16. September 2015

Nösner Jugendgruppe reist zu den Bistritzer Markttagen

Auf Einladung der Stadt Bistritz zur Teilnahme an den Bistritzer Markttagen vom 21. bis 23. August machten sich mehr als 20 Jugendliche der Jugendtanzgruppe Nösen aus Nürnberg zusammen mit Eltern und Freunden auf den Weg nach Siebenbürgen. Am 24. August, dem Bartholomäustag, begann bereits im Mittelalter in Bistritz der große zweiwöchige Jahrmarkt. Dieser Brauch wurde bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts gehalten und seit ein paar Jahren wieder ins Leben gerufen.
Der Jahrmarkt war immer auch ein Fest der Begegnung und der Fröhlichkeit. Unter diesem Motto wollten die jungen Tänzerinnen und Tänzer die Heimatorte ihrer Mütter und Väter erkunden und darüber hinaus Freunden, die nicht aus Siebenbürgen stammen, ihre Herkunft zeigen. Die Auftritte der Jugendtanzgruppe in Heidenfeld und vor der imposanten Bistritzer Kirche, die nach teilweise durchgeführten Renovierungsarbeiten in neuem Glanz erstrahlt, sollten das Highlight der Reise werden – und sie wurden es auch.

Die Reise begann am 19. August mit dem Flug vom Flughafen Nürnberg mit WIZZ-Air nach Klausenburg. Hier möchten wir gleich ein herzliches Dankeschön an die Fluggesellschaft sagen, die unser Gepäck mit den schweren Trachten kostenlos transportierte, wodurch die finanzielle Belastung der Schüler und Studenten entsprechend reduziert wurde. Weiterhin möchten wir der HOG Bistritz-Nösen, dem Verband der Siebenbürger Sachsen, dem Kreisverband Nürnberg und dem Haus der Heimat Nürnberg recht herzlich für die Unterstützung danken.
Zu Gast in Bistritz: die Nösner Jugendgruppe vor ...
Zu Gast in Bistritz: die Nösner Jugendgruppe vor der beleuchteten evangelischen Stadtpfarrkirche; in ihrer Mitte Bürgermeister Ovidiu Creţu (10. von links) und Dr. Hans Franchy (7. von links). Foto: Michael Alzner
Nach nur eineinhalbstündigem Flug wurden wir in Klausenburg vom Bus des Kulturamtes Bistritz abgeholt. Nach einer kurzen Nacht ging es am nächsten Tag auf den Spuren unserer Vorfahren in die umliegenden Dörfer von Bistritz, nach Deutsch-Budak, Senndorf, Burghalle, Petersdorf, Oberneudorf, Auen bis nach Kleinbistritz. Mit zum Teil emotionaler Stimme erzählten die Eltern über ihre hier verbrachte Kindheit und Erlebnissen aus ihre Schul- und Jugendzeit. Horst Göbbel, der die Gruppe auf der Fahrt begleitete, lieferte zu jedem Ort einige geschichtliche Informationen, so dass die Jugendlichen interessiert und begeistert zuhörten. In Klein- bistritz besuchten wir die evangelische Kirche, die bereits 2001 an die orthodoxe Gemeinde übergeben wurde und so vom Verfall verschont geblieben ist. Die anschließende Feier bei Familie Dedean in Kleinbistritz, mit vielen regionalen Spezialitäten wie Schafskäse, Lamm im Kessel, Speck und Pali war ein krönender Abschluss dieses Tages.
Der Freitag begann für die Jugendlichen mit einer Fahrt nach Fântânele zur Besichtigung des Hotel Castel Dracula und einer Führung durch das Schloss mit einigen lustigen und gruseligen Momenten. Auf dieser Fahrt hatten die Jugendlichen die Möglichkeit, die herrliche Landschaft Rumäniens zu genießen. Für den Abend war der erste Auftritt der Jugendtanzgruppe Nösen unter der Leitung von Hanna Schuller und Inge Alzner im Rahmen der Bistritzer Markttage in Heidenfeld geplant. Neben den zahlreichen rumänischen Gruppen trat die Tanzgruppe vor einem begeisterten Publikum mit zwei siebenbürgisch-sächsischen Volkstänzen, dem Rosenstock und dem Kettlinger, in der nordsiebenbürgischen Tracht auf.

Auch der zweite Auftritt am Samstag ebenfalls in Heidenfeld wird den Tänzerinnen und Tänzern wie auch dem Publikum, das sich ebenfalls an frühere Zeiten – an die gelebten Bräuche der Sachsen – erinnern durfte, in sehr angenehmer Erinnerung bleiben. Nach dem Auftritt fuhr die Gruppe zurück nach Bistritz und trat, einem spontanen Vorschlag folgend, kurzentschlossen ein zweites Mal in der Abenddämmerung vor der beleuchteten evangelischen Stadtpfarrkirche auf. Es war ein beeindruckendes Bild, das sich den Zuschauern, die sehr zahlreich gekommen waren, bot. Selbst die Jugendlichen waren davon so begeistert, dass sie bei dem anschließenden Gruppenfoto mit Bürgermeister Ovidiu Creţu und dem Vorsitzenden der HOG Bistritz-Nösen Dr. Hans Franchy strahlten. Den Rest des Abends verbrachten wir in der Innenstadt, wo zahlreiche Veranstaltungen angeboten wurden, wie z.B. Rockkonzerte, die „Weiße Nacht der evangelischen Stadtpfarrkirche“ mit Filmvorführungen, Bilderausstellungen, mittelalterlicher Musik, Erzählungen, Feuer und Licht.

Am Sonntag nach dem Gottesdienst, gestaltet von Dekan Günther Klöss-Schuster aus Castell (Unterfranken) und Pfarrer Johann Dieter Kraus aus Bistritz, folgte eine Stadtführung mit Horst Göbbel und Dr. Hans Franchy. Es gab viele Informationen zur Geschichte von Bistritz, der Bistritzer Stadtpfarrkirche, dem Denkmal „Flucht und Evakuierung“, dem neu gestalteten Park. Zudem schilderten uns die beiden Stadtführer einige Erlebnisse aus ihrer Zeit in Bistritz. Nach einem Mittagessen ging es dann leider wieder mit dem Bus zum Flughafen nach Klausenburg. Am Sonntagabend landeten wir wieder sicher in Nürnberg.

Es war eine sehr beeindruckende Reise. Für die meisten Jugendlichen war es die erste Reise nach Siebenbürgen, aber sicher nicht die letzte. Für alle Nicht-Siebenbürger war es ein Erlebnis, das sie so schnell nicht vergessen werden, und für die Eltern ein Wiedersehen mit ihrer alten Heimat. An dieser Stelle möchten wir Danke sagen an die Stadt Bistritz mit ihrem Bürgermeister Ovidiu Creţu für die Einladung, an das Kulturamt mit seinem Leiter Dorel Cosma für die Betreuung vor Ort, an Annemarie Wagner für die Organisation und Planung der Reise, schließlich an alle, die uns unterstützt haben – die Reise hinterlässt bleibende Erinnerungen.

Inge Alzner

Schlagwörter: Nösner, Nürnberg, Bistritz, Jugendtanzgruppe

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