7. Januar 2021

Älteste Siebenbürger Sächsin mit 108 Jahren gestorben

Die älteste Siebenbürger Sächsin der Welt, Maria Reiser, ist am 18. November 2020 im Alter von 108 Jahren in Augsburg gestorben.
Maria Reiser ist im Alter von 108 Jahren ...
Maria Reiser ist im Alter von 108 Jahren gestorben. Foto: privat
Noch vor wenigen Monaten, am 22. Juni, spielten Mitglieder der Siebenbürger Blaskapelle Augsburg e.V. zum 108. Geburtstag von Maria Reiser (diese Zeitung berichtete). Die Musiker, die Familie, Mitglieder der Kreisgruppe Augsburg und weitere Gratulanten fanden sich, angepasst an die Corona-Regeln, im Innenhof des Pauline-Fischer-Hauses des Diako ein. Heimbewohner und Gäste hatten ihre große Freude, und die Jubilarin selbst sang die Lieder gekonnt mit und genoss die entspannte Atmosphäre. Mit dieser musikalischen Geburtstagsüberraschung dankten und würdigten die Kreisgruppe Augsburg und der Landesverband Bayern des Verbands der Siebenbürger Sachsen der Jubilarin, die seit Oktober 1951 Mitglied des Verbandes war.

In den letzten Jahren gab es immer wieder solche Besuche bei Maria Reiser und jedes Mal mit Überraschungen im Gepäck. Mal waren es Vorstandsmitglieder der Kreisgruppe Augsburg, die traditionelles siebenbürgisches Gebäck mitbrachten, mal war es der Siebenbürger Chor Augsburg. Ganz selbstverständlich fragte Maria Reiser nach den Musiknoten, um im Sopran mitsingend den Chor zu unterstützen. Groß war ihre Freude, als der Kreisgruppenvorsitzende Helmut Schwarz sein Versprechen einlöste und ihr aktuelle Fotos vom Mausoleum auf dem Heltauer Friedhof schenkte. Ganz genau erkundigte sie sich über das dortige Denkmal für die Gefallenen des 1. Weltkrieges, erzählte von dem Treppenaufstieg, den sie als Kind des Öfteren gesäubert hatte und wusste noch die genaue Anzahl der Stufen. Auch Blumen wurden stets überreicht, denn Maria Reiser liebte die Pracht der bunten Blumen, hat sie sich doch selber jahrelang liebevoll um ihren Garten gekümmert.

Unvergessen sind die vielen Gespräche über die alte Heimat und das Leben, die Freude und das Lachen, die gemeinsam gesungenen Lieder, auch in Mundart. Die Musik und das Singen waren ihre große Leidenschaft. Diese begleiteten sie ein Leben lang. Jedes Lied, jeder Text, jedes Gedicht auch im hohen Alter noch präsent.

Sie wurde am 22. Juni 1912 als Maria Klein in Heltau geboren. Mit ihren sechs Geschwistern verbrachte sie dort in der Fleischergasse eine glückliche Kindheit. Die junge Maria ließ sich zur Säuglingsschwester ausbilden und arbeitete in Czernowitz als Kinderkrankenschwester und anschließend als Lehrerin an der Haushaltsschule in Hermannstadt. Sie lernte Herwart Reiser kennen und das Paar heiratete am 24. Januar 1942 in Heltau. Maria nahm den Namen ihres Ehegatten an. Noch im gleichen Jahr übernahm dieser seine erste Pfarrstelle in Leschkirch.

Pfarrer Herwart Reiser übersiedelte zunächst alleine in die Bundesrepublik Deutschland und arbeitete in Landsberg am Lech als Gefängnispfarrer. Am 21. Mai 1948 wanderte auch Maria Reiser mit ihren Söhnen Dieter und Ingo aus Siebenbürgen aus und die Familie war wieder vereint. Drei weitere Kinder – Hannes, Gertraud und Eckehard – wurden dem Paar geschenkt. Es folgten Aufenthalte im Main-Rhön-Gebiet und in Westheim in Mittelfranken. 1967 zog die Familie nach Mering bei Augsburg. Herwart Reiser übernahm dort die Pfarrstelle in der Gemeinde St. Johannes.

Seine Ehefrau Maria leitete die Frauen- und Mädchenkreise, war Mitorganisatorin des ökumenischen Weltgebetstags der Frauen und sang begeistert im Kirchenchor mit. Das Ehepaar Reiser zog 1989 in das Augsburger Seniorenheim Hermann-Sohnle-Siedlung. Herwart Reiser verstarb im Jahre 2006. Auch mit 100 Jahren lebte Maria Reiser noch sehr selbständig in ihrer Wohnung.

Schließlich zog sie 2013 in das Pauline-Fischer-Haus in der Augsburger Innenstadt. Sie fühlte sich dort sehr wohl und erfreute sowohl die Bewohner als auch die Mitarbeiter mit ihrem offenherzigen, zugewandten und fröhlichen Wesen.

Am 18. November 2020 schloss Maria Reiser für immer ihre Augen und schlief friedlich ein. Es war nicht eine Krankheit, sondern es waren die nachlassenden Kräfte, die zum Tode geführt haben. Zum Gedenken an die älteste Bürgerin Augsburgs berichtete die Augsburger Allgemeine Zeitung.

Maria Reiser wurde am 11. Dezember 2020 im engsten Familienkreis auf dem Protestantischen Friedhof in Augsburg beigesetzt. In liebevoller Erinnerung verabschiedete sich die Kreisgruppe Augsburg mit einer Blumenschale am Grab. Maria Reiser hinterlässt fünf Kinder, zehn Enkel und elf Urenkel.

Unser Mitgefühl gilt allen Hinterbliebenen, wir wünschen der Familie Gottes Segen und Beistand. Für den Vorstand der Kreisgruppe Augsburg

Annemarie Klein

Schlagwörter: Verbandsleben, Augsburg, Heltau

Bewerten:

27 Bewertungen: ++

Noch keine Kommmentare zum Artikel.

Zum Kommentieren loggen Sie sich bitte in dem LogIn-Feld oben ein oder registrieren Sie sich. Die Kommentarfunktion ist nur für registrierte Premiumbenutzer (Verbandsmitglieder) freigeschaltet.