15. März 2015

„Musica Coronensis“ für unterwegs

Im Herbst werden die Kronstädter Festspiele „Musica Coronensis“ ihre 13. Auflage erreicht haben – sowie einen Bekanntheitsgrad, der die Grenzen der Stadt längst überschreitet.
Die musikalischen Schätze Kronstadts und Siebenbürgens finden im Rahmen der Konzertreihe wohlverdiente öffentliche Aufmerksamkeit: Kronstädter Komponisten, Interpreten und Musikinstitutionen rücken ins Rampenlicht, Kulturschaffende bündeln ihre Kräfte, alte Werke werden wiederentdeckt, neue uraufgeführt, Gastmusiker und Zuhörer reisen in die Stadt am Fuße der Zinne, der Konzerterlös kommt Orgelrestaurierungsprojekten zugute – und Herbst für Herbst blüht die ganze Region musikalisch auf. Ein erfolgreicheres Projekt hätten die Veranstalter – die Evangelische Kirchengemeinde A.B. Kronstadt und die Deutsche Botschaft Bukarest – auf dem Gebiet der Tonkunst kaum ins Leben rufen können.

Weniger bekannt ist, dass „Musica Coronensis“ längst den Schritt in den virtuellen Raum gewagt hat. Unter www.musica.coronensis.ro kann das Publikum auch aus der Ferne das musikalische Kronstadt kennen und schätzen lernen. Die Koordinatoren der Konzertreihe stellen auf der Webseite das bisher einzige Online-Archiv mit Musik aus Kronstadt zur Verfügung – eine wahre Fundgrube für Musikliebhaber und Siebenbürgen-Begeisterte. Die Musiksammlung enthält zahlreiche Werke in Ersteinspielung und wird jedes Jahr mit neuen Konzertmitschnitten bereichert. Allein nach der jüngsten Festivalauflage sind 36 neue Audiodateien hinzugekommen.
Der Bachchor der Schwarzen Kirche und Dirigent ...
Der Bachchor der Schwarzen Kirche und Dirigent Steffen Schlandt im Rahmen der „Musica Coronensis“ 2011. Im Audio-Archiv kann die damals aufgeführte Psalmvertonung „Wie der Hirsch schreit“ von Rudolf Lassel gehört werden. Foto: Christine Chiriac
Eine Zeitreise in die Geschichte bieten etwa Einspielungen wie die „Fantasie“ von Valentin Greff Bakfark, die bereits im Rahmen der zweiten „Musica Coronensis“ von dem Ensemble „The Harmonious Blacksmith“ aus Bukarest auf historischen Instrumenten dargeboten wurde. Den zarten Streicherakkorden aus dem 16. Jahrhundert steht üppige Sinfonik gegenüber, beispielsweise in der fünften Sinfonie von Paul Richter, die in der Wiedergabe des Orchesters der Kronstädter Philharmonie gehört werden kann. Rührend ist auch die „Kantate auf den Charfreitag“ (1802), ein Werk des aus Weidenbach stammenden Kantors der Schwarzen Kirche, Martin Schneider. Interpretiert wurde es von dem Kronstädter Jugendbachchor und dem „Gaudeamus“-Quartett unter der Leitung des Dirigenten und Festivalkoordinators Steffen Schlandt. Der Hörer kann zudem eine Vielfalt von Liedern entdecken: Die Vokalminiaturen von Tiberiu Brediceanu, Norbert Petri, Tudor Ciortea, Rudolf Lassel, Gheorghe Dima und Norbert von Hannenheim könnten kaum unterschiedlicher und farbvoller sein und stehen in Konkurrenz zu den zahlreichen Kammermusikwerken aus allen Epochen. Schließlich wird auch die zeitgenössische Tonkunst gebührend gewürdigt. Raffinierte Kostproben sind Hans-Peter Türks „Ostinati per Organo“, gespielt von Hans-Eckart Schlandt auf der Buchholz-Orgel der Schwarzen Kirche, die „Meditation“ von Dieter Acker in der Darbietung des Cellisten Götz Teutsch (Deutschland) oder das Stück „Geistliche Dämmerung” von Ana Szilágyi, aufgeführt von Claudia Pop (Sopran) und Anca Preda (Klavier).

Wer nicht genau weiß, wann Wilhelm Georg Berger gewirkt hat, welches die Schwerpunkte im Werk von Helmut Sadler sind, oder weshalb Hans-Peter Türk Kronstadt als seine Heimatstadt betrachtet, kann es unter der Rubrik „Komponisten“ nachlesen, wo einige der Biografien zusammengefasst sind. Zusätzlich gibt es eine bis in die Gegenwart reichende Liste von Musikerpersönlichkeiten, die in Kronstadt geboren sind, hier wirk(t)en oder deren Lebenslauf mit der Stadt eng verbunden ist. Gewiss, die Liste kann noch ergänzt und die deutsche Version der Webseite verbessert werden, doch die wertvolle Audio-Sammlung dokumentiert bereits auf bemerkenswert hohem Niveau mehrere Jahrhunderte aus dem musikalischen Leben Kronstadts. Eine Initiative, die Nachahmer finden darf.

Christine Chiriac

Schlagwörter: Kronstadt, Musik, Archiv

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