen Imponderabilien des kommunistischen höheren Bildungswesens widmete sich Ziegler schon bald der kritischen Betrachtung der Musik- und Theaterbühne – einige dieser frühen Texte sind in seinem Sammelband „Mit weichem Griffel und spitzer Feder“ 2012 erschienen.Zieglersche Gediegenheit auf Kabdebo­ische ...Zieglersche Gediegenheit auf Kabdebo­ische Lebenslust: Kurt Thomas Ziegler in seiner Wohnung im niederösterreichi­schen Aspang (2010). Foto: Konrad Klein Während seiner ärztlichen Tätigkeit 1972-1975 als Landarzt im Harbachtal gelang ihm die Ausreise nach Österreich, einer Landschaft, der sich das urbane siebenbürgisch-sächsische Bürgertum in mancherlei Hinsicht verbunden fühlte. Hier, im neuen Zuhause, mit eigener Allgemeinarzt-Praxis, sollte er sein „zweites Leben“ gestalten: Haus und Frau, Kinder und Arbeit.Familie Dr. Kurt Ziegler, aufgenommen von der ...Familie Dr. Kurt Ziegler, aufgenommen von der ehemals königlich-rumänischen Hoffotografin Jolan Mairovits im August 1962, links der 13-jährige Thomas. Nicht nur optisch der Familienmittelpunkt: Eva Ziegler, geborene Kabdebo (1924-1999), langjährige Geigerin an der Hermannstädter Philharmonie. Reproduktion: Konrad Klein Doch nie verlor er dabei die Künste aus den Augen – Musik, Theater, Literatur und Bildende Kunst blieben im Fokus seiner schreibenden Aufmerksamkeit – sein zweites Buch, der Essay-Sammelband „Den großen Geistern auf der Spur“, erschienen 2018, ist dafür ein beredtes Beispiel, ebenso wie die darin erwähnte Beschäftigung mit Robert Wellmann, jenem fast vergessenen Maler aus Reußmarkt und Verwandten von Ziegler (für ihn soll, nicht zuletzt durch Zieglers Engagement, im örtlichen Heimatmuseum ein Raum eingerichtet werden). Dass er weiterhin Musik auch praktisch, vor allem am Klavier, ausübt, versteht sich fast von selbst. Auch wenn ihm, dem Arzt, die körperliche Unversehrtheit nicht garantiert blieb, hat er seine Neugier auf die Besonderheiten menschlicher Schöpfungskraft auf seinen vielen Reisen zu befriedigen versucht. Nicht zuletzt aber seine schon im eingangs erwähnten Elternhaus trainierte Fähigkeit als freundschaftlicher Gastgeber ist fast unübertrefflich – wie schon sein Vater und Großvater vor ihm versammelt er sowohl in Österreich als auch in Hermannstadt Freunde und Bekannte um sich, immer der Rede und den Musen verbunden.Dr. Kurt Thomas Ziegler im Spiegelsaal des ...Dr. Kurt Thomas Ziegler im Spiegelsaal des Demokratischen Forums in Hermannstadt im Juni dieses Jahres bei einem Referat zur Jubiläumsfeier der Eröffnung des Kurhauses auf der Hohen Rinne vor 125 Jahren. Foto: Konrad Klein Nun vollendet er am 13. August sein siebentes Lebensjahrzehnt und alle wünschen: „Vivat, crescat, floreat!“

Jürgen Schlezack


Jürgen Schlezack

Bilanz
Thomas Ziegler zum Siebzigsten

Dies ist das Elternhaus
begrenzt
von bewaldetem Bürgersinn
und kakanischen Kadetten.

Und dort die Pflanzschule
des Gubernators
Ort der bürgerlichen
Bildung.

Viel weiter die Alma Mater
befruchtend
die Künste und
äskulapisches Wissen.

Und hier der Schreibtisch
auf dem sich stapeln
Artikel und Essays
zu der Musen Werke.

Und hier am Tisch
sitzt
der Freunde versammelte Schar
zum Gruße bereit.

Dies ist die Tafel
dort sitzt
am Kopfe Thommi
wartend auf Prost und Trost!

Und dies ist das
Prost
dem Freunde zum
jubilarischen Trost!

Schlagwörter: Porträt, Geburtstag, Arzt, Autor, Hermannstadt, Österreich

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