3. März 2026
Die siebenbürgische Jugendarbeit mitgeprägt: Nachruf auf Ortwin Bonfert, ehemaliger Bundesjugendleiter der SJD
Mit tiefer Bestürzung haben viele Weggefährten des früheren Bundesjugendleiters der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD), Ortwin Rainer Bonfert, von seinem viel zu frühen Tod am 5. Februar 2026 in Stuttgart erfahren. Ortwin Bonfert wurde nur 53 Jahre alt. In den 1990er Jahren hat er die Jugendarbeit der Siebenbürger Sachsen in Deutschland mitgeprägt.

Nach seiner Ausreise nach Deutschland und dem Studienbeginn in Augsburg steigt er sehr bald in die Jugendarbeit der Siebenbürger Sachsen in Deutschland ein. Ortwin Bonfert zeigt großes Interesse am Studentenkreis Studium Transylvanicum mit seiner Siebenbürgischen Ferienakademie sowie den Aktivitäten und der Vorstandsarbeit der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD), der 1986 gegründeten Jugendgliederung des Verbands der Siebenbürger Sachsen in Deutschland. Seine Verbundenheit zu Jugendarbeit führt dazu, dass er 1991 die Geschäftsführung der Bundesjugendleitung der SJD kommissarisch übernimmt. Beim dritten Jungsachsentag der SJD 1992 wird er zum Geschäftsführer und Schatzmeister der SJD gewählt. 1995 beim vierten Jungsachsentag wurde Ortwin Bonfert schließlich zum Bundesjugendleiter der SJD gewählt, ein Amt, das er bis 1998 innehatte. Danach war er bis 2004 Berater der Bundesjugendleitung.
In seiner SJD-Zeit sorgt Ortwin Bonfert für den Aufbau der Kontakte zwischen der SJD und den Kreisgruppen der Landsmannschaft und pflegte dank seiner guten Vernetzung die Kontakte zu den anderen siebenbürgisch-sächsischen Jugendorganisationen in Deutschland und Rumänien. Wichtig war ihm auch die Entwicklung neuer Ideen zur Weiterentwicklung der Jugendarbeit in jener Zeit. 1993 war die SJD erstmals Mitausrichter des Heimattags in Dinkelsbühl, wobei Ortwin einen großen Anteil am organisatorischen Part der Jugend und dem guten Gelingen dieses Heimattags hatte.
Wichtig war ihm die Einbindung junger Siebenbürger Sachsen in die politische Meinungsbildung der Bundesrepublik Deutschland. Er arbeitete daher auch eng mit dem Bundesverband der djo – Deutsche Jugend in Europa und der Arbeitsgemeinschaft Junge Generation des Bundes der Vertriebenen zusammen, in deren Vorstand er aktiv war.
Wegbereitend für die Zukunft der SJD war die Entwicklung eines neuen Mitgliederkonzepts der SJD in Ortwin Bonferts Zeit als Bundesjugendleiter. Dieses Konzept sollten dann nach dessen Umsetzung ab 2001/2002 Früchte tragen und zum Erfolg der SJD bis in die heutigen Tage beitragen. In Würdigung seines Engagements für die siebenbürgisch-sächsische Gemeinschaft wurde Ortwin Bonfert 1997 mit dem Goldenen Ehrenwappen der Landsmannschaft ausgezeichnet.
Der frühere Bundesjugendleiter Haro Schuller schreibt über seinen Nachfolger Ortwin Bonfert: „Ich habe Ortwin zunächst als sehr engagierten, ehrgeizigen und selbstbewussten jungen Schüler und späteren Studenten kenngelernt, der sich mit Herz und Seele für die siebenbürgische Jugendarbeit eingesetzt hat. Von 1991 bis 1995 haben wir eng in der Bundesjugendleitung zusammengearbeitet. Sein Ziel war stets, Jugendarbeit an den Interessen der siebenbürgisch-sächsischen Jugendlichen auszurichten und entsprechende Angebote zu entwickeln. Für seine Hilfsbereitschaft und seine persönliche Unterstützung bin ich Ortwin sehr dankbar.“
Ortwin Bonfert gehörte zu jenen, die für die Einrichtung einer Homepage für die damalige Landsmannschaft plädierten. Zum 25-jährigen Jubiläum von www.siebenbuerger.de schreibt Ortwin Bonfert 2025: „,Wer, bitte, Ortwin, wer kontrolliert dieses Internet, können Sie mir das sagen?‘ Mit sächsischem Zungenschlag und althergebrachtem Sicherheitsbedürfnis wurde der Jugendvertreter beim Vornamen angesprochen, die Höflichkeitsform wahrend. Diese Frage konnte nicht, auch nicht ansatzweise, beantwortet werden und wurde daher im Bundesvorstand erneut gestellt. Sie wurde bei jenem Ortwin und seinen Weggefährten zum geflügelten Wort und hallt heute noch nach, als hätte man sie gestern erst gehört. Zweifelsfrei: Jene Frage war eine Generationenfrage: Die Frage der Erlebnisgeneration sorgenvoller kommunistischer Zeiten und die Ablehnung jener Fragestellung bei einer jungen Generation, bei der sich der Glaube an freien Wissenstransfer und Meinungsaustausch bereits festgesetzt hatte.“
In den folgenden Jahren wurde es stiller um Ortwin Bonfert. In den letzten Jahren aber war er im Vorstand der Deutsch-Rumänischen Gesellschaft in Berlin aktiv, auch wenn er weit weg in Stuttgart lebte. Für die Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien schrieb er regelmäßig zu verschiedenen Themen rund um die Siebenbürger Sachsen und rezensierte Bücher. Sein politisches Interesse hat er sich bis zu seinem Ableben bewahrt.
Ich selbst habe Ortwin Bonfert als konsequenten Menschen kennengelernt, der sich auch nicht scheute mit seiner auch mal abweichenden Meinung Konflikte einzugehen. Nach unserer gemeinsamen Zeit in der Bundesjugendleitung der SJD sind wir uns nur noch sporadisch begegnet, in den letzten Jahren mehr durch Schriftverkehr. Möge er in Frieden ruhen! Wir werden Ortwin in gebührender Erinnerung bewahren und möchten der trauernden Familie unsere herzliche Anteilnahme zum Ausdruck bringen.
Rainer Lehni
Schlagwörter: Bonfert, SJD, Nachruf, Bundesjugendleiter, Rainer Lehni
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