9. November 2019

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Rundum gelungene Überraschung in Kempten

Unter dem Motto „Wir … über uns“ fand am 13. Oktober in der Markuskirche in Kempten unser Siebenbürgischer Kulturnachmittag statt. Trotz schönstem Wanderwetter folgten zahlreiche Mitglieder unseres Verbandes der Einladung des Vorstandes. Mit selbst gebackenen Kuchen und Kaffee stärkten sie sich, bevor der kulturelle Teil der Veranstaltung begann. Der Vorstand bedankte sich recht herzlich bei den fleißigen Kuchenbäckerinnen und den emsigen Helfern des Organisationsteams: Irmgard und Johann Ehl, Helmut und Hildegard Hallmen, Heidi und Christian Schnell, Maria und Johann Krech, Johann Antinie sowie Margarethe und Otto Wotsch.
„Mer wällen bleiwen watt mer seng“ – mit den Versen des gleichnamigen Liedes eröffnete Senta Wotsch, Vorsitzende des Kreisverbandes Kempten/Allgäu, ihren Vortrag. Wer sind wir Siebenbürger Sachsen eigentlich? Wann und warum kamen die ersten Landsleute nach Kempten? Diese Fragen wurden durch Zitate aus der Chronik unseres Kreisverbandes ausführlich beantwortet. Von sieben Mitgliedern, die 1949 unter Heinrich Schiel unsere Kreisgruppe gründeten, wuchs diese bis 2019 auf 240 Mitglieder an. Im Rahmen einer Diashow erläuterte die Vorsitzende die oft mühsame, jedoch zunehmend von Erfolg gekrönte Arbeit unserer Kreisgruppe. Neben traditionellen Festen wie dem Grillfest mit siebenbürgischen Spezialitäten, dem Kathreinenball mit Theateraufführung, dem Siebenbürgischen Kulturnachmittag und der Weihnachtsfeier kamen neue Veranstaltungen hinzu. Erwähnenswert wären das Frühstück für Junge und jung Gebliebene mit siebenbürgischen Wurzeln, die Wanderungen in unserer wunderschönen Umgebung, die Teilnahme an der Gedenkfeier der Stadt Kempten zum Volkstrauertag sowie die Flugreise zum Weihnachtsmarkt nach Hermannstadt. Mehrere Frauen treffen sich regelmäßig im Café Tara zur „modernen Rookenstuff“ und die Männer veranstalten einen „zeitgemäßen Frühschoppen“ im Landgasthof am Mariaberg. Mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Willst du Gottes Werke schauen, komm ins Siebenbürger Land“ endete der erste Teil des Vortrages.Vortrag von Senta Wotsch. ...Vortrag von Senta Wotsch. Maria Krech begann den zweiten Teil mit den Worten: „Bei dem Thema ,Wir über uns‘ denke ich insbesondere daran, womit wir Siebenbürger Sachsen uns identifizieren, worin wir uns wiedererkennen, worin wir übereinstimmen. Das können nur unsere Bräuche sein! Beginnen wir mit der Geburt eines Kindes. Ob in Stolzenburg, Bußd, Hamlesch oder Heltau brachte man der frisch gebackenen Mutter eine kräftige Hühnersuppe mit Grießknödel oder Gezeddeltdich und Vijelsmealch (Vogelmilch) zur Stärkung.“ In der folgenden Anekdote ging es um die Kletitten (Pfannkuchen), die die Trenjemaun dem Zirrchen gebacken hatte, als diese im Wochenbett lag. Der 7-jährige Pizzo wurde mit dem warmen Gebäck zur jungen Mutter geschickt, biss aber unterwegs in jeden Pfannkuchen einen Mund, eine Nase und Augen. Pizzo erhielt keine Strafe, weil seine Mutter nichts von seiner Missetat erfuhr.Die fleißigen Helferinnen servieren den ...Die fleißigen Helferinnen servieren den Teilnehmern des Kulturnachmittages warme Kletitten. Fotos: Helmut Hallmen Unsere Gäste bekamen aber keine „verunstalteten“ Pfannkuchen, sondern ganz leckere Kletitten, die drei Frauen am Sonntagvormittag gebacken hatten: Adelheid Krestel füllte sie mit urdă, Eigelb und Dill, Senta Wotsch mit verschiedenen Marmeladen und Maria Krech mit rumänischem Käse (brânză frământată). Das war eine gelungene Überraschung! Von den nahezu hundert Kletitten blieb gar nichts mehr übrig.

Weiter ging es mit den Bräuchen. Die Kinder wuchsen heran und man lehrte sie verschiedene Reime und Liedchen, die auch allgemein bekannt waren. Aufregend wurde es dann in der Schule, da viele Erstklässler der deutschen Sprache nicht mächtig waren. An dieser Stelle konnte auch so manche der Anwesenden aus eigener Erfahrung lustige Vorfälle erzählen. Da sich für viele Schüler das Lernen im Allgemeinen und das Rechnen im Besonderen als sehr schwierig gestaltete, beendete Johann Krech den diesjährigen Kulturnachmittag mit dem Gedicht „De Subtraktion“ von Schuster Dutz.

„2020 wollen wir unsere siebenbürgische Bräuche weiter dokumentieren und sie mit vielen Beispielen und lustigen Begebenheiten schmücken“, versprachen die Vorstandsmitglieder.

Maria Krech, Senta Wotsch

Schlagwörter: Kreisverband, Kempten, Kulturnachmittag, Traditionspflege

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