3. August 2011

Seminar der „Siebenbürger Genealogie“ in Bad Kissingen

Das erste Seminar der zweiten Halbzeit der „Siebenbürger Genealogie“ fand vom 29. April bis 1. Mai im „Heiligenhof“ in Bad Kissingen statt. Es stand unter dem Motto: „Sicherung der Archivalien ausgesiedelter Deutscher aus Rumänien“.
Nach der Begrüßung der 45 Teilnehmer, besonders der etwa ein Viertel neu Hinzugekommenen, bat Christian Weiss um Mitarbeit bei der Siebenbürgischen Familienforschung (SF) und beim Pfingsttreffen in Dinkelsbühl, wo für das Projekt weiterhin geworben werde. Da für dieses Seminar kein Sponsor für die Erstattung der Reisekosten der Mitarbeiter gefunden wurde, gab es nur 200 Euro zu verteilen, die von Edda Schneider gespendet wurden. Wir bitten deshalb die Heimatgemeinschaften (HOG), die am Erfolg des Projektes interessiert sein sollten, für die Reisekosten der Mitarbeiter zu spenden. Leider hatte die Spende von 5000 Euro der HOG Kronstadt für das Seminar im Oktober 2010 keinen Vorbildeffekt.

Christian Weiss betonte, dass der Termin 2013, zu dem die ersten Mandanten zusammengeführt werden sollen, auch deshalb wichtig sei, weil die Zeitzeugen, die weitere wichtige Informationen beitragen könnten, wegstürben. Da so viele neue Mitarbeiter am Seminar teilnahmen, wurde beschlossen, die Tagesordnung für Samstag zu ändern, so dass die neuen Teilnehmer am Nachmittag von Gisbert Berwe im Umgang mit dem Programm unterwiesen werden konnten, während die anderen Mitarbeiter die vorgesehene Tagesordnung einhielten.

Der Samstag begann mit dem Einlesen der am Vorabend verteilten Ortsdatei in die jeweiligen Mandanten der Mitarbeiter. Dafür erklärte Gisbert Berwe Schritt für Schritt die Vorgehensweise beim Import einer Gedcom-Datei. Nach dem Mittagessen stellten drei Mitarbeiter ihre Arbeitsweise vor. Dabei wurde wieder deutlich, wie schwer es ist, einheitlich bei der Erstellung der Dateien vorzugehen. So gab es z.B. in Seiburg keine Straßennamen, sondern nur Höfe mit Hausnummern, jedoch Hofnamen dazu. In Zendersch gab es früher überhaupt keine Hausnummern und die „Adresse“ wurde als Zusatz zum Familiennamen angegeben. Hinzu kommt, dass wegen der Realteilung, die in Zendersch üblich war, viele Personen öfter umziehen mussten, was z.B. die Zuordnung der Kinder zu ­Familien erschwert. Deshalb wurde die Vorgehensweise geändert und es wurde die Gegenwart zum Ausgangspunkt genommen. Das hat den Vorteil, dass Zeitzeugen bei der Zuordnung helfen können. Zudem kann der Katalog des Genealogischen Archivs aus Gundelsheim verwendet werden. Trotzdem bleiben Schwierigkeiten, weil sich viele Familiennamen im Laufe der Zeit geändert haben, was die Zuordnung von Personen erschwert. Für die Bearbeitung von Frauendorf und Meschen wurden zuerst nach den Familienbüchern Familien angelegt und dann durch die Daten der Matrikeln ergänzt.

In dem Beitrag „Stolpersteine“ zeigte Bernd Eichhorn, welche Schwierigkeiten sich ergeben, wenn z.B. identische Quellen in verschiedenen Mandanten unterschiedliche Namen haben. Außerdem erläuterte er, wie verschiedene Schreibweisen derselben Namen die Zusammenführung erschweren.

Nach dem Abendessen stellte Jutta Tontsch ihre Arbeit im Genealogischen Archiv (GA) in Gundelsheim vor. Dort hat sie, zusammen mit Helga Lutsch, alle Dokumente des Katalogs des Genealogischen Archivs digitalisiert und auf vier DVDs gebrannt, die den Mitarbeitern zu einem symbolischen Preis zur Verfügung gestellt werden. Allerdings ist die Sicherheit dieser Daten nicht immer gegeben. Vorrangig sollten nach Möglichkeit immer Primärquellen verwendet werden. Nachdem Jutta auch erklärt hatte, wie der Katalog des Genealogischen Archivs zu lesen ist bzw. ausgewertet werden kann, bat dessen Bearbeiter Karl Bertleff alle Mitarbeiter, ihm Lücken, Fehler und Abweichungen zu Matrikeln etc. zu melden, um spätere Forscher darauf hinweisen zu können.

Am Sonntag, nach der Morgenandacht, sprach Edda Schneider über das Lesen alter Handschriften. Zur Erläuterung der Entwicklung der gotischen Schreibschrift benutzte sie Unterlagen, die Johann Melzer uns über die Mailingliste hatte zukommen lassen. Dabei musste sie feststellen, dass einige Buchstaben bizarre Entwicklungen durchlaufen haben, die das Entziffern alter Handschriften noch mehr erschweren. Dazu empfahl Christian Weiss zuerst immer zu versuchen, den Sinn eines Textes zu ergründen und sich nicht auf die Entzifferung von Buchstaben zu konzentrieren. Mit der Zeit falle das Lesen dann leichter und man könne auch Buchstaben besser auseinanderhalten. Unsere Landsleute werden weiter aufgerufen, sich für das Projekt einzusetzen, dafür zu werben oder selbst mitzuarbeiten, da die Arbeit noch lange nicht abgeschlossen ist.

Bernd Eichhorn

Schlagwörter: AKSL, Genealogie, Seminar

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  • 03.08.2011, 09:42 Uhr von Jutta: Kurze Erklärung: Mit „Mandant“ (Begriff aus der Arbeit mit dem Genealogie-Programm Gen_Plus) ist ... [weiter]

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