5. Oktober 2013

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Biographie der Malerin Mathilde Roth erschienen

Eine bemerkenswerte Neuerscheinung wurde im August dieses Jahres vorgelegt. Im Verlag des Arbeitskreises für Siebenbürgische Landeskunde (AKSL) erschien „Mathilde Roth 1873-1934. Eine vergessene siebenbürgische Malerin“. Die Autorin Helga Lutsch stellt darin eine Künstlerin vor, deren Begabung und gemeinnütziges Engagement beeindrucken und deren Selbstständigkeit und Unabhängigkeit überraschen angesichts der Zeit, in der sie lebte.
Es war eine Geschichte der Urgroßmutter, deren Hintergründe Helga Lutsch herausfinden wollte und die am Beginn einer sieben Jahre währenden Recherchearbeit zu Leben und Werk der Malerin Mathilde Berner-Roth stand. Deren Ergebnis liegt nun in einem gediegen gestalteten Band zu Leben und Werk der in Hermannstadt geborenen Künstlerin vor. In detektivischer Kleinarbeit suchte die Autorin nach Hinweisen auf Werke der „Malercousine“ ihrer Urgroßmutter und folgte dem Weg der entfernten Verwandten zu ihren zahlreichen Lebensstationen, die sich über den gesamten deutschen Sprachraum erstrecken. Die geringe Zahl an Hinweisen konnte nur schwer ergänzt werden, Zeitzeugen zu befragen war nicht mehr möglich, schriftliche Quellen waren weit verstreut. So reiste die Autorin nach München, Zürich und Wien, nach Hermannstadt und zurück zum siebenbürgischen Archiv nach Gundelsheim und trug ­zusammen, was sie in Nachlässen, der zeitgenössischen Presse sowie in Berichten von Frauenvereinen in Hermannstadt und Zürich finden konnte. Viele Stunden akribischer Forschungsarbeit in Archiven, Bibliotheken und Museen ließen allmählich das Bild einer Frau Konturen annehmen, die ihr Leben und Werk in den Dienst der Gemeinschaft stellte und den Ertrag ihrer Arbeit vor allem zu karitativen Zwecken nutzte.

Mathilde Roth um 1908. ...Mathilde Roth um 1908. Geboren in Hermannstadt als Tochter des Pfarrers und Lehrers Dr. Johann Roth, gehörte die Künstlerin zu einer Gruppe von Frauen am Ende des 19. Jahrhunderts, deren Begabung an der Damenakademie des Münchner Künstlerinnen-Vereins gefördert wurde. Ihr Vater stammte aus Agnetheln und hatte selbst an Universitäten in Deutschland studiert und promoviert. Er war es, der seiner Tochter den Weg zu der Ausbildung in München ebnete, indem er ihr eine vergleichbare schulische Bildung wie dem Bruder ermöglichte. Zwei Jahre studierte sie in München, erweiterte ihr Können in Wien und kehrte dann wieder nach Hermannstadt zurück, wo sie als Malerin und Kunsterzieherin tätig war. 1910 heiratete sie Fritz Berner, einen Architekten, und zog zu ihm nach Zürich, wo sie bis zu ihrem Lebensende lebte. Ihrer Heimat blieb sie auch in der Schweiz eng verbunden. Für die Leser des „Siebenbürgisch-Deutschen Tageblattes“, eine Zeitung, die sie selbst gerne in Zürich las, schrieb sie Reiseberichte. Als aktives Mitglied des Schweizerischen Gemeinnützigen Frauenvereins stellte sie ihre Kreativität unter Beweis und wurde von ihren Mitstreiterinnen im Rahmen dieser Organisation sehr geschätzt. Ihre Vorträge über Siebenbürgen fanden eine zahlreiche Zuhörerschaft und es war ihr ein wichtiges Anliegen, Siebenbürgen in der Schweiz bekannt zu machen. Zeitungsnotizen und Briefe dokumentieren ihre vielseitige Tätigkeit. Doch was ist mit der Malerin? Wo kann sie eingeordnet werden? Wo positionierte sie sich selbst? Antworten lassen die von Helga Lutsch gesammelten Dokumente kaum zu. Zu der jungen Künstlergeneration im München der Jahrhundertwende gab es wohl keinen Kontakt und für neue künstlerische Gestaltungsmöglichkeiten scheint sie sich nicht interessiert zu haben. Dennoch war sie in der Schweiz auch als Malerin erfolgreich. Ihre Bilder konnte man in Ausstellungen sehen und 1914 wurde sie bei der Berner Landesausstellung ausgezeichnet. Bleistift- und Kohlezeichnungen, Ölgemälde und Aquarelle kann man in Museen der Schweiz und im Brukenthal-Museum in Hermannstadt finden. Diese belegen, dass sie unterschiedliche Maltechniken kompetent nutzte. Dass ein Teil ihrer Bilder schon vor ihrem Aufenthalt an der Damenakademie entstand und auch erfolgreich in Ausstellungen gezeigt worden war, verweist darauf, dass die Ausbildung in München eine Erweiterung und Vertiefung ihres Könnens darstellte. Helmut Arz von Straussenburg schätzt die Zeichnungen und Ablichtungen positiv ein, äußert sich aber überrascht dazu, dass die Bilder von Mathilde Roth keinen Einfluss neuer künstlerischer Ausdrucksweisen erkennen lassen. Der Hinweis in seinem Beitrag, dass in jener Zeit eine Entwicklung zu kunstgewerblichen Gestaltungsmöglichkeiten hin nachzuweisen sei, erklärt unter Umständen Mathilde Roths Interesse für das Kunsthandwerk, dem sie vermutlich viel Zeit gewidmet hat, bedenkt man, bei wie vielen Wohltätigkeitsveranstaltungen ihre Arbeiten zum Verkauf angeboten wurden.Mathilde Roth bockelt ihre Mutter anlässlich der ...Mathilde Roth bockelt ihre Mutter anlässlich der Installation von Bischof Friedrich Teutsch am 20. Oktober 1907. Foto: Emil Fischer Die verdienstvolle Arbeit von Helga Lutsch ist es, das Leben und Wirken einer siebenbürgischen Künstlerin der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus dem Schatten der Vergangenheit in unsere Gegenwart geholt und der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht zu haben. Daher kann diese Neuerscheinung als ein Mosaikstein zur Ergänzung des Gesamtbildes der Kunstschaffenden in Siebenbürgen im 20. Jahrhundert betrachtet werden.

r ... Der vorliegende Band umfasst einen Textteil, in dem detailreich biographische Daten der Malerin und aus ihrem weiteren familiären Umfeld zu lesen sind, sowie eine Anzahl von Briefen und anderen aussagekräftigen Dokumenten. Der Bildteil setzt sich aus Aufnahmen aus dem Fotoalbum der Künstlerin und 68 Ablichtungen ihrer Kunstwerke zusammen. Das Buch ist erhältlich unter der ISBN 978-3-929848-94-6 im Buchhandel für 38 Euro oder für AKSL-Mitglieder abzüglich 30% per E-Mail: info[ät]siebenbuergen-institut.de.

Maria Maurer

Schlagwörter: Malerin, Biographie, Buch

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