22. Februar 2026

Hammersdorfer gedenken Altdechant Michael Schuller

Michael Schuller (1930-2025) war ein prägender Kirchenmann der evangelischen Kirche in Siebenbürgen. Als Dechant leitete er von 1964 bis 1972 den Kirchenbezirk Bistritz und von 1978 bis 1994 den Kirchenbezirk Hermannstadt. Zudem war er Mitglied im Landeskonsistorium und Bischofsvikar.
Pfarrer i.R. Michael Schuller an seinem 94. ...
Pfarrer i.R. Michael Schuller an seinem 94. Geburtstag in Ulm. Foto: privat
Die Richtschnur für seinen Lebensweg kann man mit Worten aus Psalm 2 beschreiben: „Wohl allen, die auf Gott vertrauen.“ In seiner langen Dienstzeit hat er viele Umbrüche erlebt und die Geschicke einiger Gemeinden in Siebenbürgen mit Weitblick mitgestaltet, stets geleitet von Gottvertrauen und Besonnenheit.

Michael Schuller wurde am 11. Dezember 1930 in Martinsdorf in einer kinderreichen Familie geboren. Im Alter von elf Jahren ging er ins Internat nach Mediasch, um die weiterführende Schule zu besuchen.

Während und nach dem 2. Weltkrieg erlebte er Anarchie, Verschleppung und Hunger. Eine prägende Zeit, in der ihm das Gottvertrauen, das er als Kind in seiner Familie kennengelernt hatte, über all seine Ungewissheiten, Sorgen und Zukunftsängste hinweghalf. Über Umwege begann er das Theologiestudium in Klausenburg, das er 1955 absolvierte. Seine erste Pfarrstelle war in Petersdorf und Oberneudorf in Nordsiebenbürgen. Hier lernte er auch seine Frau Gertrud, geborene Skaloud, aus Bistritz kennen, und hier wurden auch seine drei Kinder Norbert, Sigrid und Ute geboren. Er war in der Gemeinde sehr beliebt, und auch ihm war Petersdorf und das ganze Nösnerland ans Herz gewachsen.

1964 übernahm Michael Schuller neben der Gemeindearbeit auch die Stelle als Bistritzer Bezirkskirchendechant. Damit waren jedoch auch Herausforderungen verbunden, denen er sich stellte und sie geradlinig anging. Das kostete Mut und Kraft, die er nicht scheute aufzubringen, wollte er glaubwürdig und im Glauben standfest bleiben.

Schweren Herzens verließ er 1973 Petersdorf und Oberneudorf und folgte dem Ruf nach Hammersdorf. Er tat es auch wegen der Schulausbildung der Kinder. Hier wirkte und lebte er mit seiner Familie weitere 21 Jahre.

In dieser Zeit durfte ich ihn als Kind in Hammersdorf kennen- und schätzen lernen. Michael Schuller wurde mein und unser aller Pfarrer, und das ist er bis heute geblieben. Der Dank und die Anerkennung der Gemeindemitglieder waren ihm damals und sind ihm heute noch sicher. Für mich wird er für immer mein Pfarrer bleiben.

Auf seine Anregung wurden die Hammersdorfer Kirche und ein Teil der Ringmauer in den 80er Jahren renoviert, weil damals die große Auswanderungswelle schon absehbar und das die letzte Gelegenheit war, die Bauarbeiten mit Hilfe der Gemeindemitglieder zu stemmen. In diesem Zuge wurde auch eine Lautsprecheranlage in der Kirche installiert und das Glockengeläut elektrifiziert. Wir sind Pfarrer Schuller für seine vorausschauenden Maßnahmen zu ewigem Dank verpflichtet.

Neben der Aufgabe als Gemeindepfarrer übernahm er zunächst Aufgaben als Sekretär des Bischofs. Von 1978 bis 1994 wirkte er auch als Dechant des evangelischen Kirchenbezirks Hermannstadt – kein leichtes Unterfangen mit der Securitate im Nacken und später mit den wegen der Auswanderungswelle schrumpfenden Gemeinden.

1990 belegte er kurzfristig die Stelle des Bischofsvikars. Die Kirchengemeinde Hammersdorf blieb für ihn jedoch weiterhin ein sehr wichtiger Bereich seiner Arbeit. 1992 wurde sein Einsatz für den Dienst an Menschen mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Die Auszeichnung des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker überreichte der deutsche Botschafter, der seine Einsatzbereitschaft, Tatkraft und Angstlosigkeit sowie sein diakonisches Engagement in Siebenbürgen würdigte.

1994 erfolgte die Auswanderung in die Bundesrepublik, da sowohl viele Gemeindeglieder als auch die eigenen Kinder nicht mehr in Siebenbürgen lebten. Auch in Deutschland war es Michael Schuller wichtig, dahin zu gehen, wo er gebraucht wird. Die Entscheidung fiel auf Ulm, wo er gemeinsam mit seiner Frau die Frauenarbeit des Gustav-Adolf-Werks übernahm und Vertretungsgottesdienste hielt, solange es die Gesundheit zuließ. Immer wieder wurde er zu Heimattreffen eingeladen, wo er gerne mit ehemaligen Gemeindegliedern, bekannten und vertrauten Menschen Gottesdienste feierte, Gespräche führte und sich für die Integration einsetzte. All das erleichterte die Eingewöhnung in eine neue Umgebung, in ein neues Leben und das zweite Zuhause.

Bei den Hammersdorfer Treffen, die seit 2005 in Biberach an der Riß stattfinden, hielt Pfarrer Schuller entweder selbst die kirchliche Andacht ab oder er schickte persönliche Grußworte an seine Gemeinde. Leider war es ihm aus gesundheitlichen Gründen oft nicht möglich, dabei zu sein. Ein gutes Gespräch, in dem wir ihm von den Treffen berichteten, war ihm immer wichtig und freute ihn sehr.

In seinem bewegten Leben hat er die Hoffnung und Zuversicht nie verloren im Vertrauen darauf, dass Gott immer da ist. Er war immer ein Ruhepol, bei ihm haben die Landsleute stets einen guten Rat gesucht und waren gut aufgehoben. Er starb am 28. August 2025 im Alter von 94 Jahren in Ulm. Für uns Hammersdorfer wird Michael Schuller immer ein Vorbild bleiben.

Michael Orend

Schlagwörter: Nachruf, Porträt, Kirche

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