11. März 2010

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Zum Tod des Kulturpreisträgers Stefan H. Hedrich

Stefan H. Hedrich, der „geistige Vater des Transrapid“, überdies Träger des Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreises 1999, verstarb am 2. März 2010 im 91. Lebensjahr im Siebenbürgerheim in Rimsting am Chiemsee.
Stefan H. Hedrich kam am 7. August 1919 in Bistritz als zweites von vier Kindern von Stefan und Frieda Thusnelda, geb. Orendi, zur Welt. Der Vater musste als Berufsoffizier (Generalmajor) oft seinen Standort ändern, so dass der Sohn Stefan mehrfach die Schule wechseln musste. Er besuchte die Schule in der Donauhafenstadt Galaţi, in Roman, in Storojinetz, in Klausenburg und vor allem in Bistritz. Hier wurden seine Neigungen und Fähigkeiten durch ausgezeichnete Lehrer entscheidend gefördert, wie er selber betont hat.

Stefan H. Hedrich (1919-2010) ...Stefan H. Hedrich (1919-2010)Von 1940 bis 1942 studiert Hedrich an der Technischen Hochschule Berlin Flugzeugbau. Eingezogen zur Deutschen Wehrmacht muss er 1942 sein Studium unterbrechen. Erst 1947, nach mehrjähriger Kriegsgefangenschaft, kann er sein Studium in München wieder aufnehmen und studierte statt der begonnenen Fachrichtung Flugzeugbau allgemeinen Maschinenbau.

1954 beginnt Hedrich seine Berufstätigkeit bei den Krauss-Maffei-Werken in München, bei denen er bis zu seiner Pensionierung 1984 erfolgreich wirkte und deren Vertriebsdirektor er bis zum Schluss war. Auf unzähligen Flugreisen rund um die Welt besorgte er für Krauss-Maffei immer größer werdende Lokomotiven-Aufträge aus dem In- und Ausland und schuf damit die Voraussetzungen für weitere Forschungs- und Entwicklungsarbeiten von neuen Verkehrssystemen und Technologien, darunter für die Magnetschwebebahn Transrapid. Aus eigenem Antrieb und vom Gelingen überzeugt, entwickelte er das Konzept einer gänzlich neuen, unkonventionellen Schnellbahn mit einer Reisegeschwindigkeit von rund 500 km/h. Dieses großartige Projekt fand in Deutschland keine Anwendung wegen der enorm hohen Kosten, wurde aber erfolgreich in China umgesetzt. Seine revolutionierende Ideen, die berührungsfreien Fahrtechnik zusammen mit technischen Anwendungslösungen, führten dazu, dass Hedrich bereits 1971 zum persönlichen Berater des damaligen Bundesforschungsministers Prof. Hans Leussink und des Bundesverkehrsministers Georg Leber in Bonn berufen wurde.

Stefan Hedrich hat in seinem Leben zahlreiche Ehrungen erfahren. Schon 1936 erhielt er bei der Schülerolympiade den 1. Preis für Leichtathletik, Basteln und Fotografieren. Zahlreiche Kriegsauszeichnungen für Tapferkeit folgten. 1973 wurden er und unser berühmter Landsmann Hermann Oberth durch den Bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel als Erfinder geehrt. 1979 erhielt Hedrich die „Goldene Ehrennadel“ der Deutschen Lufthansa und 1999 den Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreis für sein Lebenswerk. Besonders stolz war Hedrich auf die Ehrung, die ihm Rumäniens Staatspräsident Ion Iliescu 2004 zuteil werden ließ. Er erhielt den nationalen Orden „Pentru Merit“ in Range eines Kommandeurs.

Stefan Hedrich ist seinen Landsleuten und besonders seiner Heimatstadt Bistritz immer treu geblieben. Mit Freude und Stolz erlebte Hedrich als Ehrengast der alljährlichen Heimattage in Dinkelsbühl den Zusammenhalt der Siebenbürger Sachsen über Grenzen hinweg. Seine letzen Lebensjahre verbrachte er im Siebenbürgerheim in Rimsting am Chiemsee. Dort schlief er am Dienstag, den 2. März, friedlich ein. Stefan H. Hedrich hinterlässt drei Kinder und fünf Enkelkinder, die ihm zusammen mit einer Trauergemeinde bei der würdevollen Aussegnung im Heim die letzte Ehre erwiesen haben. Zum Gedenken an den Verstorbenen wurden am Samstag, den 5. März, um 11.30 Uhr in Bistritz die neuen Glocken geläutet. Hedrich war Mitglied der Heimatortsgemeinschaft Bistritz-Nösen e.V. und Ehrenmitglied der Kreisgruppe Bad Tölz - Wolfratshausen. Bis kurz vor seinem Tode hielt er engen Kontakt mit seinen Landsleuten und freute sich über deren Besuche im Altenheim. Wir werden seiner immer in Ehren gedenken.

Dr. Hans Georg Franchy

Schlagwörter: Nachruf, Kultur, Bistritz

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