11. April 2020

Stadträtin Dr. Ulrike Schneider in Schweinfurt für nachhaltige und grüne Politik

Dr. Ulrike Schneider ist seit 24 Jahren Stadträtin in Schweinfurt, viele Jahre war sie es für die CSU und dann für die Freien Wähler. Bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 trat sie erstmals für die von ihr initiierte Initiative ZUKUNFT./ÖDP (Ökologisch-Demokratische Partei) an, deren Stadträtin sie in den nächsten sechs Jahren sein wird. Unter dem Dach der Initiative ZUKUNFT. haben sich viele Bürger und kleine Parteien wie ÖDP (Ökologisch-Demokratische Partei), Bayernpartei, Tierschutzpartei und V-Partei zusammengeschlossen, um für mehr Nachhaltigkeit in der Politik einzutreten. Ulrike Schneider, Jahrgang 1966, hat Anglistik und Hispanistik in Würzburg, London und Salamanca studiert. 2001 promovierte sie in Englischer Literaturwissenschaft. Im Interview mit Siegbert Bruss betont sie, weshalb es an der Zeit ist, Politik in allen Bereichen nachhaltiger und grüner zu gestalten.
Sie haben mit Ihrer Initiative ZUKUNFT./ÖDP 22 138 Stimmen geholt und damit den Einzug in den Stadtrat Schweinfurt geschafft. Was bedeutet das Ergebnis für Sie?

Ich freue mich, dass es für meine Initiative, die mit einer christlich-konservativ-grünen Prägung angetreten ist, aus dem Stand ein solch gutes Ergebnis gegeben hat. Wir sind sogar an alteingesessenen Parteien wie der FDP vorbeigezogen, was zeigt, dass immer mehr Menschen begriffen haben, dass wir unser Leben nachhaltiger gestalten müssen. Dafür stehe ich mit meinem Politikansatz seit nunmehr 24 Jahren im Schweinfurter Stadtrat. Dass ich nun im kommenden Jahr ein Vierteljahrhundert in diesem Gremium sitze, freut und erschreckt mich gleichzeitig. Es ist viel Lebenszeit, die ich investiere – und viel Herzblut, das in die Oppositionsarbeit fließt.

Vor der Wahl erklärten Sie, dass es an der Zeit sei, „Politik in allen Bereichen nachhaltiger zu gestalten – sei es beim Klimaschutz, beim Städtebau oder bei den Finanzen“. Wie können Sie diese und andere Ziele erreichen angesichts der Tatsache, dass Sie als einzige Stadträtin die Initiative ZUKUNFT./ÖDP im Stadtrat vertreten?

Wenn man von der Richtigkeit seiner Ziele nur fest genug überzeugt ist, kann man Berge versetzen, auch wenn man zuweilen gegen eine Übermacht kämpft. Ich bin bei den Abstimmungen im Stadtrat häufig unterlegen, habe aber durch meine Haltung in der Öffentlichkeit immer weiter Druck aufgebaut. Bis hin zu Bürgerbegehren, mit denen Ratsbeschlüsse durch die Bürger dann noch einmal überprüft werden konnten. Es ist ein steiniger Weg, aber er lohnt sich am Ende doch. Sie ahnen nicht, wie „nachhaltig“ und „grün“ die Kollegen der anderen Parteien im Wahlkampf plötzlich geklungen haben, weil sie merkten, dass ein stures Festhalten an eingefahrenen Pfaden auf Kosten der Zukunft (z.B. immer mehr Bau- und Gewerbegebiete, immer mehr Verkehr, immer mehr Events) am Ende Stimmen kosten kann.
Dr. Ulrike Schneider ...
Dr. Ulrike Schneider
Welche Herausforderungen ­ergeben sich für die Stadt Schweinfurt durch die aktuelle Coronavirus-Pandemie?

Die Lage im meiner Stadt ist schwierig, aber auch nicht schwieriger als im Rest von Bayern bzw. Deutschland. Es gilt, die Ausgangsbeschränkungen einzuhalten – durch Absperrungen, verstärkte Kontrollen und konstante Informationen. Der Stadtrat selbst tagt vorübergehend nicht, da der Mindestabstand im Ratssaal nicht gewährleistet werden kann. Dass unsere städtischen Ordnungskräfte noch lernen müssen, in diesen Zeiten das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden, habe ich selbst vor wenigen Tagen in der Fußgängerzone erlebt. Sie ist breit und angesichts der Corona-Krise so gut wie menschenleer … trotzdem wird eine junge Radfahrerin von zwei gewichtigen Ordnungshütern angehalten und verwarnt, weil sie nicht von ihrem Rad abgestiegen ist. Die Verwarnung wird mit gerade mal einem halben Meter Abstand erläutert. Eine ziemliches Fehlverhalten angesichts der grassierenden Pandemie.

Ist ihr Vorhaben, mit der Kreisgruppe Schweinfurt – Gochsheim der Siebenbürger Sachsen einen Baum zu pflanzen, noch aktuell?

Ja! Als die Kreisgruppe der Siebenbürger Sachsen mit dem Anliegen auf mich zukam, habe ich mich sehr gefreut. Ich kämpfe seit Jahren für mehr Grün in meiner Heimatstadt, habe zwei Bürgerbegehren für den Baumschutz und einen Stadtwald auf den Weg gebracht, da ist das Pflanzen eines Baumes ein schönes Symbol – es steht für die Natur, für Nachhaltigkeit, für Heimat, für Tradition. Wann wir den Baum gemeinsam pflanzen können, steht im Moment dank des Corona-Virus noch in den Sternen. Aber am Tage X werden wir es tun, gemeinsam und ohne zwei Meter Abstand.

Besten Dank für das Interview.

Schlagwörter: Interview, Kommunalwahl, Bayern, Schweinfurt, Schneider, Stadtrat, Umweltpolitik, Pandemie

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